Herbert Köfer

 

 

Deutscher Schauspieler, Moderator, Hörspiel- und Synchronsprecher; einziger Sohn eines Postkartenverleger-Ehepaars; war zunächst Schüler der Sozialistischen Gemeinschaftsschule in Berlin-Niederschönhausen, bevor er eine Privatschule besuchte, die er mit der Mittleren Reife abschloß und auf Wunsch der Eltern 1937 eine kaufmännische Lehre bei der Lokomotivfabrik Orenstein & Koppel in Berlin-Spandau begann, die er jedoch nach sechs Monaten abbrach, ebenso wie den Besuch des Konservatorium, und sich 1937 für eine Schauspielausbildung an der Schauspielschule des Deutschen Theaters entschied, die er 1940 erfolgreich beendete. Unmittelbar nach Abschluß seiner Schauspielausbildung hatte er sein erstes Engagement am Stadttheater im schlesischen Brieg (heute Brzeg, Polen), wo er für einen erkrankten Schauspieler einsprang und in dem historischen Schauspiel Katte von Hermann Burte über den Jugendfreund des späteren preußischen Königs Friedrich II. die Rolle des jungen Kronprinzen Friedrich übernahm. Im Zweiten Weltkrieg wurde er 1941 zum Wehrdienst herangezogen und nach der Ausbildung zum Funker an die Ostfront versetzt. Nach einer Verwundung kam Köfer in ein Lazarett in Düsseldorf und geriet nach der Genesung in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft, wo er in einer Theatergruppe mitwirkte. Nach der Entlassung kehrte er in den inzwischen von der Roten Armee besetzten Teil Deutschlands (SBZ), der späteren Deutschen Demokratisch Republik (DDR), zurück; ein Angebot am Theater Lübeck zu spielen, lehnte ab, um zu seinen Eltern in Kleinmachnow bei Berlin zurückzuziehen. Bis 1947 war Herbert Köfer, der im Juni 1946 Mitglied der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) wurde und sich auch ansonsten in der neugegründeten Deutschen Demokratischen Republik (DDR) politisch engagierte (u.a. als Mitglied der betrieblichen Gewerkschaftsleitung an den Theatern, an denen er spielte; 1981 wurde er zum Berliner Stadtverordneten gewählt, wo er Mitglied der Ständigen Kommission Kultur war) am Neuen Berliner Künstlertheater engagiert, wo er unter anderem in Johann Wolfgang von Goethes Drama Iphigenie wirkte und in Bühnenadaptionen Friedrich Schillers den Don Cesar in Die Braut von Messina oder den Sekretär Wurm in Kabale und Liebe gab. In der Spielzeit 1947/48 hab er ein Gastspiel an der Volksbühne Berlin. 1949 arbeitete er am Kabarett Kleine Bühne, dem Vorgänger des Kabarett-Theaters Distel in Berlin, wo er auch zwischen 1956 und 1959 immer wieder gastierte. Von 1950 bis 1952 hatte er ein Engagement am Deutschen Theater Berlin, wo er u.a. in Wolfgang Heinz’ Inszenierung William Shakespeares Was ihr wollt (1951) oder in George Bernard Shaw Schauspiel Pygmalion (1952) zu sehen war.

Während der Zeit, zu der er am Theater spielte, wirkte erauch beim Rundfunk der DDR an Hörspielen, Features und Unterhaltungssendungen mit, wobei er den Radiohörern vor allem in einer Hauptrolle der real-sozialistischen Hörspielserie Neumann, zweimal klingeln, die von 1968 bis 1981 allwöchentlich in 678 Folgen auf Radio DDR I gesendet wurde, in Erinnerung. Außerdem wirkte Köfer häufig in Episoden aus der Reihe Polizeiruf 110, dem Pendant zu der westdeutschen Krimireihe Tatort mit. Nach der “Wende” konnte Herbert Köfer, der erstmals im damals noch neuen Medium Fernsehen als Moderator der Erstausgabe der Aktuellen Kamera, der Nachrichtensendung des Deutschen Fernsehfunks, am 21.12.1952 auftrat und damit als der erste Nachrichtensprecher im deutschen Fernsehen gilt, seine Karriere im wiedervereinigten Deutschland fortsetzen; so wirkte er in Gastrollen und in vielen Episoden von Fernsehkrimis mit, u.a. in Wolffs Revier (2000), SOKO Wismar (2005), SOKO Leipzig (2006; 2014), Ein starkes Team, Notruf Hafenkante (2010) und Heiter bis tödlich (2012), aber auch in größeren Episodenrollen in Fernsehsendungen.

Insgesamt waren es mehr als 300 Film- und Fernsehproduktionen, u.a. der antifaschistischer Spielfilm von Frank Beyer Nackt unter Wölfen (1963) mit Erwin Geschonneck und Armin Mueller-Stahl in den Hauptrollen, Der Mann, der nach der Oma kam (1972), der mit 3,3 Millionen Besuchern zu einem der erfolgreichsten DEFA-Lustspielfilme gehört, Rentner haben niemals Zeit (1978), Geschichten übern Gartenzaun (1982), Familie Neumann (1984-86), Literaturverfilmungen wie Jungfer, Sie gefällt mir (1967), Jeder stirbt für sich allein (1970) und in etlichen Theaterinszenierungen (u.a. Pension Schöller, 1997). 2012 war er an der Seite von Angelica Domröse und Otto Sander in Bernd Böhlichs Bis zum Horizont, dann links! als Seniorenheim-Bewohner Klaussner letztmals im Kinol zu sehen.

Film- und Fernsehproduktionen u.a.: Die Sonnenbrucks (1951), Der Teufelskreis (1956), Maibowle (1959), Wolf unter Wölfen (1965), Der Reserveheld (1965), Ein Lord am Alexanderplatz (1967), Mord am Montag (1968), Krupp und Krause (1969), Jetzt und in der Stunde meines Todes (1972), Der Mann, der nach der Oma kam (1972), Die Ostsee ruft (1974), Frauen sind Männersache (1976), Der Baulöwe (1980), Martin XIII. (1981), König Karl (1986).

Zurück zur Personenliste                                          

Beelitz ( Brandenburg), Waldfriedhof

Bilder: Klaus Meinert (09/2021)

Jürgen Hart

 

 

Deutscher Kabarettist und Sänger; absolvierte von 1963 bis 1967 an der Karl-Marx-Universität Leipzig ein Diplomlehrstudium (i.e. Studiengang auf Lehramt an Gymnasien) in den Fächern Deutsch und Musik. Nach Abschluß des Studiums arbeitete er bis 1970 als Lehrer und war bis 1976 Leiter des Poetischen Theaters der Universität, bevor er das bereits 1966 während seines Studiums gegründete Studentenkabarett akademixer, das zunächst als freie Gruppe auf Tournee gegangen war, als dessen Leiter übernahm, nachdem es 1977 in ein Berufskabarett umgewandelt wurde und sich in der Folge zu einem der beliebtesten Kabaretts der DDR entwickelte. Nach der “Wende” trat er ab 1990 gemeinsam mit seiner Frau Katrin in Soloprogrammen auf.

Jürgen Hart verfaßte 40 Kabarettprogramme, die zum Teil auch auf Schallplatten erhalten sind. Viele seiner Szenen wurden von anderen Kabaretts nachgespielt, so von der Leipziger Pfeffermühle. Im März 2002 wurde Hart mit dem Sächsischen Verdienstorden geehrt. Wolfgang Schaller, der Chef des Dresdner Kabaretts Herkuleskeule, sagte: ”von manch einem Jahrhundertdichter kennt niemand mehr eine Zeile, von Jürgen Hart dagegen bleibt sein Sing, mei Sachse, sing, das zum Volkslied geworden ist.“ Hart hatte 1979 das Lied, dessen Text er verfaßt hatte und zu dem der aus Leipzig stammende Komponist Arndt Bause die Melodie lieferte, veröffentlicht. Das Lied wurde auf Tonträgern fast 200.000 verkauft. Die 1980 bei bei der Plattenfirma Amiga erschienene LP Hart auf Hart enthielt elf Titel von Hart und Bause.

Hart war aber auch als Schauspieler aktiv; so in der Rolle des Theaterdirektors Emanuel Striese in Raub der Sabinerinnen am Münchner Volkstheater, in der Hauptrolle in Augen zu und durch – die unernste Geschichte Sachsens, in dem von ihm selbst verfaßten Stück am Schauspielhaus Chemnitz, sowie als Autor des Krimis Die Oma im Kühlschrank und Aus der Wichtelrepublik. Märchen ohne Grimm und Groll.

Zurück zur Personenliste                             

Bilder: Dirk Gebauer (10/2021)

Leipzig, Südfriedhof

Kurd Rudolf Pieritz

 

 

Deutscher Schauspieler; wollte nach dem Abitur in seiner Heimatstadt den Beruf des Schauspielers ergreifen und erhielt sogar eine Empfehlung von Staatsschauspieler Theodor Loos. Allerdings konnte er den Wunsch zunächst nicht realisieren, da er zu Beginn des Zweiten Weltkrieges zum Kriegsdienst herangezogen wurde. Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft nahm er seinen Wunsch wieder auf und ging nach Düsseldorf , wo er 1949 ein Stipendium an der Schauspielschule des Düsseldorfer Schauspielhauses unter Gustaf Gründgens erhielt und 1950 sein Debüt in Rheydt geben konnte. Weitere Stationen seiner Laufbahn waren Würzburg, Braunschweig, Wiesbaden und Darmstadt; 1960 ließ er sich als freischaffender Schauspieler in West-Berlin nieder.

Seinen ersten Filmauftritt hatte Pieritz im Jahr 1957 in der Filmkomödie Einmal eine große Dame sein von Erik Ode mit Grete Weiser. Im Folgejahr spielte er in dem DEFA-Kriegsfilm Geschwader Fledermaus den Chefpiloten Mitch Bryk. Als gefragter Nebendarsteller war er in den folgenden Jahren in vielen Kriminalfilmen zu sehen, u.a. nach dem Drehbuch von Wolfgang Menge gedrehten dem Anti-Kriegsfilm Strafbataillon 999 (1960) an der Seite von Sonja Ziemann, Werner PetersDie unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse (1962) an der Seite von Lex Barker, Karin Dor und Rudolf Fernau, Der Hund von Blackwood Castle (1968) aus der Reihe der Edgar Wallace-Filme mit Karin Baal und Heinz Drache oder Das Ungeheuer von London-City (1964) an der Seite von Marianne Koch und Hansjörg Felmy und Dietmar Schönherr. Ende der 1960er Jahre folgten Komödien wie Dr. med. Fabian (1969) oder Die Herren mit der weißen Weste (1970) jeweils mit Martin Held.

Seit Mitte der 1960er Jahre war Kurd Pieritz dann auch im Fernsehen zu sehen, zunächst in Episoden bekannter Serien wie Die fünfte Kolonne oder Intercontinental Express. In dokumentarischen Spielfilmen verkörperte er mehrfach den Reichspräsidenten Friedrich Ebert und war wiederholt in der Rolle hoher (Militär-)Funktionäre in Fernsehfilmen zur Kieler Marinemeuterei (Marinemeuterei 1917 (1969) oder zum Militärwiderstand gegen Hitler zu sehen.

Nachdem er 1972 nach Hamburg gezogen war, wirkte er in verschiedenen Episoden norddeutscher Serien mit, darunter Kleinstadtbahnhof, Hamburg Transit, Sonderdezernat K1, Der Fuchs von Övelgönne und Kreisbrandmeister Felix Martin. Zum Ende seiner Karriere hin war er auch bei Vorsicht, Falle! mit Eduard Zimmermann vertreten. Seit den späten 1970er Jahren wurden seine Auftritte immer seltener, und seit 1984 sind keine Arbeiten mehr verzeichnet.

Film- und Fernsehproduktionen: Unter Ausschluß der Öffentlichkeit (1961), Zimmer 13 (1964), Rasputin (1966), Der Röhm-Putsch (1967), Liebesnächte in der Taiga (1967), Der Mann mit dem Glasauge (1969), Diener und andere Herren (1978).

Zurück zur Personenliste                                         

Bilder: Dirk Gebauer (10/2021)

Hamburg, Friedhof Ohlsdorf

Eberhard Mellies

 

 

Deutscher Schauspieler, Hörspielsprecher und Regisseur; kam mit seiner Familie 1938 nach Stolp (heute Słupsk, Pommern, Polen), wo seine Mutter, seine Schwester sowie deren Kinder nach dem Einmarsch der Roten Armee im März 1945 Selbstmord begingen, während sein Bruder Otto, der später ebenfalls den Beruf eines Schauspielers ergriff, nach 1945 über Wismar und Freistatt nach Schwerin fliehen konnte, wo die beiden Brüder unter anderem als Pferdepfleger für die Rote Armee arbeiteten. Später absolvierte er ein Studium an der Staatlichen Schauspielschule Schwerin und wirkte von 1950 bis 1960 am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin als Schauspieler und Regisseur. Es folgten Engagements 1960/61 sowie von 1966 bis 1969 am Volkstheater Rostock, und von 1961 bis 1965 spielte er am Maxim-Gorki-Theater Berlin.

In den 1960er Jahren lehrte er als Dozent an der Rostocker Schauspielschule. Ab 1960 war er auch als Schauspieler für Film und Fernsehen tätig und gehörte ab 1969 dem Ensemble des Deutschen Fernsehfunks (DFF) an. In dem DEFA-Film Der Frühling braucht Zeit (1965) spielte er unter der Regie von Günter Stahnke den parteilosen Ingenieur Heinz Solter. Der auf Tatsachen basierende Film wurde allerdings kurz nach der Uraufführung verboten. Neben seiner Tätigkeit als Schauspieler und Regisseur lieh er über 60 Jahre lang seine Stimme auch internationalen Schauspielerkollegen in über 1.000 Sprechrollen in Kino und Fernsehen, darunter Jean Marais, Pjotr Glebow (1958, Тихий Дон, dt. Der stille Don), Gene Hackman, Jean Gabin und Michel Piccoli. Zu seinen letzten Synchronisationen gehörte die Rolle des Charakters Hershel Greene (gespielt von Scott Wilson) in 32 Folgen der populären US-amerikanischen Endzeit-Serie The Walking Dead. Außerdem wirkte er als Gastdarsteller in zahlreichen TV-Kriminalserien mit, u.a. in Polizeiruf 110, Der Staatsanwalt hat das Wort und in Tatort.

Verheiratet war Eberhard Mellies mit der Schauspielerin Ruth, née Langer (*1921, †2014).

Film- und Fernsehproduktionen: Der neue Fimmel (1960), Schaut auf diese Stadt (1962)

Zurück zur Personenliste                 btn_up            

Bilder: Dirk Gebauer (06/2021)

Rostock, Neuer Friedhof

Theater / TV / Film / Show CXC

Omnibus salutem!