Carl August Devrient eigentl. De Vrient

Deutscher Schauspieler; eigentlich für eine kaufmännische Laufbahn vorgesehen, meldete er sich nach dem Gymnasialabschluß als Freiwilliger im Husarenregiment “Kaiser Nikolaus II. von Rußland” unter dessen erstem Kommandeur Major Peter von Colomb und kämpfte 1815 als Siebzehnjähriger in der Schlacht bei Waterloo gegen die Truppen Napoléons. 1817 übernahm er in Zwickau einen Betrieb seines Onkels und arbeitete zeitweise in Berlin. Sein Onkel verhalf ihm zu einem ersten Engagement in Braunschweig; am 28.7.1819 debütierte Devrient in Friedrich von Schillers Wilhelm Tell. Anschließend spielte er in Braunschweig und Dresden, wo er 1823 die damals 18jährige Opernsängerin Wilhelmine Schröder-Devrient heiratete. 1828, ein Jahr nach der Geburts des gemeinsamen Sohnes Friedrich, ließ er sich von ihr scheiden; sie arbeiteten aber bis 1834 weiterhin zusammen. Später setzte er seine Karriere in Paris, Karlsruhe und ab 1839 für die nächsten 33 Jahre am Hoftheater in Hannover fort. Berühmt wurde er in Charakterrollen wie König Lear oder Wallenstein. 1855 heiratete er die Sängerin und Schauspielerin Johanna Block; aus dieser zweiten Ehe gin der Sohn Max hervor, der ebenfalls Schauspieler wurde.. Devrient starb während eines Kuraufenthaltes in Lauterberg.

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Lotte (Charlotte) Reiniger

 

Deutsche Unternehmerin; Tochter eines Bankkaufmanns; entwickelte schon als 6-Jährige reges Interesse am Theater und fertigte erste Scherenschnitte an; bald beherrschte sie die Technik des chinesischen Scherenschnitts und schnitt Silhouetten für Schüler-Theateraufführungen, u.a. zu Shakespeares Romeo und Julia. Nachdem sie während eines Vortrags von Paul Wegeners in der Berliner Singakademie Näheres über die Techniken des Trickfilms erfahen hatte, entstanden die ersten Schauspieler-Silhouetten. 1916 fertigte sie im Auftrag Wegeners für dessen Filme Rübezahls Hochzeit und Der Rattenfänger die Umrahmungen für den Vorspann an. Von 1916 bis 1917 besuchte sie die Schauspielschule und arbeitete nebenbei als Statistin am Deutschen Theater. 1919 entstand ihr erster Animationsfilm Das Ornament des verliebten Herzens. Motiviert und geholfen hat ihr u.a. Carl Koch vom Berliner Institut für Kulturforschung, den sie über Wegener kennengelernt hatte und den sie später heiratete. 1923 begann sie zusammen mit ihm, Walter Ruttmann und Berthold Bartosch mit dem Projekt des ersten abendfüllenden, aus ca. 300.000 Einzelaufnahmen bestehenden Silhouetten-Animationsfilms Die Abenteuer des Prinzen Achmed, der 1926 fertiggestellt wurde. 1935 verließ sie aus politischen und wirtschaftlichen Gründen Deutschland; da sie jedoch weder in Frankreich noch in Italien Daueraufenthaltsgenehmigungen erhielt, kehrte sie 1943 schließlich nach Berlin zurück. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs konnte sie in Deutschland nicht mehr an ihre einstigen Filmerfolge anschließen; sie arbeitete daher zunächst von 1945 bis 1948 für die Berliner Schattenbühne, bevor sie 1949 nach London ging, wo sie begann, erfolgreich Bücher zu illustrieren und wo Filme für die BBC entstanden. So schuf sie Scherenschnittfilme u.a. zu den Märchen der Brüder Grimm, Hans Christian Andersen und den Geschichten aus Tausendundeine Nacht. Für ihren Film Das tapfere Schneiderlein wurde sie auf der Biennale in Venedig 1954 mit dem “Silbernen Delphin”, dem 1. Preis für Kurzfilme, ausgezeichnet.

Auszeichnungen u.a.: 1972 das Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film (1972), Großes Bundesverdienstkreuz (1979).

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Horst Tappert

Bild: Herbert Greite

Deutscher Schauspieler; der Sohn eines Beamten erlernte den Beruf des Im- und Exportkaufmanns. Während des Zweiten Weltkrieges war er ab 1943 Mitglied der Waffen-SS, und war Angehöriger einer SS-Flakeinheit im hessischen Arolsen und u.a. als Grenadier bei der SS-Panzergrenadier-Division “Totenkopf” - worüber er später log, als er angab er habe als Sanitäter dienst getan - in den Ukraine, wo er bei Kämpfen um Charkow verwundet wurde, eingesetzt. Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft bewarb er sich als Buchhalter am Theater von Stendal, fand Geschmack an der Schauspielerei und nahm ab 1946 Schauspielunterricht bei Paul Rose. Danach hatte er Anfang der 1950er Jahre Engagements an verschiedenen Theater, so am Stadttheater Göttingen, Staatstheater Kassel, Theater der Stadt Bonn und an den Städtischen Bühnen in Wuppertal, bevor er von 1956 bis 1967 an den Münchner Kammerspiele spielte. Ende der 1950er Jahre wirkte er parallel zu seiner Bühnenarbeit auch schon in Spielfilmen mit: Die Trapp-Familie in Amerika (1958) oder Der Engel, der seine Harfe versetzte (1959), als Ganove in dem Pater-Brown-Film Er kann's nicht lassen (1962) an der Seite von Heinz Rühmann, sowie in einer Rolle als Vikar in dem Straßenfeger Das Halstuch (1962), einem sechsteiligen Durbridge-Fernsehkrimi. Seine eigentliche Karriere aber begann 1966 mit dreiteiligen Fernsehfilm Die Gentlemen bitten zur Kasse, in dem er den Anführer der legendären britischen Posträuberbande spielte. Nach diesem Erfolg arbeitete Tappert ab 1967 als freier Schauspieler. Weltweit berühmt jedoch wurde er als Oberinspektor Stephan Derrick in der von ZDF, ORF und SF DRS für das Fernsehen produzierten Kriminalserie Derrick. 281 Folgen wurden gedreht, die auch in diversen Ländern ausgestrahlt wurden. So war u.a. Papst Johannes Paul II. ein Fan der Serie, glaubte aber immer Derrick sei ein italienischer Schauspieler. Seit 1957 war Tappert mit Ursula verheiratet, einer Schauspielerin, die ihren Beruf nach der Heirat aufgab. Aus der Verbindung gingen drei Kinder hervor.

Auszeichnungen u.a.: Bundesverdienstkreuz (1988).

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Horst Jüssen

Bild: Herbert Greiter

Deutscher Schauspieler, Regisseur und Autor; machte nach Absolvierung eines Wirtschaftsgymnasiums eine Ausbildung zum Bankkaufmann und nahm anschließend Schauspielunterricht. Nach Engagements an diversen Theatern ab 1963 war er ab 1969 bis zu dessen Auflösung im Jahre 1972 Mitglied der 1956 von Sammy Drechsel und Dieter Hildebrandt gegründeten Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Bundesweit bekannt aber wurde er durch seine Mitwirkung in der zwischen 1973 und 1979 ausgestrahlten erfolgreichen ARD-Comedysendung Klimbim, in der er den skurilen Adolar von Scheußlich, den Liebhaber von Jolanthe, dargestellt von Elisabeth Volkmann, verkörperte. 1990 spielte er in der Comedyserie Die lieben Verwandten die Hauptrolle. Ab 2001 trat Jüssen als “Preuße vom Dienst” zweimal im Jahr in der vom Bayerischen Rundfunk in den im Chiemgauer Volkstheater aufgezeichneten Theaterstücken auf. Mit dem von ihm geschriebenen Stück Die Klimbim-Familie lebt ging er ab Mai 2004 mit dem originalen Klimbim-Ensemble auf Gastspielreise. Außerdem hatte Jüssen zahlreiche Gastauftritte in vielen Fernsehserien, u.a. in den Fernseh-Vorabendkrimis Derrick, Mordkommission und in Florida Lady. Als Autor trat er u.a. 2007 mit seinem Roman Joseph Satan in Erscheinung; für sein Kindertheaterstück Kaspar und der Löwe Poldi erhielt er den Brüder Grimm-Preis der Stadt Berlin. Außerdem bearbeitete er Stücke von Shakespeare, Molière und Ben Jonson. Verheiratet war Horst Jüssen seit 1979 mit der Schlagersängerin Lena Valaitis (*1943).

Auszeichnungen u.a.: Adolf-Grimme-Preis.

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Lillian Diana Gish

                              

US-amerikanische Schauspielerin; trat in einem Theater erstmals im Alter von sechs Jahren au, und tourte gemeinsam mit ihrer Mutter, die, nachdem ihr deutschstämmiger Mann sie verlassen hatte, als Schauspielerin arbeitete, und ihrer älteren Schwester Dorothy durch die Vereinigten Staaten, bis sie 1905 nach New York kam. 1912 machte ihre Freundin Mary Pickford sie mit D.W. Griffith bekannt, der ihr einen Vertrag mit der American Mutoscope and Biograph Company vermittelte, wo sie ad hoc eine Rolle in einem Film erhielt. Gish wurde mit ihren naiven Gesichtszügen schnell zum neuen Star der Biograph, und drehte in den folgenden zwei Jahren in schneller Folge 25 Filme, und sie entwickelte sich neben Mary Pickford zu einem der bekanntesten weiblichen Gesichter des Stummfilms mit Filmen wie The Birth of a Nation (1915, dt. Die Geburt einer Nation), Intolerance (1916), Broken Blossoms (1919, dt. Lillian & Dorothy Gebrochene Blüten), Way Down East (1920, dt. Weit im Osten) und Orphans of the Storm (1921, dt. Zwei Waisen im Sturm), die alle unter der Regie von Griffith entstanden. Bevor sie 1925 zur MGM wechselte und dort erfolgreich war, produzierte sie zwei eigene Filme. Erst als Greta Garbo und Norma Shearer die Filmbühne betraten, sank ihr Stern, zumal sich der Publikumsgeschmack mit dem Aufkommen des Tonfilms änderte. Sie wandte sich der Theaterarbeit zu und trat nur noch sporadisch in Filmen aus. Aber sie wandte sich bereits sehr früh dem Fernsehen zu; 1947 wurde sie für Duell in the Sun (1946, dt. Duell in der Sonne) für einen Oscar für die beste Nebenrolle nominiert. 1955 glänzte sie als Gegenspielerin von Robert Mitchum in Charles Laughtons The Night of the Hunter (dt. Die Nacht des Jägers) und spielte u.a. 1960 mit Burt Lancaster und Audrey Hepburn in John Hustons The Unforgiven (dt. Denen man nicht vergibt). Ihre letzte Filmrolle hatte sie 1987 an der Seite von Bette Davis in The Whales of August (dt. Wale im August). Gish engagierte sich auch politisch: so unterstütze die Republikanerin u.a. die Präsidenten Warren G. Harding, Calvin Coolidge und Herbert Hoover und unterstützte außerdem das America First Committee, eine Bewegung mit isolationistischen Tendenzen, die 1940/41 die Teilnahme der USA am Zweiten Weltkrieg zu verhindern suchte.

Filme u.a.: The Comedians (1967, dt. Die Stunde der Komödianten), A Wedding (1978, dt. Eine Hochzeit).

Auszeichnungen u.a.: Oscar für ihr Lebenswerk (1971).

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Bild: Axel Hindemith (12/2008)

Hannover, Engesohder Friedhof

Bild: thomas Haas (12/2008)

Dettenhausen (Ldkrs. Tübingen)

Gräfelfing (Ldkrs. München)

David Lewelyn Wark Griffith

Library of Congress's Photo

US-amerikanischer Schauspieler, Regisseur und Filmproduzent; 1907 ging er nach Kalifornienum, um dem Filmproduzenten Edwin Porter ein Manuskript zu verkaufen, was allerdings mißlang; dafür erhielt er von ihm 1908 eine Nebenrolle in dem Film Rescued from an Eagle's Nest von James Searle Dawley. Noch im selben Jahr ging er nach New York und begann für die American Mutoscope and Biograph Company zu arbeiten, bei der er auch seinen Debütfilm als Regisseur ablieferte, The Adventures of Dollie. Mit allen seinen Darstellern verließ er Biograph und bildete zusammen mit Mutual Film Corporation die Reliance-Majestic Studios (später in Fine Arts Studio umbenannt), in denen er seinen Durchbruch als Regisseur mit dem Film The Birth of a Nation (1915, dt. Die Geburt einer Nation), hatte, in der Lillian Gish zu sehen war, die er entdeckt hatte. Der zweigegliederte Film, der in der Zeit des Bürgerkrieges angesiedelt ist und u.a. die Ermordung Abrahams Lincolns beinhaltet, wurde wegen seines Rassismus, besonders der positiven Darstellung der Rolle des Klu-Klux-Clans, heftig kritisiert. Nichtsdestotrotz war der Film ein finanzieller Erfolg, zumal Griffith sich zahlreicher filmtechnischer Neuerungen bediente und auf technische Effekte setzte, während dem ein Jahr später gedrehten Film Intolerance (1916) - ebenfalls mit Gish in der Hauptrolle - kein wirtschaftlicher Erfolg vergönnt war, aber heute unter die besten Filme der Filmgeschichte gerechnet wird. Sein Film Broken Blossoms (1919, dt. Gebrochene Blüten) wurde von der Kritik hoch gelobt und war auch finanziell wieder erfolgreich. Der Film wurde bereits bei der Filmgesellschaft United Artists gedreht, die Griffith 1919 zusammen mit Mary Pickford, Douglas Fairbanks sen. und Charles Chaplin als Reaktion auf die Versuche der damals führenden amerikanischen Filmproduzenten, ein Kartell zu bilden, um die Löhne der Schauspieler, Regisseure und Autoren zu senken, gegründet hatte. 1924 zog er aus United Artists wieder zurück. Enttäuscht von dem Mißerfolg seines Films The Struggle (1931, dt. Der Kampf) zog sich Griffith, der im Laufe seiner Karriere mehr als 450 Filme drehte, 1931 aus dem Filmgeschäft zurück. Sein Versuch eines Comebacks im Jahre 1940 mit dem Film One Million B.C. (Tumak, der Herr des Urwalds) scheiterte; nach Streitigkeiten mit dem Produzenten Hal Roach verließ er das Set; der Film wurde von Roach selber zu Ende geführt.

Auszeichnungen u.a.: Oscar für sein Lebenswerk (1936).

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Bilder: Matthias Bauer (04/2009)

Grünwald b. München, Waldfriedhof

New York, Manhattan, Saint Bartholomew's Episcopal Church

Centerfield (Kentucky), Mount Tabor Methodist Church Graveyard

Helene Freifrau von Heldburg  née Ellen Franz

pinxit Oskar Begas

 

Deutsche Pianistin und Schauspielerin; Tochter eines Handelsschuldirektors und einer schottischen Adligen; wuchs in Berlin auf, wo sie Klavierunterricht bei Hans von Bülow nahm (durch ihn lernte sie Cosima Liszt, die spätere Frau von Richard Wagners, kennen). 1880 debütierte sie auf Vermittlung von Franz Liszt am Theater in Gotha, nach sie eine Schauspielausbildung gemacht hatte. Danach spielte sie von 1862 bis 1864 in Oldenburg und anschließend in Mannheim. 1867 engagierte sie Friedrich von Bodenstedt an die Meininger Hofbühne, wohin er selbst erst im Jahr zuvor auf Wusch von Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen gekommen war. An der dortigen Bühne trat sie sehr erfolgreich bis 1873 in vielen Stücken von William Shakespeare und Friedrich von Schiller, aber auch von Johann Wolfgang von Goethe in Erscheinung.

Bereits 1868 war Ellen Franz die Geliebte des Herzogs geworden, und ein Jahr nach dem Tode dessen zweiter Gemahlin Feodora heiratete er die Schauspielerin nach ihrer Erhebung in den Adelsstand 1873 in morganatischer Ehe. Die Verbindung rief nicht nur in der Familie des Herzogs, sondern auch in vielen anderen Adelshäusern Deutschland Mißbilligung hervor. Das Paar zog sich daraufhin auf die Güter in Altenstein und Heldburg ins Private zurück, die daraufhin zum Treffpunkt von vielen Künstlern und Intellektuellen wurden. Sie führten jedoch gemeinsam und mit Unterstützung seitens des Regisseurs und Intendanten Ludwig Chronegk mit den Meininger Prinzipien eine tiefgreifende Theaterreform durch und machten das Meininger Hoftheater weltberühmt, wobei Helene dabei große Arbeit in der Dramaturgie leistete, sich aber auch um neue Engagements und den Besetzungsplan des Theaters kümmerte.

Nach dem Tod ihres Mannes lebte sie überwiegend auf ihrem Landsitz, der Veste Heldburg. Ab 1918 zog sie in das Palais Helenenstift, das 1891/92 für sie als Witwensitz eingerichtet worden war (heute Palais am Prinzenberg).

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Bilder: Peter Müller (10/2015)

Meiningen (Thüringen) Parkfriedhof

Bilder: Christiane Winkler (05/2016)

Claude Lanzmann

Bild: Rengha Rodewill (2016)

 

Französischer Regisseur: Sohn von Armand Lanzmann, eines Dekorateurs und einer Antiquitäten-Spezialistin; Bruder der Schauspielerin Évelyne Rey; wuchs als Sohn eines Dekorateurs in einer assimilierten jüdischen Familie auf und schloß sich noch als Schüler im von der deutschen Wehrmachzt besetzten Frankreich 1943 der Résistance an Nach der Befreiung setzt er sein in Paris begonnenes Philosophiestudium zusammen mit seinem Schulfreund und späteren Schriftsteller Michel Tournier ab 1947 im französisch besetzten Tübingen fort, wo er das Studium mit einer Arbeit über den Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz abschloß. In den Folgejahren war Lanzmann als Lektor an der neugegründeten Freien Universität (FU) im Westen Berlins tätig. Anfang der 1950er Jahre erschien in der Pariser Tageszeitung Le Monde eine Artikelserie über das geteilte Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik (DDR). Gut zwanzig Jahre lang war Lanzmann, der seit Beginn der 1950er Jahren wieder in Paris lebte, als Journalist tätig, schrieb für die Zeitung France-Soir sowie für bedeutende Magazine wie Paris Match und Elle; außerdem verfaßte Lanzmann neben Reportagen aus Krisengebieten auch Portraits über Prominente, Essays und Kolumnen.

Claude Lanzmann zählte zum engen Freundeskreis um den PhilosophenJean-Paul Sartre und dessen Lebensgefährtin Simone de Beauvoir, den Gründern des linksintellektuellen Magazins Les Temps Moderne. und zunächst zum Redaktionskollektiv, bevor er nach de Beauvoirs Tod 1986 selbst Herausgeber der Monatszeitschrift wurde.

Nach seiner Mitarbeit am Drehbuch des Filmdramas Élise ou la vraie vie (1970) wandte er dem Dokumentarfilm zu und gab sein Regiedebüt 1973 mit dem Film Pourquoi Israel (dt. Warum Israel). Große Bekanntheit erreichte sein preisgekrönter Holocaust-Dokumentarfilm Shoah (1985), nachdem er sich unter dem Eindruck eines aufkeimenden linken Antisemitismus nach den Studentenrevolten 1968 intensiv mit dem Holocaust auseinandergesetzt hatte. 1994 folgte mit Tsaha der dritten Teil seiner jüdischen Trilogie.

Verheiratet war Claude Lanzmann dreimal: Seit 1963 mit der Schauspielerin Judith Magre, in zweiter Ehe seit 1974 mit der Schriftstellerin Angelika Schrobsdorff und schließlich von 1995 bis zu seinem Tode mit der Epidemiologin Dominique Petithory.

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Paris, Cimetière du Montparnasse.

Friedrich FredWilhelm Kassen

 

 

Deutscher Theatergründer und -direktor traf während der Dreharbeiten zu dem Film Der falsche Ehemann (1931), in dem er in einer Nebenrolle auftrat und das Lied Einmal wird dein Herzchen mir gehören sang, erstmals Mitglieder der 1928 in Berlin gegründeten deutschen a-capella-Gesangsgruppe Comedian Harmonists. Als er sie im Juli 1935 erneut traf, wurde er anstelle von Harry Frommermann, der die Gesangsgruppe als jüdischer Sänger verlassen mußte und in die USA ausgewandert war, als dritter Tenor in der nichtjüdischen Nachfolgegruppe Meister-Sextett aufgenommen, die gegründet worden war, nachdem die Musik der Commedian Hormonists als “entartete, jüdische Kunst” verboten worden war und die Gruppe sich 1935 aufgelöst hatte. Nach Streitigkeiten verließ er die Gruppe im September 1939.

Im November 1945 war Kassen als ziviler Angestellter bei der US-Militärregierung in Marktheidenfeld beschäftigt. In dieser Zeit war er mit der US-Amerikanerin Ethel Louise Wrigh verheiratet, die ihn verließ und mit ihrem Vorgesetzten 1946 in die USA ging. Im Folgejahr lernte er die 20 Jahre jüngere Alexandra Kassen kennen und gründete mit ihr am Tegernsee die Pianobar Bei Fred. und 1955 die Künstlerkneipe Stachelschwein, in der auch die Kabarettgruppe Die Namenlosen auftrat, aus der die Münchner Lach- und Schießgesellschaft hervorging, die am 12.12.1956 unter Sammy Drechsel ihre Premiere hatte; das damalige Ensemble bestand aus Ursula Herking, Dieter Hildebrandt, Klaus Havenstein und Hans Jürgen Diedrich. Die Kompositionen der Couplets stammten von Kassen, der die Gruppe auch auf dem Klavier.

Im Februar 1959 zog das Ehepaar Kassen nach Köln, nahm ein kleines, aus Brigitte Mira, Heinz Junge, Gerd Martienzen und Bruno W. Pantel bestehendes Ensemble mit und eröffnete am 5.3.1959 gemeinsam mit seiner Frau in der Kölner Pipinstraße das Kabarett- und Kleinkunsttheater Senftöpfchen, für das Kassen als Texter, Komponist, Regisseur, Pianist und Direktor arbeitete. Über die Jahre traten hier bekannte Schauspieler, Musiker, Kabarettisten oder Kleinkünstler auf. Ironische, kritische und scharfe politische Kritik und ausgefallene Aufführungen (Folies Parisiennes) verliehen dem ersten Kabarett in Köln nationales als auch internationales Gewicht.

Nach Kassens unerwartetem Tod übernahm seine Frau das Theater und konnte das Renommee des Theaters noch steigern.

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Bilder: Wilfried Paque (08(2018)

Köln, Friedhof Melaten

Florenz Ziegfeld Jr.

        1928

 

US-amerikanischer Theater- und Filmproduzent; Sohn von Florenz Ziegfeld sen., der aus Deutschland in die USA eingewandet war, und dessen Frau Rosalie, née de Hez, die in Belgien zur Welt kam, Sein Vater, der in seiner Heimat bereits ein bekannter Pianist war, und 1963 in die USA kam, war Leiter des Chicago Musical College und betrieb später einen Nachtklub, das Trocadero, mit dem er hoffte geschäftlich am Erfolg der Weltausstellung von 1893 teilhaben zu können. Um seinem Vater zu1912 unterstützen, engagierte er für dessen Nachtklub den aus Königsberg stammenden, seinerzeit stärksten Mann der Welt, Eugen Sandow. Auf einer Reise nach Europa, wo er sich von 1887 bis 1913 aufhielt, um Talenten für seine Shows in London zu engagieren, , lernte er die polnisch-französischen Bühnenkünstlerin Anna Held kennen, mit der er in einem eheähnlichen Verhältnis lebte. Sie war es auch, die ihn auf die Idee brachte, eine Show wie die am Montmartre in Paris auf die Bühne zu bringen, und ihr Erfolg in einer Reihe seiner Broadway-Shows, besonders A Parisian Model (1906), war ein Hauptgrund dafür, daß er 1907 eine Reihe von extravaganten Revuen inszenierte, durch die er sich zunächst als Organisator von Varietévorführungen auf der Weltausstellung in Chicago einen Namen machte. Später betätigte er sich auch als Manager für eine Reihe von Unterhaltungskünstlern, z. B. für den Komiker W. C. Fields, dessen Karriere er maßgeblich förderte. Seine 1907 in New York City produzierte Revue The Follies (i.e. Verrücktheiten), eine riesige Bühnenshow mit hübschen Tänzerinnen und großem szenischen Aufwand, die später unter der Bezeichnung The Ziegfeld Follies bekannt und bis 1957 immer wieder neu auf die Bühne gebracht wurde.

Mary Eaton, eine der Show Stars in den Jahren 1920, 1921 und 1922 

Daneben inszenierte er auch traditionelle Musicals wie Show Boat (1927) von Jerome Kern und Oscar Hammerstein oder Bitter Sweet (1929) von Noel Coward.

Auch Louise Brooks, die später gemeinsam mit Fields den Film It's the Old Army Game (1926) drehte und in Europa bekannt wurde, gehörte als Tänzerin bei der Broadway-Produktion Ziegfeld Follies in New York City 1925 dem Team der Ziegfeld Follies an, bevor sie im selben Jahr einen Vertrag bei der Paramount erhielt.

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Bild: Susan Kane (05/2008)

Valhalla, Westchester County (NY), Kensico Cemetery

Bilder: Herbert Herterich (04/2019)
Theater / TV / Film / Show CLIII

Omnibus salutem!