Thomas Moore

Irischer Dichter und Jurist; der Sohn eines Händlers wurde nach dem Besuch des Trinity Colleges in Dublin und einer Juristenausbildung in London von 1803 bis 1818 als Admiralitätsbeamter auf die Bermudas entsandt. Von 1819 bis 1823 bereiste er Amerika, Frankreich und Italien. Er war mit Lord Byron befreundet, dessen Aufzeichnungen er verwaltete, jedoch auf Anweisung des Nachlaßverwalters vernicht mußte. Populäre wurde Moore durch die Herausgabe der Irischen Melodien (10 Tle., 1808-34), einer Lyriksammlung mit Klavierbegleitung, die auf alte irische Melodien zurückgreift. Fortan wurde er als ”Barde Irlands” gefeiert, verfaßte aber auch populäre orientalische Verserzählungen (Lalla Rukh, 1817) und Gesellschaftssatiren.

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Adeline Virginia Woolf  née Stephen

Bild: G.C.Beresfordno_copyright

Britische Schriftstellerin; das dritte Kind des angesehenen Schriftstellers und Gelehrten Leslie Stephen (†1904) hatte seine ersten seelische Krise anläßlich des Todes seiner Mutter im Jahre 1895. Auch der Tod ihres Vater neun Jahre später löste eine Krise bei ihr aus. 1905 begann sie, Artikel für Zeitschriften zu verfassen und ihre lebenslange Arbeit für das renommierte Times Literary Supplement. Erst im Alter von 30 Jahre heiratete sie im August 1912 den Schriftsteller Leonard Sidney Woolf (*1880, †1969) - eine für damalige Verhältnisse späte Ehe. Immer wieder unter Depressionen leidend, unternahm sie im Herbst 1912 einen ersten Selbsttötungsversuch.

Beim Cricketspiel mit ihrer älteren Schwester Vanessa

1915 bezog das Paar das Hogarth House in Richmond-upon-Thames, wo ihr erster Roman The Voyage Out (1915, dt. Die Fahrt hinaus) erschien, und gründeten 1917 dort ihre eigenen Verlag The Hogarth Press, der sich auf moderne osteuropäische Literatur und solche aus Großbritannien und den USA spezialisierte. 1917 zogen sie in das Monk’s House in dem Ort Rodmell in der Nähe von Lewes (East Sussex) um. 1928 veröffentlichte sie das Buch Orlando. A Biography (dt. Orlando. Geschichte eines Lebens), das sie ihrer Geliebten Vita Sackville-West (*1892, †1962), der Tochter von Baron Lionel Edward Sackville-West, 3. Baron Sackville, verwandt mit der englischen Hocharistokratie, die sie 1922 kennengelernt hatte, widmete. In ihr Tagebuch hatte sie am 5.10.1927 eingetragen:"And instantly the usual exciting devices enter my mind: a biography beginning in the year 1500 and continuing to the present day, called Orlando: Vita; only with a change about from one sex to the other.” Die Beziehung war eine lange, teilweise quälende, zumal Vita immer wieder andere Geliebte hatte. Dennoch währte der Kontakt zumindest bis 1940. Aber ihre Ansichten entwickelten sich auseinander: während Virginia Woolf, die bereits 1929 den Essay A Room of One's Own (dt. Ein Zimmer für sich allein) geschrieben hatte, der sie zum Idol der Frauenbewegung machte und aus dessen Texte später immer wieder von Seiten der Frauenbewegung zitiert wird, kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges verstärkt die patriarchalische Gesellschaftsform gerade auch in England mit Militarismus, Faschismus und Krieg in Verbindung bringt (Three Guineas (1938, dt. Drei Guineen), entwickelte sich Vita zur entschlossenen, glühenden Patriotin. Am 28.3.1941 verschwand Virginia Woolf aus dem Haus. Trotz Suchens wurde sie zunächst nicht gefunden. Erst drei Wochen später wurde ihr Leichnam entdeckt: Sie hatte sich - ihre Manteltaschen mit Steinen beschwert - in dem Flüßchen Ouse ertränkt.

Werke u.a.: Jacob's Room (1922, dt. Jakobs Raum), Mrs. Dalloway (1925), To the Lighthouse (1927, dt. Die Fahrt zum Leuchtturm), The Waves (1931, dt. Die Wellen), The Years (1937, dt. Die Jahre).

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Anne Brontë

 gemalt von ihrer Schwester Charlotte

Englische Schriftstellerin; das jüngstes von sechs Kinder eines Geistlichen der Anglikanischen Kirche wuchs nach dem frühen Tode ihrer Mutter (†1821) zunächst bei ihrer Tante in Haworth auf, bis sich ab 1832 ihre Schwester Charlotte um ihre Erziehung kümmerte. Zunächst wurde sie zu Hause erzogen, kam dann aber in die Mädchenschule Roe Head bei Mirfield, an der ihre Schwester Charlotte Lehrerin war. Anschließend in verschiedenen Familien als Gouvernante tätig, verarbeitete sie ihre gesammelten Erfahrungungen in ihrem ersten Roman Agnes Grey (1847). Außerdem schrieb sie einige Gedichte für die Lyrikanthologie ihrer Schwestern Emily und Charlotte. Nachdem ihr Bruder im September und ihre Schwester Emily im Dezember 1848 gestorben waren, machte sich ihre schon immer schwache körperliche Konstitution bemerkbar. Eine weitere Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes aufgrund ihrer Tuberkulose ließ sich auch durch eine Reise an die See nach Scarborough nicht aufhalten, so daß sie im Mai des Folgejahres verstarb.

Wohnhaus der Brontës in Haworth (Bild: Añelo de la Krotsche, 1985)

 

 

 

Werke u.a.: Wildfell Hall (3 Bde., 1848).

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Natsume Soseki eigentl. Natsume Kinnosuke

Japanischer Schriftsteller; wurde als ungewolltes Kind von seiner Mutter gleich nach der Geburt zur Adoption freigegeben, da sie sich schämte, in reiferem Alter noch ein Kind bekommen zu haben. Nach Abschluß der Kaiserlichen Universität in Tokio unterrichtete er 1895 Englisch an der Matsuyama Junior High School und ab 1896 an der Kumamoto Fifth High School. 1900 ging er nach England, um dort zu studieren. Nach seiner Rückkehr nach Japan im Jahre 1902 war er Professor an der Kaiserlichen Universität, schrieb aber nebenher eine Serienroman mit dem Titel Ich, der Kater, der ab 1905 in Hototogisu erschien, die ihn bekannt machte. Er beschloß sich der Schriftstellerei zu widmen, verließ 1907 die Universität und wurde Mitarbeiter der Zeitung The Asahi Shimbun, für die er zahlreiche Geschichten schrieb.

Werke u.a.: Sanshiro (1908), And Then (1909), The Gate (1910), To the Spring Equinox and Beyond (1912), The Wayfarer (1912), Kokoro (1914), Grass on the Wayside (1915), Light and Darkness (1916).

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Bild: Chris Wastrel UK (02/2005)
Bilder: Oliver Malinson Lewis (04/2005)

Rodmell (Sussex), Monk’s House

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Joris-Karl Huysmans eigentl. Georges Marie Charles Huysmans

       

Französischer Schriftsteller niederländischer Herkunft; der Sohn eines Kunstzeichners und Lithographen studierte Rechtswissenschaften und Literatur, arbeitete aber zugleich als Ministerialbeamter im Innen- und Kulturministerium. 1874 veröffentlichte er unter dem Titel Le Drageoir aux épices (dt. Die Gewürzschachtel) ein Büchlein mit Prosagedichten; posthum erschien der Titel Trois églises et trois primitifs (1908, dt. Geheimnisse der Gotik). 1876 lernte er Émile Zola kennen und schloß sich der Gruppe der Naturalisten an.

Huysmans gilt als bedeutender Vertreter des Ästhetizismus. 1890 war er einer der Gründer der Académie Goncourt und wurde ihr erster Vorsitzender. Noch kurz vor seinem Tode wurde er in die Légion d'Honneur aufgenommen.

Werke u.a.: Marthe, histoire d’une fille (1876, dt. M., Geschichte eines leichten Mädchens), En ménage (1881, dt. Der Junggeselle), À vau-l'eau (1882, dt. Stromabwärts), A rebours (1884, dt. Gegen den Strich), Là-bas (1891, dt. Tief unten).

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Bilder: Baz (11/2005)

Scarborough, Saint Mary’s Churchyard

Bild: (05/2005)

Paris, Cimetière du Montparnasse

Antonio Machado y Ruiz

Spanischer Lyriker; der Sohn aus großbürgerlichem Haus veröffentlichte ab 1901 Gedichte. 1907 nahm er eine Stelle als Französischlehrer in Soria an. Dort heiratete er 1909 die halb so alte Tochter seines Hauswirts, Leonor Izquierdo. In Paris, wohin er mit seiner jungen Frau übersiedelte, studierte er Philosophie. Als bei seiner Frau Tuberkulose diagnostiziert wurde, kehrte sie nach Spanien zurück, wo sie 1912 starb. Er verließ daraufhin Soria und siedelte nach Baeza in Andalusien um. Danach weitere Veröffentlichungen von Gedichten und Dramen, diese zusammen mit seinem Bruder. Diverse Lehrtätigkeiten sicherten seinen Lebensunterhalt. Zwischen 1919 und 1931 war er als Französischlehrer in Segovia tätig. Der Freund des nicaraguanischen Lyrikers Rubén Darío war im Spanischen Bürgerkrieg Republikaner; er starb auf dem Weg ins Exil; Machado schrieb neben Theaterstücken und Essays v.a. Lyrik (Soledades, 1903, erweitert 1907; Campos de Castilla, 1912).

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Bilder: Gerard Ortiz (08/2005)

Collioure (Dép. Pyrémées-Orientales)

Rubén Darío eigentl. Félix Rubén García y Sarmiento

Nicaraguanischer Lyriker; erneuerte die rhythmische und metrische Form der spanischen Dichtung und übte entscheidenden Einfluß auf die spanische und lateinamerikanische Lyrik des 20. Jahrhunderts aus. Beeinflußt wurde sein Werk vor allem durch die symbolistischen Dichter Paul Verlaine und den griechischstämmigen Jean Moréas (*1856, †1910), aber auch durch Victor Hugo. Er war Hauptvertreter des Modernismo (Modernismus); schrieb u.a. Azul (Prosa und Verse, 1888); weltberühmt wurde er durch seinen Gedichtband Prosas profanas y otros poemas (Gedichte, 1896).

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Henry Archibald Lawson eigentl. Niels Hertzberg Larsen

1902                        

Australischer Lyriker und Erzähler norwegischer Abstammung; gilt mit seinen lakonisch-humorvollen Schilderungen des Lebens im Busch, auf den Goldfeldern u.a. als einflußreichster Begründer der australischen Kurzgeschichte; er verfaßte zahlreiche Erzählungen und schrieb häufig für die demokratisch-nationalistische Zeitschrift The Bulletin.

Werke u.a.: Short Stories in Prose and Verse (1894), While the Billy Boils (1896), On the Track (1900), Over the Sliprails (1900), Joe Wilson and His Mates (1901).

Inschrift: LOVE HANGS ABOUT THY NAME LIKE MUSIC AROUND A SHELL, NO HEART CAN TAKE A TAME FAREWELL.

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León (Nicaragua), Kathedrale

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Sydney, Waverley Cemetery

Bild: vdsvincent (2003)

Tokio, Zoshigaya Friedhof

Hinweis: Natsumes Grabstein trägt zwei Namen: rechts sein buddhistischer Name, links der seiner Frau. Auf dem unteren Teil steht von rechts nach links: Natsu Me (Sommer + Auge).

Bromham (Wiltshire), Churchyard

Bild: Annie Grillet
Schriftsteller LXXVIII

Omnibus salutem!