Hans Moser eigentl. Jean Julier

1902 

Österreichischer Schauspieler; der Sohn einer Österreicherin und eines Ungarn französischer Abstammung war nach dem Besuch einer Handelsschule zunächst als Buchhalter tätig, erhielt dann Schauspielunterricht bei dem Burgschauspieler Josef Moser, dessen Name er später als Künstlernamen übernahm; bereits im Alter von 17 Jahren trat er in kleineren Rollen an Provinzbühnen auf. Ab 1902 spielte er zunächst am Theater in der Josefstadt, dann am Theater an der Wien. In den 1920er Jahren wurde er von Max Reinhardt, dem damaligen Leiter des Deutschen Theaters in Berlin und des Theaters in der Josefstadt, als Komiker engagiert. Seine größten Bühnenerfolge feierte Moser mit Stücken von Ödön von Horváth, Arthur Schnitzler und Johann Nepomuk Nestroy. Daneben übernahm er Rollen in Stummfilmen, wurde aber erst nach Einführung des Tonfilms populär, in denen er in über 120 Rollen auftrat. Sein Markenzeichen wurde seine nuschelnde Sprechweise und seine eigenwillige, seltsam ungelenke Körpersprache. Ab 1954 spielte Moser auch am Burgtheater. Als er während des Dritten Reichs aufgefordert wurde, sich von seiner jüdischen Frau Blanca Hirschler scheiden zu lassen, weigerte er sich als einer der ganz wenigen. Vielmehr ging er in die Offensive und wagte es, sich in einem Brief direkt an Hitler zu wenden: “Ich bitte Sie daher inständigst, meiner Gattin die für Juden geltenden Sonderbestimmungen gnadenweise zu erlassen, insbesonders von der Eintragung des “J” in ihrem Pass und von der Führung des ihr auferlegten jüdischen Vornamens zu befreien”. Erst 1939 emigrierte sie nach Ungarn (nach dem Ende des Krieges lebte das Ehepaar wieder zusammen). Moser konnte nur aufgrund seiner Popularität weiterhin als Filmschauspieler in deutschen Filmen tätig sein.

Filme u.a.: Die Stadt ohne Juden (1924), Man bracht kein Geld (1932),Endstation (1935), Das Gäßchen zum Paradies (1936), Anton, der Letzte (1939), Das Ekel (1939), Der Herr im Haus, Wiener G’schichten (beide 1940), Wiener Blut (1942), Einmal der liebe Hergott sein (1942), Das Ferienkind (1943), Der Millionär (1945), Hallo Dienstmann (1951), Wir werden das Kind schon schaukeln (1952), Ober, zahlen! (1957) Hallo, Taxi (1958).

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Wien, Zentralfriedhof

Alexander Girardi

       

Österreichischer Volksschauspieler und Operettensänger; wuchs nach dem frühen Tode des Vaters, eines Schlossermeisters, bei seinem Stiefvater auf, der ihn bestimmte, eine Schlosserlehre zu absolvieren Gegen dessen Willen trat er jedoch der Laienspielgruppe “Die Tonhalle” bei; dort wurde sein schauspielerisches Talent entdeckt; 1871 wurde er am Wiener Strampfer-Theater engagiert. Dort war er häufig der Partner der in Deutschland geborenen Schauspielerin und Theaterdirektorin Josefine Gallmeyer. Anschließend war er an Berliner Theatern tätig und ab 1917 als Charakterkomiker am Burgtheater in Wien; Girardi gilt als größter Volksschauspieler nach Ferdinand Raimund und Johann Nepomuk Nestroy. Unter Kaiser Franz Joseph war Girardi der Auslöser einer Reform im Bereich der Neurologie: Als die Schauspielerin Helene Odilon, die Ehefrau Girardis, diesen entmündigen lassen wollte, erklärte der namhafte Wiener Nervenarzt Julius Wagner-Jauregg - ohne den Betroffenen gesehen zu haben - diesen in einem Attest als geisteskrank. Er konnte sich jedoch der Verbringung in die Heilanstalt durch rechtzeitige Flucht entziehen und an hilfesuchend an die Schauspielerin Katharina Schratt, der Freundin von Kaiser Franz Joseph, wenden. Aufgrund ihrer Initiative wurde er rehabilitiert. Erst in einer zweiten Ehe mit Leonie von Latinovits, einer Stieftochter des Klavierfabrikanten Ludwig Bösendorfers, fand er das ersehnte private Glück. Ein weiterer Traum ging in Erfüllung, als er an das Burgtheater engagiert wurde und sein Debüt als Fortunatus Wurzel in Der Bauer als Millionär von Raimund gab. Allerdings starb er zwei Monate später. Girardis Leben wurde unter dem Titel Der Komödiant von Wien von Karl Paryla 1954 verfilmt.

Bühnenstücke u.a.: Der Verschwender, Der Bauer als Millionär, Der Millionenonkel.

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Georg Wilhelm Pabst

1931 no_copyright     

 

Österreichischer Filmregisseur; der Sohn eines Bahnbeamten verbrachte seine Kindheit und Jugend in Wien. Sein Wunsch, die Offizierskarriere einzuschlagen, scheiterte an seiner Kurzsichtigkeit. Er wandte sich daher der Schauspielerei zu, nahm ab 1901 Schauspielunterricht am Konservatorium und studierte von 1904 bis 1906 an der Wiener Akademie für gestaltende Kunst; es folgten Engagements an diversen deutschsprachigen Theatern, bevor er 1912 am Deutschen Volkstheater in New York sein Debüt als Regisseur hatte. Auf dem Wege zurück nach Europa wurde er vom Ausbruch des Ersten Weltkrieges überrascht und noch in Frankreich als “feindlicher Ausländer” auf vier Jahre in Brest interniert. Während dieser Zeit inszenierte er in einem Lagertheater. Nachdem er 1919 nach Wien zurückgekehrt war, hatte er wiederum verschiedene Engagements und wurde künstlerischer Leiter der avantgardistisch ausgerichteten Neuen Wiener Bühne. Anfang der 1920er Jahre wechselte Pabst zum Film, nachdem er Carl Fröhlich kennengelernt und als Darsteller in dessen FilmIm Banne der Kralle (1921) mitgewirkt hatte. Als Regisseur debütiert Pabst, der Mitgesellschafter der Froelich-Film GmbH geworden war, 1922 mit der Produktion Der Schatz. Rasch entwickelte sich Pabst zu einem der profiliertesten Persönlichkeiten des Stumm- und frühen Tonfilms, wobei er maßgeblich die Entwicklung des deutschen Films beeinflußte. 1925 drehte er mit Asta Nielsen und der noch unbekannten Greta Garbo den Film Die freudlose Gasse. Für seine letzten beiden Stummfilmen, dem nach den Tragödien Die Büchse der Pandora und Erdgeist von Frank Wedekind gedrehten Streifen Die Büchse der Pandora (1928) und dem Tagebuch einer Verlorenen (1928), holte er die US-amerikanische Schauspielerin Louise Brooks, deren Bild als Idol und späterer Filmikone er wesentlich mitgeprägt hat, nach Berlin. 1933 ging er nach Hollywood und kehrte 1936 von dort enttäuscht und erfolglos nach Frankreich zurück, wo er zuvor gearbeitet hatte. Allerdings gab er den Plan, in die Vereinigten Staaten zu emigrieren nicht auf; als er jedoch dieses Vorhaben realisieren wollte, wurde er, wie schon einmal zu Beginn des Ersten Weltkriegs, vom Ausbruch des Zweiten überrascht, als er sich bei seiner Mutter in Österreich aufhielt: Die Ausreise gelang nicht mehr. Pabst, dem später der Ruf eines Opportunisten und der Nähe zu dem nationalsozialistischen Regime anhaften wird, drehte jetzt in Deutschland Filme, u.a. 1940 mit Leni Riefenstahl den Film Tiefland, der erst 1954 fertiggestellt wurde. Nach dem Ende des Regimes setzte er sich mit der Zeit des Dritten Reichs filmisch auseinander, u.a. in Der Prozeß (1948), Der letze Akt und Es geschah am 20.Juli (beide 1955), so daß ihm die Rehabilierung gelang. Großen Erfolg hatte er mit Operninszenierungen in der Arena von Verona. Seinen letzten Film drehte Pabst 1956: Durch die Wälder, durch die Auen, der nach Motiven aus dem Leben des Komponisten Carl Maria von Webers entstand.

Filme u.a.: Die Stadt ohne Juden (1924), Die Liebe der Jeanne Ney (1927), Abwege (1928), Skandal um Eva (1930), Westfront 1918 (1930), Die Dreigroschenoper, Kameradschaft (beide 1931), Die Herrin von Atlantis (1932), Komödianten (1941), Paracelsus (1943).

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Wien, Feuerhalle Simmering, Urnenhain

Max Pallenberg

                   

Österreichischer Schauspieler; trat zunächst auf einer Wanderbühne und an Provinztheatern auf, 1904 holte ihn Josef Jarno (*1866, †1932) als Charakterkomiker an das Theater in der Josefstadt; 1910 spielte er am Deutschen Volkstheater in Wien, 1911 in München; 1914 verpflichtete ihn Max Reinhardt an das Deutsche Theater nach Berlin, wo er seinen künstlerischen Durchbruch erzielte und in Rollen wie der des Schlucks in Gerhart Hauptmanns Schluck und Jau oder des Peachums in Bert Brechts Dreigroschenoper brillierte und zu einem der bekanntesten Charakterkomiker seiner Zeit wurde. Er trat neben der Theaterarbeit aber auch zunächst in Stumm- und dann in Tonfilmen auf, so in Fritz Kortners Der brave Sünder (1931) und spielte den Mephisto in Reinhardts Faust-Inszenierung bei den Salzburger Festspielen. Verheiratet war Pallenberg u.a. mit der österreichischen Sängerin und Schauspielerin Fritzi Massary (*1882, †1969). Pallenberg starb bei einem Flugzeugabsturz.

in: Die Sache mit Lola

 

 

Fritzi Massary mit ihrem Maybach Cabriolet

 

 

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Lilian Harvey eigentl. Lilian Helen Muriel Pape

Bild: Alexander Binder  no_copyright

 

Deutsche Filmschauspielerin; die Tochter einer englischen Mutter und eines deutschen Vaters (Harvey nannte sie sich nach dem Mädchennamen ihrer Großmutter). Zu Beginn des Ersten Weltkrieges befand sich die Familie, die ihren Wohnsitz in London hatte, gerade in Deutschland; obwohl sie zeitweise in der Schweiz lebte, machte sie ihr Abitur in Berlin. Ab 1923 durchlief sie eine Ausbildung an der Ballettschule der Staatsoper Berlin, trat danach jedoch zunächst in einer Revue als "Girl" auf. Bereits 1924 kam sie zum Stummfilm, wo einige für damalige Verhältnisse freizügige Filme entstanden. Der Erfolg kam allerdings erst mit dem Vertrag bei der Ufa. Durch die Gesang- und Tanzeinlagen in ihren ersten Tonfilmen wurde zum "süßen Mädel" und stieg so rasch zum Kassenmagneten der UFA auf. Mit Willy Fritsch, mit dem sie liiert war, entstanden zehn Filme, in denen beide zum beliebtesten deutschen Filmliebespaar avancierten.

Bild: A. Binder (1928/29) no_copyright

1932 ging sie nach Hollywood, kehrte allerdings bereits 1935 nach Deutschland zurück, von wo aus sie 1939, begünstigt durch ihren englischen Paß, nach Frankreich, danach in die USA emigrierte. Dort stand sie wieder auf der Bühne und leistete nebenher karitative Arbeit als Schwesternhelferin. 1943 wurde ihr die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Nach Kriegsende ließ sie sich in Frankreich nieder und versuchte - allerdings erfolglos - an ihre alte Karriere anzuknüpfen. Hier drehte sie ihre letzten Filme. Sie nahm an Gesangstourneen und Gastspielreisen durch viele Staaten teil.

Filme u.a.: Wenn Du einmal Dein Herz verschenkst (1929), Hokuspokus (1930), Die Drei von der Tankstelle (1930), Der Kongreß tanzt (1931), Ein blonder Traum (1932), Schwarze Rosen (1935), Fanny Elßler (1937), Capriccio (1938), Frau am Steuer (1939).

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Antibes, Cimetière de Rabiac

Kurt Raab

 

 

Deutscher Film- und Fernsehschauspieler; wuchs in Niederbayern auf einem Bauernhof auf, auf dem sein Vater sich als Pferdeknecht verdingt hatte. Nach dem Besuch des Musischen Gymnasiums in Straubing und dem Abitur ging er 1963 nach München, wo er Germanistik und Geschichte studierte, wobei er neben dem Studium als Kabelträger beim Fernsehen des BR arbeitete, dann bis 1969 als Requisiteur für das ZDF und die Bavaria Filmgesellschaft. Mitte der 1960er Jahre spielte er in der Antigone-Inszenierung des Komponisten Peer Rabens, den er bereits in Straubing kennengelernt hatte, seine erste Rolle und kam hier auch mit Rainer Werner Fassbinder in Kontakt, erhielt Hauptrollen in dessen Inszenierungen. gehörte bald schon zu dessen Ensemble und wurde später dessen Ensembledirektor am TAT (Theater am Turm) in Frankfurt am Main Die Zusammenarbeit mit Fassbinder endete 1977. Danach spielte Raab an Bühnen in Bochum, München und Hamburg; außerdem spielte er wieder in Film- und Fernsehproduktionen mit, so z.B. in zwei Fernsehverfilmungen nach Thomas Mann: Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull (1981) und Der Zauberberg (1982). 1981 gründete Raab in München eine Filmproduktionsgesellschaft.

Raab starb an den Folgen von der Immunschwächekrankheit Aids.

Filme u.a.: Revolution (1969), Liebe ist kälter als der Tod (1969), Warum läuft Herr K. Amok? (1970), Die Zärtlichkeit der Wölfe (1973), Münchner Geschichten (1974), Angst essen Seele auf (1974),Querelle – Ein Pakt mit dem Teufel (1982),

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Hamburg, Friedhof Ohlsdorf

Bild: Alexander Krischnig (2006)
Bild: W. Burghart (2002)
Bild: Ulrich Bork (10/2006)
Bilder: Matthias Bauer (08/2007)

Wien, Zentralfriedhof

Wien, Zentralfriedhof

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Josephine Gallmeyer

Österreichische Schauspielerin und Theaterdirektorin deutscher Herkunft; uneheliche Tochter der Schauspielerin Katharina Tomaselli und des Opernsängers Michael Greiner. 1842 nahm sie den Namen ihres Stiefvaters Christian Gallmeyer an; debütierte bereits im Alter von 15 Jahren im Jahr 1853 am Stadttheater in Brünn. Nach dem Tode ihrer Mutter verließ sie Brünn und ging nach Wien, wo Johann Nepomuk Nestroy sie im Oktober 1857 für das Carltheater engagierte. Da der Erfolg aber zunächst ausblieb, kehrte sie kurzzeitig nach Brünn zurück, um dann ab 1859 in Hermannstadt (Ungarn,heute Sibiu, Rumänien) und anschließend in Temesvar (heute Timișoara, Rumänien) zu spielen, bevor sie 1862 die Leitung des Theaters an der Wien übernahm. Dort war sie sehr erfolgreich und wurde von den Wienern als “unsere G.“ und als die “fesche Pepi“ gefeiert. Gelobt wurden v.a. “ihr meisterhafter, feinnuancirter, pointenreicher Coupletvortrag“ und ihr ausgesprochen parodistisches Talent, das sie als “ein weiblicher Nestroy“ erscheinen ließ. 1865 wurde sie Ensemblemitglied in dem von Carl Treumann geleiteten Carltheater, an dem sie bis 1872 blieb. Bald wurde sie mit der inzwischen verstorbenen, aber unvergessenen Therese Krones verglichen, sogar in ihrer Kunst noch höher eingeschätzt. Von 1872 bis 1874 war sie wieder Mitglied des Theaters an der Wien, übernahm dann aber mit Julius Rosen die Leitung des Strampfer-Theaters unter den Tuchlauben in Wien. Es stellte sich jedoch heraus, daß die Entscheidung ein Mißgriff war; sie verlor nicht nur ihr gesamtes Vermögen, sondern geriet auch in Schulden, von denen sie sich nicht wieder erholte. Sie trat aber weiterhin erfolgreich auf; sogar bei Auftritten im preußischen Berlin und in Hamburg feierte man sie. Als sie nach ihrer Rückkehr nach Wien wahrnahm, daß das Interesse an Volksstücken nachließ, auch weil es keine neuen Stücke, die ankamen, mehr gab, versuchte sie eine Neuorientierung, nahm dramatischen Unterricht bei Heinrich Laube und debütierte am 30.3.1882 in dem 1871 von Laube gegründeten Wiener Stadttheater als Bäckersfrau Desvarennes in dem Schauspiel Sergius Panin, das auf dem von dem französischen Schriftsteller Georges Ohnet (*1848, †1918) verfaßten Trivialroman  Serge Panin basiert; nach zehn Aufführungen wurde das Stück abgesetzt, auch weil Josephine Gallmeyer sich nicht in der Lage sah, das vom Stück geforderte Hochdeutsch zu erfüllen. Nach einer Gastspielreise nach Amerika und ihrer Rückkehr nach Wien zeigte sich immer deutlicher, daß sie ihren Zenith überschritten hatte. Enttäuscht von Publikum und schon gesundheitlich angeschlagen und nach einigen erfolglosen Auftritten, legte sie in ihrem Testament fest, daß Stunde und Ort ihrer Beisetzung geheimgehalten werden sollten; dennoch fand sich zu ihrer Totenfeier ”halb Wien” ein. Während ihre Zeitgenossen die Darstellungskunst ”der Gallmeyer” auf dem Gebiet des Volksschauspiels als unübertrefflich bezeichneten, ist sie heute vergessen.

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Wien, Zentralfriedhof

Bilder: Otto Prohaska (07/2012)
Bilder: Parsifal von Pallandt (11/2017)

Hamburg, Friedhof Ohlsdorf, Memento-Grab der Aidshilfe Hamburg

Hinweis: Die Grabstätte Kurt Raabs wurde 2012 aufgelöst; an deren Stelle wird seiner mit einem sog. Memento-Grab der Aidshilfe Hamburg gedacht.

Bilder: Robert Dittel (06/2018)

Hinweis: Hier beigesetzt wurde auch Else Wirth, die sie während einer Gastspielreise in der DDR kennengelernt hatte, und die ihre Sekretärin und Lebensgefährtin wurde.

Artur AtzeBrauner  ne Abraham Brauner

 

 

Deutscher Filmproduzent polnischer Herkunft; Sohn eines Holzgroßhändlers; begann nach dem Abitur in Łódź ein Studium am dortigen Polytechnikum, das er nach der Besetzung Polens durch die deutsche Wehrmacht abbrechen mußte. Um sich der Verfolgung durch die SS zu entziehen, floh er mit seinen Eltern und vier Geschwistern in die Sowjetunion, wo er untertauchte. Während die Eltern und drei seiner Schwestern nach Israel gingen, ging er nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nach West-Berlin. wo Brauner, der sich schon als Jugendlicher für das Kino interessiert hatte, beschloß, Produzent zu werden. Er beantragte bei der Besatzungsmacht eine Film-Produktionslizenz und begann nach Erhalt der Genehmigung seine Karriere als Unternehmer und Filmproduzent. Am 16.9.1946 gründete er die Central Cinema Company (CCC-Film), 1948 entstand unter Regie von Eugen York einer seiner ersten Filme, Morituri, ein Film, der sich mit der jüngsten deutschen Geschichte auseinandersetzt und in den Brauners eigene Erfahrungen einflossen; allerdings geriet der Film zu einem kommerziellen Mißerfolg - die Deutschen wollten nicht mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert werden. In den folgenden Jahren setzte Brauner deshalb mehr auf Unterhaltungsfilme, die dem damaligen Publikumsgeschmack entsprachen.

1949 erwarb Brauner ein 35.000 qm großes Gelände einer ehemaligen Pulverfabrik im Berliner Bezirk Spandau, auf dem er nach und nach seine Ateliers und Bürogebäude aufbaute und auf dem im Laufe seiner Karriere mehr als 500 Filme, die Hälfte davon eigene Produktionen, entstanden, u.a. Die Ratten (1955) unter der Regie von Robert Siodmak, der 1961 mit einem “Bambi” ausgezeichnet wurde, sowie die Publikumserfolge Mädchen in Uniform (1958) mit Romy Schneider und Lilli Palmer, Menschen im Hotel (1959) mit O.W, Fischer, Michèle Morgan, Sonja Ziemann, Gert Fröbe und Heinz Rühmann, eine deutsch-französische Neuverfilmung des gleichnamigen Romans von Vicki Baum. 1959 holte er Fritz Lang, dessen Filme aus den 1920er und 1930er Jahren er bewunderte, aus den USA für die FilmeDer Tiger von Eschnapur (1959) und dessen Fortsetzung Das indische Grabmal (1959), die in Deutschland nicht den erwarteten Erfolg hatten, dafür aber in Frankreich Kultstatus erreichten. 1960 kam der Film Die 1000 Augen des Dr. Mabuse (1960), die Fortsetzung dessen beiden Dr.-Mabuse-Filmen aus den 1920er und 1930er Jahren, in die Filmtheater. Beliebt waren auch seine Filme nach Vorlagen von Bryan Edgar Wallace, Sohn des Kriminalschriftstellers Edgar Wallace, und Karl May.

In der Folge des Oberhausener Manifests, das 1962 anläßlich der 8. Westdeutschen Kurzfilmtage u.a. von deutschen Filmemachern Peter Schamoni, Alexander Kluge und Edgar Reitz unterzeichnet wurde, entstand allmählich eine Konkurrenz für den traditionellen Film, die sich immer gravierender auswirkte; hinzu kam, daß sich das Fernsehen immer mehr in Konkurrenz zum Kino entwickelte. Ab Mitte der 1960er Jahre setzte ein Kinosterben in Westdeutschland und Berlin ein, von dem auch Brauners CCC-Studios in den 1970er Jahren empfindlich getroffen wurden; aber Brauner gelang es, diese Schwierigkeiten zu überwinden, indem er sich in dieser Zeit auf die Produktion von Filmen konzentrierte, die sich mit dem NS-Regime auseinandersetzten, so mit den Filmen Zeugin aus der Hölle, der bereits 1966 entstand, Charlotte S (1981), Die weiße Rose (1982) von Michael Verhoeven, Eine Liebe in Deutschland (1983), Hitlerjunge Salomon (1990), ein Film über das Leben des Juden Sally Perel, der als Mitglied der Hitlerjugend die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland überlebte; der Film wurde in den USA mit einem Golden Globe ausgezeichnet. Dabei setzte er für die Produktion dieser Filme Geld aus den Einnahmen aus und dem Verkauf von Unterhaltungsfilmen ein.

Im Jahr 1991 wurde die Artur Brauner Stiftung gegründet, deren Zweck die Förderung der Verständigung zwischen Juden und Christen sowie der Toleranz zwischen Menschen unterschiedlicher Religionen, Kulturkreise, Hautfarben und gesellschaftlicher oder ethnischer Herkunft ist. Filmproduzenten, die sich diesen Themen widmen ,werden durch die  jährliche Vergabe des Artur-Brauner-Filmpreises in Höhe von 25.000 Euro unterstützt.

1999 eröffnete Brauner in Berlin das 4-Sterne-Hotel Hollywood Media Hotel Berlin auf dem Kurfürstendamm; zudem betrieb er das Holiday Inn Berlin Mitte am Gesundbrunnen. Im Jahr 2004 geriet Brauners Immobilienfirma vorübergehend in finanzielle Schwierigkeiten, da die krisengebeutelte Cinemaxx-Gruppe Mietzahlungen hinausgezögert hatte.

Verheiratet war Artur Brauner seit 1946 mit Maria, die für ihr soziales Engagement in Berlin bekannt war.

Filme u.a.: Maharadscha wider Willen (1950), Die Spur führt nach Berlin (1952), Der Raub der Sabinerinnen (1954), Der 20. Juli (1955), Vor Sonnenuntergang (1956), Die Halbstarken (1956), Die Frühreifen (1957), Gestehen Sie, Dr. Corda! (1958), Wehe, wenn sie losgelassen (1958), Peter schießt den Vogel ab (1959), Alt Heidelberg (1959), Liebling der Götter (1960), Herrin der Welt (Tle. 1 und 2, 1960), Der brave Soldat Schwejk (1960), Lebensborn (1961), Via Mala (1961), Es muß nicht immer Kaviar sein (1961), Axel Munthe – Der Arzt von San Michele (1962), Der Henker von London (1963), Im Reiche des silbernen Löwen (1965),Lange Beine – lange Finger (1966), Die Nibelungen (1967), Herrliche Zeiten im Spessart (1967), Rheinsberg (1967), Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten (1968), Der Kurier des Zaren (1970), Die Schatzinsel (1972) (1972), Blutiger Schnee (1984), Hanussen (1988), Die Spaziergängerin von Sans Souci (1991), Babij Jar – Das vergessene Verbrechenr (2003), Der letzte Zug (2006), Wunderkinder (2011).

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Berlin, Jüdischer Friedhof (Heerstraße/Scholzplatz)

Hans Müller

 

 

Deutscher Regisseur; interessierte sich für das seinerzeit noch recht neue Medium Film, besuchte häufig das Kino und interessierte sich dabei auch für den Vorführraum. Später besuchte er in Berlin das Lette-Haus mit seinen Ausbildungsstätten für Optik Film- und Phototechnik. Im Anschluß an einen Dokumentarfilm über seine Heimatstadt Lüdenscheid und Aufnahmen für die Wochenschau erschien 1944 sein erster selbstinszenierter Film Aufruhr der Herzen mit Lotte Koch, Rudolf Prack und O. E. Hasse in den Hauptrollen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, als die Berliner Studios größtenteils zerstört waren, drehte er mit Käthe Haack, Paul Dahlke und Lutz Moik unter anderem auf Burg Altena den Film Und finden dereinst wir uns wieder… Nachdem in Berlin, Hamburg und München die Filmstudios den Betrieb wieder aufgenommen hatten, folgten unter anderem 1,2,3 Corona (1948) mit Ingeborg Scholz, Hafenmelodie (1949) mit Kirsten Heiberg, Das Mädchen aus der Südsee (1950) mit Hardy Krüger und Angelika Hauff, Gift im Zoo (1951) mit Carl Raddatz und Ernst Schröder, Lockende Sterne (1952) mit Ilse Steppat, Rudolf Prack und Paul Dahlke, Carola Lamberti – Eine vom Zirkus (1954) mit einem Comeback von Henny Porten. Sein größter Erfolg war nach eigener Einschätzung die Verfilmung der Oper Zar und Zimmermann (1956), dem ein weiterer Operettenfilm, Mazurka der Liebe (1957), folgte. Mit seinem letzten Kinofilm Drillinge an Bord mit Heinz Erhardt feierte Müller noch einmal einen großen Publikumserfolg.

Ab 1960 wandte sich Müller dem Fernsehen zu. Er verfilmte mit Hans-Joachim Kulenkampff Münchhausens Abenteuer und führte bei den Serien Spedition Marcus und Die Kramer mit Barbara Rütting genauso Regie, wie in der Kriminalreihe Butler Parker mit Dirk Dautzenberg. 1972/73 verfilmte Müller in Italien Das achte Madrigalbuch von Claudio Monteverdi unter der musikalischen Leitung von Nikolaus Harnoncourt.

Loriot, der bei Hans Müller im Atelier hospitierte, wurde von dessen Namen und Geburtsstadt zu seiner Comicfigur "Herr Müller-Lüdenscheid" angeregt.

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Bilder: Rainer Bien (07/2019)

Lüdenscheid, Friedhof

Wilhelm Wieben

wieben_wilhelm_bdBild: Udo Grimberg

 

Deutscher Fernsehmoderator, Schauspieler und Autor; absolvierte eine Schauspielausbildung an der Max-Reinhardt-Schule für Schauspiel in Berlin mit kleineren Rollen am Theater. Danach war er als Rundfunksprecher beim Sender Freies Berlin tätig, bevor er zu Radio Bremen wechselte. Im Fernsehen debütierte er 1963 als Ansager. Unter anderem sagte er die erste Sendung des von Radio Bremen produzierten Beat-Clubs an. Von 1973 bis 1998 war er Sprecher der ARD-Tagesschau.

Udo Lindenberg (*1946) setzte ihm ein Denkmal in seinem Lied Mein Ding: “Später spricht dann Wilhelm Wieben, er ist sich immer treu geblieben.”

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Bild: Parsifal von Pallandt (07/2019)

Hamburg, Friedhof Ohlsdorf

Hinweis: Blumenschmuck auf dem Friedhof Ohlsdorf. Die Urnenbeisetzung fand in der Ostsee statt.

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Bilder: Dirk Gebauer (09/2020)
Theater / TV / Film / Show XII

Omnibus salutem!