Johann Peter Hebel

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Deutscher Dichter; aus ärmlichen Verhältnissen stammend, ermöglichten ihm nach dem frühen Tod seiner Eltern Gönner den Besuch eines Gymnasiums und ein Studium der Theologie an der Universität in Erlangen. Ab 1791 war er Lehrer am Gymnasium in Karlsruhe, von 1808 bis 1814 war er Gymnasialdirektor und 1819 evangelischer Prälat und Mitglied der Ständeversammlung in seiner badischen Heimat. Bekannt wurde er durch seine Kalendergeschichten und Anekdoten und Schilderung von Erlebnissen edler und einfacher Personen, Gaunern sowie Spaßvögeln.

Werke u.a.: Schatzkästleins des rheinischen Hausfreunds (1803 bis 1811), Unverhofftes Wiedersehen.

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Schwetzingen, Alter Friedhof

Stendhal eigentl. Marie Henri Beyle

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Französischer Schriftsteller; Sohn eines Juristen; erhielt zunächst Unterricht von einem jesuitischen Hauslehrer, bevor er die weltliche Bildungsanstalt École Centrale in Grenoble besuchte. Ging dann aber nach Paris und schloß sich im Alter von siebzehn Jahren der Armee Napoléons an, quittierte jedoch nach dem Italienfeldzug den Dienst, ging nach Paris, wo er sich - ohne einer festen Beschäftigung nachzugehen - 1802 niederließ. wegen Geldmangel blieb ihm nichts anderes übrig, als sich erneut der Armee anzuschließen. Als Leiter einer Intendantur wurde er mit diplomatischen Missionen betraut und hielt sich einige Zeit in Deutschland, u.a. bis 1808 in Braunschweig, und Österreich auf. 1812 nahm er an Napoléons Rußlandfeldzug teil. Nach dem Ende des Kaiserreichs lebte er ab 1814 bis 1821 in Mailand. Während dieser Zeit verfaßte er die kritische Abhandlung L'histoire de la peinture en Italie (1817, dt. Geschichte der Malerei in Italien), außerdem ein Reisebuch mit dem Titel Rome, Naples et Florence en 1817 (1817, dt. Reise in Italien). Bei dem letztgenannten Werk benutzte er erstmals das Pseudonym Stendhal (über die Gründe für die Wahl gerade dieses Pseudonyms herrscht bis heute Uneinigkeit). Nach seiner Ausweisung durch die österreichischen Behörden wegen angeblicher Unterstützung italienischer Unabhängigkeitskämpfer, ließ Stendhal, der als Begründer des psychologischen Romans gilt, sich als als freier Autor wieder in Paris nieder. Nach der Einsetzung Louis Philippes, des sog. Bürgerkönigs, als französischer König wurde Stendhal im Jahr 1830 Konsul zunächst in Triest; 1831 versetzte man ihn dann in das in der Nähe von Rom gelegene Civitavecchia.

Werke u.a.: Le rouge et le noir (1830, dt. Rot und Schwarz (1830), La chartreuse de Parme (1839, dt. Die Karthause von Parma), De l'amour (1822, dt. Über die Liebe).

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Paris, Cimetière de Montmartre

August Wilhelm von Schlegel

                                

Deutscher Literaturkritiker, Gelehrter und Übersetzer; der Sohn eines Generalsuperintendenten studierte Theologie und Philosophie in Göttingen. Nach einem 4-jährigen Aufenthalt als Hauslehrer in Amsterdam ging er nach Jena, wo er 1798 Professor für Literatur und Kunstgeschichte wurde und zusammen mit seinem Bruder Karl Wilhelm Friedrich von Schlegel von 1798 bis 1800 die Zeitschrift Athenäum herausgab, außerdem wirkte er auch an Schillers Horen und Musenalmanach mit. 1801 gab er Vorlesungen in der Geschichte der klassischen und romantischen Literatur in Berlin, das er 1804 jedoch wieder verließ, um letztlich 14 Jahre als Sekretär auf dem Landsitz der Madame de Staël zu Copet zu verbringen bzw. mit ihr als Reisebegleiter zu reisen. Nach deren Tod im Jahre 1817 folgte er 1818 einem Ruf an den Lehrstuhl für Literatur und Kunstgeschichte an der Universität Bonn.

Gemeinsam mit seinem Bruder Friedrich wurde er zum Wegbereiter der Romantik. Schlegel übersetzte italienische, spanische und portugiesische Literatur; besonders verdient machte sich Schlegel um die Übersetzung von 17 der Stücke Shakespeares. Bei dieser Arbeit und seinen literarischen Arbeiten unterstütze ihn Caroline von Schelling (neé Dorothea Caroline Albertine Michaelis), mit der er von 1796 bis 1803 verheiratet war.

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Gottfried August Bürger

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Deutscher Schriftsteller; der Sohn eines Landpfarrers studierte auf Wunsch seines Großvaters ab 1764 zunächst Theologie in Halle und ab 1768 Jura und klassische Philologie in Göttingen. Seine Ehe mit der Tochter eines Justizamtmannes war unglücklich; Bürger liebte Auguste, die jüngere Schwester seiner Frau, die er in Gedichten voller rasender Leidenschaftlichkeit als ”Molly” besang. Sie heiratete er erst im Juni 1785 nach dem Tod seiner Frau (1784). Zuvor war er nach Göttingen übersiedelt, um sich durch Privatvorlesungen über Ästhetik eine neue Existenz zu schaffen. Allerdings stürzte der frühe Tod von Auguste am 9.1.1786 ihn in eine tiefe Schaffenskrise. Im November 1789 wurde er an die Göttinger Universität zum außerordentlichen Professor für Ästhetik berufen, wo August Wilhelm von Schlegel sein Schüler war. Die Stelle war unbezahlt, ein Umstand, der seine finanzielle Situation weiterhin belastete, obwohl er u.a. die Lügengeschichte des Baron von Münchhausen nach einer englischen Vorlage ins Deutsche (1786) übersetzte. Im Oktober 1790 heiratete er erneut, allerdings wurde die Ehe mit Elise Bürger bereits im März 1792 wieder geschieden. Friedrich von Schillers anonym im Januar 1791 in der Allgemeinen Literatur Zeitung erschienene Kritik traf sein Selbstbewußtsein schwer. Bürger prägte die Entwicklung der europäischen Romantik nachhaltig.

Werke u.a.: Leonore (1773), Das Lied vom braven Mann, Der Jäger, Münchhausen (1786), Gedichte und Übersetzungen (z.B. Shakespeare).

Winterlied

Der Winter hat mit kalter Hand
Die Pappel abgelaubt,
Und hat das grüne Maigewand
Der armen Flur geraubt;
Hat Blümchen, blau und rot und weiß,
Begraben unter Schnee und Eis.

Doch, liebe Blümchen, hoffet nicht
Von mir ein Sterbelied.
Ich weiß ein holdes Angesicht,
Worauf ihr alle blüht.
Blau ist des Augensternes Rund,
Die Stirne weiß, und rot der Mund.

Was kümmert mich die Nachtigall,
Im aufgeblühten Hain?
Mein Liebchen trillert hundertmal
So süß und silberrein;
Ihr Atem ist, wie Frühlingsluft,
Erfüllt mit Hyazinthenduft.

Voll für den Mund, und würzereich,
Und allerfrischend ist,
Der purpurroten Erdbeer' gleich,
Der Kuß, den sie mir küßt. -
O Mai, was frag' ich viel nach dir?
Der Frühling lebt und webt in ihr.

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Ernst Moritz Arndt

  1848

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Deutscher Schriftsteller, Publizist, Patriot; Sohn eines noch als Leibeigener geborenen Gutsverwalters des Gutes des Grafen Malte zu Putbus auf Rügen. Er studierte zunächst an der Universität von Stralsund dann in Jena u.a. Theologie und Geschichte. Nach der Habilitation an der Universität von Greifswald wurde er dort 1801 Privatdozent und erhielt, nach einem Aufenthalt (1803/1804) in Schweden, 1806 schließlich eine außerordentliche Professur. Von 1812 bis 1815 war Privatsekretär des Freiherrn von Stein. Arndt trug entscheidend zur Aufhebung der Leibeigenschaft in Mecklenburg durch seine Schrift Versuch einer Geschichte der Leibeigenschaft in Pommern und Rügen (1803) bei und trat für die Einheit und eine Verfassung Deutschlands ein. Seine Flugblätter (”Was ist des Deutschen Vaterland?” und ”Der Gott, der Eisen wachsen ließ.”) waren sehr populär und bildeten die Grundlage für spätere nationalistische Denkmuster. Arndt wurde wegen ”Demagogie” seines Amtes enthoben, dann jedoch 1840 Professor für Geschichte an der Universität Bonn; Arndt war Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung (1848/49) in Frankfurt am Main.

Werke u.a.: Geist der Zeit, erschien (1806) bei Einfall Napoleons und drei weitere Bände (1808-18).

Inschrift: GUTE NACHT, IHR MEINE FREUND’, ALLE MEINE LIEBEN, ALLE, DIE IHR UM MICH WEINT, LASST EUCH NICHT BETRÜBEN. DIESEN ABSTEIG, DEN ICH THU IN DIE ERDE NIEDER. SEHT DIE SONNE GEHT ZUR RUH, KOMMT DOCH MORGEN WIEDER.

Vaterlandslied (1.& 2. Strophe)

Der Gott, der Eisen wachsen ließ,
Der wollte keine Knechte,
Drum gab er Säbel, Schwert und Spieß
Dem Mann in seine Rechte,
Drum gab er ihm den kühnen Mut,
Den Zorn der freien Rede,
Daß er bestände bis aufs Blut,
Bis in den Tod die Fehde.

So wollen wir, was Gott gewollt,
Mit rechter Treue halten
Und nimmer im Tyrannensold
Die Menschenschädel spalten;
Doch wer für Tand und Schande ficht,
Den hauen wir in Scherben,
Der soll im deutschen Lande nicht
Mit deutschen Männern erben. 

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Bonn, Alter Friedhof

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Göttingen, Bartholomäus-Friedhof

Oskar Maria Graf

graf_om_bd pinxit Georg Schrimpf (1927)

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Deutscher Schriftsteller; der Sohn eines Bäckermeisters besuchte eine Dorfschule und arbeitete in der Bäckerei, bevor er 1911 nach München in der Hoffnung ”floh”, sich dort eine Existenz als Dichter aufbauen zu können. Er schlug sich mit Gelegenheitsarbeiten durch. Am 1.12.1914 wurde er zum Militär eingezogen, verweigerte jedoch als überzeugter Anarchist den Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg und sollte wegen Befehlsverweigerung 1916 erschossen werden. Ab 1920 war Graf als Dramaturg am Arbeitertheater Die neue Bühne tätig. 1927 gelang ihm der künstlerische Durchbruch mit seinem autobiographischen Werk Wir sind Gefangene. 1934 wurden seine Bücher in Deutschland verboten, er selbst am 24. März ausgebürgert. 1938 emigrierte er in die USA, wo er Kontakt zu den Repräsentanten der Exilliteratur hatte und 1958 die amerikanischer Staatsbürgerschaft erhielt. Grafs Erzählungen und Romane spiegeln bayerisches Lokalkolorit und sind von derb-erotischer Erzählweise.

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Bonn, Alter Friedhof

John Bunyan

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Englischer Schriftsteller; der Sohn eines Kesselflickers ging bei seinem Vater in die Lehre, kämpfte als 17-Jähriger im Englischen Bürgerkrieg (1642-49) in der Revolutionsarmee (Roundheads), Um 1648 heiratete Bunyan Margaret Bentley, eine erklärte Anhängerin des Puritanismus, was ihn veranlaßte zu konvertieren. 1653 wurde er Dekan einer gemäßigten Baptistengemeinde. Da Bunyan sich weigerte, den anglikanischen Glauben anzunehmen und seine Predigertätigkeit auch dann fortsetzte, als die Puritaner nach der Wiedereinsetzung König Karls II. 1660 das Recht auf freie Ausübung ihres Glaubens verloren hatten, wurde er von 1660 bis 1672 im Bedforder Bezirksgefängnis gefangengesetzt. Als er nach seiner Entlassung 1675 wiederum zu predigen begann, wurde er wegen Mißachtung des Predigtverbots erneut für sechs Monate inhaftiert. Bunyan starb an einer Lungenentzündung.

Werke u.a.: Des Pilgers Wanderschaft, Mr. Quaats Leben und Sterben, Der heilige Krieg.

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Houston Stewart Chamberlain

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Deutscher Schriftsteller englischer Abstammung (seit 1916 deutscher Staatsbürger); der Sohn eines aus einer wohlhabenden Adelsfamilie stammenden britischen Admirals wuchs mit seinen Brüdern in Versailles bei der Großmutter und der Tante auf. Er studierte Naturwissenschaften in Genf. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges lebte Chamberlain eher unbeachtet in seinem Haus in Bayreuth, wo er u.a. eine Abhandlung über das Leben und die Werke Goethes (1912) verfaßte. Im August 1916 wurde er deutscher Staatsbürger. 1917 wurde er Mitglied der Deutsche Vaterlandspartei. Der Weimarer Republik stand er ablehnend gegenüber, war aber ein Anhänger Hitlers, der ihn in Bayreuth besucht hatte und der ihn sehr beeindruckte. Als Anhänger der Kunst- und Weltanschauung Richard Wagners verherrlichte er das Germanentum und wirkte damit stark auf die Rassenlehre des Nationalsozialismus. Verheiratet war Chamberlain in erster Ehe mit Anna Horst. Nach der Scheidung von ihr heiratete er Eva, die Tochter Richard Wagners aus dessen zweiter Ehe mit der geschiedenen Cosima von Bülow.

Hauptwerk: Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts (1899).

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München, Bogenhausener Friedhof

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London, Bunhill Fields Burial Ground

Otto Flake

 

Deutscher Schriftsteller; in Metz geboren, als dieses als Hauptstadt Lothringens noch zum Deutschen Reich gehörte, trat für den geistigen Ausgleich zwischen Frankreich und Deutschland ein; er studierte Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte in Straßburg; in Berlin war er Mitarbeiter der Neuen Rundschau. Während des Dritten Reichs hatte er Hitler den Treueeid geleistet, was ihn nach Ende des Zweiten Weltkrieges zunächst künstlerisch isolierte. Flake schrieb eine Reihe von Romanen aus der Sicht eines Weltbürgertums und vor dem Hintergrund der Erfahrungen aus dem Grenzgebiet Elsaß-Lothringen, dem permanenten Zankapfel zwischen Frankreich und Deutschland.

Werke u.a.: Fortunat (4 Bde.1946-48), Schloß Ortenau (1955), Biographien: Ulrich von Hutten (1929), Marquis de Sade (1930), Kaspar Hauser (1950).

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Bayreuth, Alter Friedhof

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Baden-Baden, Stadtfriedhof

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Schriftsteller IV

Omnibus salutem!