Felix Hausdorff Pseudonym Dr. Paul Mongré

                    

Deutscher Mathematiker; Sohn eines Kaufmanns; studierte von 1887 bis 1891 Mathematik und Astronomie, in Leipzig, in Freiburg im Breisgau und in Berlin und hörte parallel dazu Vorlesen in Physik, Chemie und Geographie, sowie in Philosophie, Philosophiegeschichte und in Sprach-, Literatur- und Sozialwissenschaften. Nach der Habilitation war er zunächst als Privatdozent und ab 1901 als Extraordinarius an der Universität Leipzig tätig. Bereits vor seiner Lehrtätigkeit als Professor in Leipzig veröffentlichte Hausdorff unter einem Pseudonym philosophische Essays und literarische Abhandlungen. Von der Leipziger Universität wechselte er 1910 an die Universität in Bonn, von dort nach Greifswald (1913-21) und erneut nach Bonn bis 1933. Er ist der Schöpfer der axiomatischen Grundlagen der Mengenlehre und Topologie; sein 1914 veröffentlichtes Hauptwerk Grundzüge der Mengenlehre gehört heute noch zu den Standardwerken in der Mathematik. Um als Jude einer Deportation zu entgehen, nahm er sich mit seiner Frau und Schwägerin das Leben.

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Bonn, Poppelsdorfer Friedhof

Bilder: Hartmut Riehm (8/2005)

Heinrich Wilhelm Matthias Olbers

                       

Deutscher Astronom und Arzt; war seit 1781 Arzt in Bremen, errichtete dort 1799 eine Privatsternwarte; er entdeckte sechs Kometen, von denen einer seinen Namen erhielt, sowie die Kleinplaneten Pallas und Vesta. Er entwickelte eine Methode zur Bestimmung der Kometenumlaufbahnen (Veröffentlichung 1797) und berechnete zahlreiche Bahnen. Bekannt wurde Olbers durch das olberssche Paradoxon. Er pflegte einen regen brieflichen Gedankenaustausch mit Carl Friedrich Gauß und förderte die berufliche Entwicklung vonFriedrich Wilhelm Bessel.

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Bild: Claus Harmsen (9/2005, stones & art)

Bremen, Riensberger Friedhof

Heinrich Gustav Johannes Kayser

 

 

Deutscher Physiker; war von 1894 bis 1920 Professor an der Universität Bonn als Nachfolger von Heinrich Hertz und baute dort ein Zentrum für spektroskopische Forschungen auf. Gemeinsam mit Carl Runge (*1856, †1927) untersuchte er die Spektren zahlreicher Elemente, wies u.a. das Vorkommen von Helium in der Erdatmosphre nach. Kayser war Mitherausgeber des Handbuchs der Spektroskopie (8 Bde., 1900-24).

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Bilder: Hartmut Riehm (9/2005)

Johann Wilhelm Hittorf

Deutscher Chemiker und Physiker; studierte ab 1842 Naturwissenschaften und Mathematik an der Universität Bonn, sowie ein Semester in Berlin. seit 1852 Professor der Chemie an der Wilhelm-Universität in Münster; untersuchte die Beweglichkeit von Ionen bei der Elektrolyse sowie die Physik der Gasentladungen; entdeckte die geradlinige Ausbreitung und magnetische Ablenkbarkeit der Kathodenstrahlen und die kristallisierte, metallisch glänzende Modifikation des Phosphors.

Auszeichnungen u.a.: Pour le Mérite-Orden.

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Bild: Werner Farwick

Münster, Zentralfriedhof

Georg Dehio

Deutscher Kunsthistoriker; Vater von Ludwig Dehio; studierte in Dorpat (heute Tartu, Estland) und Göttingen, wo er bei dem Rechtshistoriker Georg Waitz promovierte. Ab 1883 lehrte er an der Albertina in Königsberg sowie der dortigen Kunstakademie. Im Jahr 1892 erhielt er einen Ruf an das Kunstgeschichtliche Institut nach Straßburg, an dem er bis 1919 als Professor tätig war. 1900 wurde in Dresden anläßlich des Tages für Denkmalpflege auf Dehios Anregung beschlossen, die deutschen Kunstdenkmäler in einer Dokumentation zusammenzuführen. Im September 1905 erschien der 1. Band des Handbuchs der deutschen Kunstdenkmäler, dessen Herausgeber Dehio wurde. Außerdem veröffentlichte er mit G. von Bezold, dem Leiter des Germanischen Nationalmuseums von 1894 bis 1920, das grundlegende Werk Die kirchliche Baukunst des Abendlandes (7 Bde., 1884 bis 1901).

Werke u.a.: Geschichte der deutschen Kunst (3 Bde., 1919-26; mit Band 4 als Doppelband ber das 19. Jahrhundert fortgesetzt von G.Pauli 1934).

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Bild: Wolfgang Prokosch (8/2005)

Tübingen, Stadtfriedhof

Bonn, Poppelsdorfer Friedhof

Theodor Wiegand

1901

Deutscher Archäologe; Sohn eines Arztes; studierte er Kunstgeschichte, Archäologie und Altertumswissenschaften an den Universitäten von München, Berlin und Freiburg. 1894 beteiligte er sich an den Grabungen Wilhelm Dörpfelds auf der Athener Akropolis. Ab 1885 grub er unter Carl Humann (*1839, †1896) in Kleinasien im antiken Priene und übernahm nach dessen Tod die Leitung der Ausgrabungen. Außerdem leitete er die archäologischen Ausgrabungen von 1899 bis 1911 in Milet, von 1905 bis 1911 in Didyma und von 11910 bis 1911 auf Samos. 1927 entdeckte er bei der Wiederaufnahme der Grabungen in Pergamon die Arsenale auf der Burg und das vor der Stadt gelegene Heiligtum des Asklepios. 1912 ging er zurück nach Berlin und übernahm dort die Leitung der Antikenabteilung der Museen. In seiner Verantwortung lag den Aufbau und die Einrichtung des Pergamonmuseums auf der Berliner Museumsinsel. Von 1899 bis 1911 fungierte Wiegand als auswärtiger Direktor der Berliner Museen in Konstantinopel (heute Istanbul) und zugleich an der deutschen Botschaft in Konstantinopel als wissenschaftlicher Attaché bei der deutschen Botschaft in Konstantinopel akkreditiert. Im Ersten Weltkrieg leitete Wiegand im Rang eines Hauptmanns der Landwehrartillerie im Asien-Korps das sog. Deutsch-Türkische Denkmalschutzkommando und war von 1917 bis 1918 u.a. für die Abschlußarbeiten der 1898 nach dem Besuch von Kaiser Wilhelm II. begonnenen deutschen Grabungen in Baalbek im Libanon verantwortlich. 1923 wurde Wiegand Mitglied der Preußische Akademie der Wissenschaften. 1930 schied er aus dem Staatsdienst aus, war aber ab 1932 Präsident des Deutschen Archäologischen Instituts in Berlin. 

Verheiratet war Wiegand seit Januar 1900 mit Marie von Siemens, eine Tochter des Bankiers Georg von Siemens.

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Berlin, Städtischer Waldfriedhof Dahlem

Bilder: Hajo Rackel (05/2011)
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Bilder: Claus Rodemer (03/2011)

Mannheim, Hauptfriedhof

Heinrich Caro

 

Deutscher Chemiker; Sohn eines Unternehmensleiters einer Getreidefirma; studierte im Anschluß an die Realschule an einem Gewerbeinstitut und der Berliner Universität das Fach Chemie. Im Jahr 1855 ging er nach Mülheim a.d. Ruhr, um dort das Färben und Bedrucken von Stoffen zu erlernen, und 1859 war er in Manchester bei der Färberei und Druckerei Roberts, Dale & Co., bei der er wegen seiner besonderen Kenntnisse und den vorgeschlagenen Verbesserungen bei der Mauvein-Herstellung Teilhaber einer neu angegliederten Farbenfabrik. Caro, einer der Gründer der Teerfarbenindustrie, nutzte Anilin zum Färben von Stoffen. Im Jahre 1867 kehrte er nach Deutschland zurück. Nach weiteren Studien im italienischen Palermo wurde Caro am 1.11.1868 neben Friedrich Engelhorn, Direktor der am 10.5.1865 gegründeten Badische Anilin und Sodafabrik (BASF). Caro entwickelte die Herstellung von Indigo und von Peroxomonoschwefelsäure (carosche Säure) in industriell ausgelegten Anlagen.

1850 war er Mitgründer des Vereins deutscher Ingenieure.

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Hans Kopfermann

 

 

Deutscher Physiker; Sohn eines Pfarrers; unterbrach sein 1913 an der Universität Erlangen begonnenes Studium der Physik, um sich bei Beginn des Ersten Weltkrieges freiwillig zum Militär zu melden, und war während des Krieges war er u.a. an der Westfront eingesetzt. Nach dem Ende des Krieges setzte Kopfermann, der 1919 Mitglied des Freikorps Epp war, sein Studium zunächst in Erlangen, dann in Göttingen fort, ging nach der Promotion im Jahre 1923 als Assistent zu Rudolf Ladenburg an das Kaiser-Wilhelm-Institut für physikalische Chemie und Elektrochemie in Berlin-Dahlem (dem späteren Fritz-Haber-Institut) und schloß nach der Habilitation einen einjährigen Forschungsaufenthalt bei Niels Bohr in Kopenhagen an. Nach seiner Rückkehr war er Oberassistent von Gustav Hertz an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg .1937 wurde er ordentlicher Professor an der Universität Kiel. 1941 trat er der NSDAP und dem Nationalsozialistischen Deutschen Dozentenbund bei und wurde Dekan der philosophischen Fakultät in Kiel. 1940 und 1942 setzte er sich in den von Wolfgang Finkelnburg organisierten, später als “Münchner Religionsgespräche“ bezeichneten Schlichtungsgesprächen gegen Angriffe von Vertretern einer "arischen Physik" und für die Anerkennung der modernen theoretischen Physik ein. 1942 wechselte er an die Universität Göttingen und wurde dort Direktor des II. Physikalischen Instituts. 1953 wurde er Direktor des I. Physikalischen Instituts an die Universität Heidelberg. Außerdem war Kopfermann Mitglied sowohl der Heidelberger, der Göttinger als auch der königlich-dänischen Akademie der Wissenschaften. Zu seinen Schülern zählten u.a. die Physiker Hans Georg Dehmelt und Wolfgang Paul, die beide 1989 mit je der Hälfte des Nobelpreises für Physik ausgezeichnet wurden, der Kernphysiker und spätere und langjährige Direktor des Instituts für Kernphysik in Mainz Hans Ehrenberg, der Physiker Gisbert Freiherr zu Putlitz sowie der Kernphysiker Peter Brix.

Hans Kopfermann - zu jener Zeit Vizepräsident des Arbeitskreises Kernphysik in der Deutschen Atomkommission - war einer der sog. Göttinger Achtzehn, die 1957 die "Göttinger Erklärung" gegen die Atombewaffnung der BRD unterzeichneten.

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Bilder: Klaus Hübner (09/2012)

Hannover, Neuer St. Nikolai-Friedhof

Friedrich Theodor von Frerichs

Deutscher Mediziner; studierte von 1838 bis 1841 Medizin an der Universität Göttingen zund arbeite der der Promotion als Augenarzt in seiner Geburtsstadt. 1846 kehrte er nach Göttingen zurück, wo er sich habilitierte und sich mit physiologisch-chemischen Untersuchungen befaßte. 1850 folgte er einem Ruf an die Universität Kiel, 1852 an die Universität Breslau und schließlich 1859 als Nachfolger von Johann Lukas Schönlein an die Charité in Berlin, wo er Direktor der Ersten Medizinischen Klinik wurde. Paul Ehrlich war dort von 1878 bis 1885 sein Assistent.

Von Frerichs gilt als Begründer der experimentellen Klinischen Medizin.

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Bilder: Günter Bihn (09/2012)

Berlin-Schöneberg, Alter St. Matthäus Kirchhof

Wilhelm August Flitner

 

 

Deutscher Pädagoge; studierte ab 1909 in München und Jena Germanistik, Anglistik, Geschichte und Philosophie und nahm von 1914 bis 1918 am Ersten Weltkrieg teil. Nach dem Ende des Krieges unterrichtete er zunächst an Gymnasien, 1920 wurde er beamteter Studienrat in Jena. Flitner, der maßgeblich Volksbildungswesen beteiligt war - schon 1919 war an der Gründung der Volkshochschule Jena beteiligt -, wurde 1926 als außerordentlicher Professor für Philosophie und Pädagogik an die Pädagogische Akademie Kiel berufen und von dort als ordentlicher Professor 1929 an die Universität Hamburg; dort leitete er , das Seminar für Erziehungswissenschaft sowie das Pädagogische Institut, das seit dem Lehrerbildungsgesetz von 1926 auch für die Lehrerbildung zuständig war (bis 1936 und wieder nach dem Zweiten Weltkrieg). Er war war ein Vertreter der geisteswissenschaftlichen Richtung in der Pädagogik und einer der führenden Reformpädagogen der Weimarer Republik und der ersten Jahrzehnte der Bundesrepublik.

1963 gehörte Flitner, der von 1951 bis 1961 den Vorsitz des Schulausschusses der Westdeutschen Rektorenkonferenz innehatte, zu den Gründern der vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift für Pädagogik.

Auszeichnungen u.a.: Ehrendoktorwürde. der Theologischen Fakultät der Universität Tübingen (1964).

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Bilder: Hans-Christian Seidel (09/2012)

Hamburg-Nienstedten, Friedhof

Hinweis: Die Grabstätte wurde aufgehoben; der Grabstein befindet sich jetzt im Garten der Villa Wiegand des deutschen archäologischen Instituts in der Peter Lenne Straße 28-30 in Dahlem.

Wissenschaft & Forschung XXXII

Omnibus salutem!