Weimar, Russisch-orthodoxe Kapelle

Bild: Wolfgang Prokosch (2005)

Helene Charlotte Gräfin von Friedland neé von Lestwitz

Brandenburgische Adlige; wurde im Alter von 17 Jahren 1771 mit Adrian Heinrich von Borcke, zu jener Zeit preußischer Gesandter am sächsischen Königshof in Dresden, verheiratet. Bereits ein Jahr später wurde die Ehe allerdings wieder annuliert, da Borcke Ehebruch begangen hatte. Noch im Juli des gleichen Jahres wurde in Potsdam die gemeinsame Tochter Henriette Charlotte geboren, die spätere Gräfin von Itzenplitz. König Friedrich Wilhelm II. gab der Geschiedenen den Namen “von Friedland“, um die aufgrund einer gescheiterte Ehe auftretenden Lasten auf ein erträgliches Mindestmaß zu beschränken. Sie zog sich wieder wieder auf Schloß Kunersdorf bei Bliesdorf zurück, wo sie sich vorrangig der Erziehung ihrer Tochter und ihrer eigenen intellektuellen Fortbildung widmete. Nach dem Tod ihres Vater, des Generals von Lestwitz (1778), übernahm sie die Bewirtschaftung der Lestwitz'schen Güter. Um die Arbeit auf eine solide finanzielle Grundlage zu stellen, verkaufte sie u.a. ihren gesamten Schmuck. In Kunersdorf schuf sie einen Treffpunkt für bedeutenden Gelehrte, Künstler und Politiker aus der Berliner aufgeklärten Gesellschaft.

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Bilder: Torsten Hennig (03/2008)

Bliesdorf OT Kunersdorf b. Wriezen, Erbbegräbnisstätte Itzenplitz

Hinweis: Die Grabmäler schufen u..a. Johann Gottfried Schadow und Christian Daniel Rauch.

Bilder: Torsten Hennig (03/2008)

Henriette Charlotte Gräfin von Itzenplitz neé von Friedland

 

 

Brandenburgische Adlige; die Tochter der Gräfin Helene Charlotte von Friedland und des Diplomaten Adrian Heinrich von Borcke führte einen beliebten Salon für die aufgeklärte Berliner Gesellschaft. Zu ihr bei Gast waren u.a. die Brüder Alexander und Wilhelm von Humboldt, Karl vom Stein, Albrecht Thaer, Leopold von Ranke, Johann Gottfried Schadow, Christian Daniel Rauch, Ludwig Tieck, Karl von Savigny, Theodor Fontane, Carl Friedrich Zelter, und Adalbert von Chamisso schrieb hier 1813 seine Märchenerzählung Peter Schlemihls wundersame Geschichte.

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Tatiana Hilarionowna Fürstin von Metternich-Winneburg und Beilstein née Tatiana Fürstin Wassiltschikowa

 

Deutsche Malerin, Schriftstellerin und Mäzenatin russischer Abstammung; 1917 floh ihre Familie mit ihr vor den politischen Wirren im damaligen Zarenreich zunächst auf die Krim, 1919 dann über Malta und Frankreich mit Zwischenstation auch im Baltikum nach Deutschland. Aufgrund ihrer diversen Fremdsprachkenntnisse erhielt sie bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges eine Stellung im Auswärtigen Amt, wo sie 1941 ihren späteren Ehemann, Paul Alfons Fürst von Metternich-Winneburg und Beilstein (*1917, †1992), Urenkel des österreichischen Staatskanzlers Klemens Fürst Metternich, kennenlernte. Zuvor hatte sie in München Kunstgeschichte studiert. Nach dem Verlust seiner Güter in Böhmen zog das Paar 1945 auf das im Krieg durch US-amerikanische Bombardements zerstörte, im Rheingau nahe Mainz gelegene Schloß Johannisberg, das die Fürstin wiederaufbauen ließ. Sie war Mitbegründerin und Schirmherrin des Rheingau-Musik-Festivals (RMF) und setzte sich u.a. als Vorsitzende des Lazarus-Ordens für die Straßenkinder in ihrer Geburtsstadt Sankt Petersburg ein und war für das Rote Kreuz aktiv.

Auszeichnungen u.a.: Bundesverdienstkreuz (2001), Wilhelm-Leuschner-Medaille des Landes Hessen (2003).

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Geisenheim, Schloß Johannisberg

Lucrezia Borgia

  von einer zeitgenössischen  Medaille nach Filippino Lippi    

Herzogin von Ferrara; Tochter der Vanozza dei Cattanei und des Kardinals Rodrigo Borgia, des späteren Papstes Alexander VI.; Schwester Cesare Borgias. Ihre ersten Jahre verbrachte sie bei ihrer Mutter. Als sie acht Jahre alt war kam sie in das Haus der Adriana de Mila, Witwe Ludovico Orsinis. Dort erfuhr sie durch Privatlehrer gemäß der Sitte der Zeit eine sorgfältige Erziehung: sie ernte Mathematik, Rhetorik, wurde in der Musik, der Kunst und in der Poesie unterrichtet - letztere wird sie ein Leben lang pflegen. “Sie sprach Spanisch, Griechisch, Italienisch und Französisch, ein wenig und auch ganz gur Lateinisch, und in allen diesen Sprachen schrieb und dichtete sie“, so schrieb im Jahre 1512 der “Chevalier sans peur et sans reproche” Pierre LeVieux du Terrail, Chevalier de Bayard (*~1476, †1524), der sich 1510 als einer der Kommandeure des französichen Militärkontingents im Rahmen der Heiligen Allianz acht Monate in Ferrara aufhielt, über sie, und sie als eine “Perle der Frauen” bezeichnete. Auch im Tanz wurde sie ausgebildet: Sie tanzte so gerne, daß sie später, als sie schon in Ferrara lebte, bei einem Fest dieser Leidenschaft so ausdauernd frönte, daß sie noch in der selben Nacht eine Fehlgeburt hatte. Nach einer kurzen Zeit im Dominikanerkloster S. Sisto an der Via Appia wurde sie im Alter von elf Jahren mit dem spanischen Adligen Don Cherubini Juan de Centelles verlobt und, Früher fälschlich als Portrait Lucretia angesehennachdem der Verlobte freiwillig von dem Verlöbnis zurückgetreten war, Ende April 1492 mit dem 15-jährigen Don Gasparo von Procida und Anversa per procurationem verheiratet.

 Früher fälschlicherweise als Portrait Lucretia Borgias angesehen.

Diese Ehe wurde jedoch bereits ein Jahr später aus machtpolitischen Gründen für ungültig erklärt. Am 2.2.1493 fand Lucrezias zweite, prunkvolle Vermählung mit dem verwitweten 28-jährigen Giovanni Sforza (*1466, †1510), statt. Wegen der Jugend der Lucrezia wurde die Ehe jedoch nicht vollzogen; während Giovanni Sforza nach Pesaro ging, bezogborgia_lucrezia 1498_leonardo_bild Lucrezia zunächst den direkt am Vatikan anschließenden Palazzo Santa Maria, in den auch Julia (Giulia) Farnese, die im Mai 1490 mit Orso Orsini verheiratet wurde, mit Laura, ihrer Tochter aus der Liebschaft mit Alexanders VI., ein. Zwischen den fast gleichaltrigen Frauen, die regen Anteil am gesellschaftlichen Leben Roms nahmen, entwickelte sich eine intensive Freundschaft. Im Juni 1494 schließlich zog Lucrezia, begleitet u.a. von Julia, zu ihrem Ehemann nach Pesaro.

Lucrezia (möglicherweise Isabella von Neapel/Aragon), pinxit Leonardo da Vinci ,1498

Vier Jahre später, am 22.12.1497, erklärte ihr Vater die Ehe gegen der Willen der Tochter, die sich im Juni 1497 aus Protest nach Rom in das ihr bereits bekannte Kloster S. Sisto zurückzog, ebenfalls für ungültig und geschieden - wegen angeblicher “impotentia coeundi” (Unfähigkeit zum Vollzug der Ehe) des Gatten. Der solchermaßen düpierte Giovanni Sfoza behauptete allerdings, seine Ehe sei nur aufgelöst worden, damit der Papst Alfons v. Aragonund Cesare Borgia ungestört Blutschande mit Lucrezia treiben könnten. Am 21.7.1498 heiratete sie den ebenfalls von ihrem Vater vermittelten dritten Ehemann, Alfons von Aragón, Herzog von Bisceglie, ein Neffe des Königs Friedrich (Federigo) von Neapel, womit Alexander VI. die Verbindung der Borgias zu Neapel und Spanien herstellte, und Alexander VI. ernannte seine Tochter zur Herrscherin von Spoleto und Foligno, später auch von Nepi, jedoch kehrte sie kurz darauf mit ihrem Ehemann nach Rom zurück und gebar am 1.11.1499 ihren Sohn Rodrigo, den späteren Herzog von Bisceglie. Da sich der Papst und Cesare Borgia jedoch inzwischen mit den Franzosen gegen Spanien und Neapel verbündet hatten, kam es zu schweren Konflikten mit dem neuen Schwiegersohn und Schwager, der - so die allgemeine Ansicht - auf Befehl des Papstes beseitigt wurde; er wurde am 15.7.1500 auf der Treppe zu St. Peter überfallen und, da er seine Verletzungen überlebte, zunächst gefangengesetzt und am 18.7. von Michelotto, dem Gardehauptmann Cesare Borgias, erdrosselt (bestattet wurde er in der Peterskirche, dort in der Kapelle Maria delle Febbre). Lucrezia zog sich daraufhin am 31.8.- begleitet von 600 Berittenen - auf ihr Schloß in Nepi zurück, kam aber bald darauf wieder nach Rom und versöhnte sich mit ihrem Bruder (Lucrezia blieb von diesen Schicksalsschlägen und dem Geschacher um ihre Person zeit ihre Lebens anscheinend seltsam unberührt). Die nächste von Alexander ins Auge gefaßte Verbindung war eine mit dem Herzog Alfons I. d’Este von Ferrara. Dieser weigerte sich aber zunächst, die rufgeschädigte Lucrezia zur Frau zu nehmen und die Unterschrift unter den Ehekontrakt zu setzen. So war Alexander erleichtert, als am 4. September aus Ferrara die Mitteilung eintraf, der Ehevertrag sei unterzeichnet worden und das mit vielen Zugeständnissen und Geschenken begleitete Eheangebot könne realisiert werden. so fand am 30.12.1501 per procurationem die Hochzeit statt, die einen Wendepunkt im Leben von Lucrezia einläutete. Sie wartete nun ungeduldig darauf, Rom zu verlassen, obwohl sie ihren Sohn Rodrigo zurücklassen mußte. Schließlich verließ sie am 6. Januar 1502 den Vatikan, wo Ferrante und Sigismondo, die Brüder von Ercole I. d’Este (*1431, †1505), sie in ihre Obhut genommen hatten, und machte sich in einem triumphalen Hochzeitszug auf den beschwerlichen Weg nach Ferrara. Da sie und die sie begleitenden Hofdamen keine guten Reiterinnen waren, mußte der Zug immer wieder in diversen Städten, wo sie begeistert empfangen und bewirtet wurde, Station machen. Täglich mußte sie ihrem Vater, der sich ihrethalben Sorgen machte, vom Verlauf der Reise berichten.

La Bella Principessa, auch Angela Borgia zugeschrieben (pinxit Leonardo de Vinci, ~1490)

Am 2. Februar traf sie schließlich mit ihrer Begleitung - unter ihr auch Angela Borgia (*1486, †1521), Nichte Alexanders VI. und Cousine Lucrezias - in Ferrara ein, wo sie - entgegen der Befürchtungen Alexanders - herzlich aufgenommen wurde. Am Tor des Kastell Tedaldo scheute ihr Pferd, als eine Kanone abgefeuert wurde, und sie stürzte vom Pferd, ohne sich jedoch zu verletzen. Sechs Tage - während des Karnevals - dauerten die Vermählungsfeierlichkeiten an, die Ercole I. d’Este (*1431, †1505), der Vater des Bräutigams, zu Ehren seiner Schwiegertochter ausrichtete. Die Theateraufführungen im Palazzo Podestà mit Stücken von Terenz und Plautus, die Bälle, die Moresca, getanzte Pantomime, v.a. aber die Pracht der zur Feier zusammengekommenen Personen machten in ganz Europa von sich reden. Nach Beendigung der Festivitäten am 8. Februar lebte Lucrezia, die allgemein wegen ihre Grazie, aber auch des kostbaren Schmuckes und der prächtigen Gewänder, die sie trug, bewundert worden war, sich schnell ein und versammelte die berühmtesten Künstler,Isabella d’Este, pinxit Tizian Schriftsteller und Gelehrten der Zeit um sich, die sie bewunderten und mit denen ihr z.T. auch eine Liaison nachgesagt wurde, u.a. Pietro Bembo, Ludovico Ariosto, Aldus Manutius (*1449, †1515) und Tizian, der u.a. Isabella d’Este, die Schwester Alfons´ portraitierte. Ein Zentrum von Kunst, Kultur und Wissenschaft entstand im Herzogtum, in dem sich auch Kopernikus (im Mai 1503) und Erasmus von Rotterdam (1508) blicken ließen. Aber anfangs war Lucrezia nicht gerade beliebt und wurde wegen ihres “skandalösen” Vorlebens mit Argusaugen betrachtet. Aber ihre Elisabetta Gonzaga, pinxit RaffaelKleidung – nach neuester Mode aus Paris oder à la turchese geschneidert und sehr wertvoll bereichert mit Edelsteinen und Perlen – fand auch jetzt das reges Interesse der anderen Hofdamen, auch ihrer beiden Konkurrentinnen, ihrer Schwägerin Isabella d’Este, der Gemahlin Francescos d’Este, von Niccolò da Corregio als “prima donna del mondo” tituliert, und der Elisabetta Gonzaga (*1471, †1526). Ihr Schwiegervater, der Vater der seit 1491 mit Ludovico Sforza, dem Herzog von Mailand, verheirateten Beatrice d’Este, war seiner Lucrezia zwar zugetan, war aber nicht bereit, ihr für den aufwendigen Lebensstil, den sie als Papsttochter in Rom gewohnt war, in vollem Umfang aufzukommen. So sah sich ihr Vater genötigt - und er tat es gerne - von Zeit zu Zeit Geld zukommen zu lassen. Im Sommer zog sie sich oft auf ihren nahe dem Städtchen Voghiera gelegenen Lieblingsfluchtort Belriguardo, einem der delizie, der Lustschlösser, der Herzöge von Ferrara, zurück, das Niccolò III. 1435 hatte errichten lassen. Er gehörte mit seinen 365 Zimmern zu den großen europäischen Palästen. Berühmt waren insbesondere seine prächtigen Gärten und die Wasserspiele. In ihm ließ Goethe später sein Tasso-Drama spielen (als Goethe 1786 Ferrara besuchte und das Schloß besichtigte, hatte es seine Pracht schon verloren; viele der Räume wurden als Lager benutzt). Nach dem Tod ihres Vaters Alexander VI. am Freitag, dem 18. August 1503, der sie völlig überraschend traf, zog sie sich trauend in ihre Gemächer zurück. Bembo schrieb am 22.8. an sie:“.Denn obwohl Sie jetzt Ihren Vater verloren haben, der so groß war, daß Fortuna selbst Ihnen keinen größeren geben könnte, so ist das doch nicht der erste Schlag, den Sie von einem feindlichen und boshaften Geschick empfangen haben. Denn so viel Schweres haben Sie zuvor erlitten, daß Ihre Seele jetzt gegen das Unglück gestählt sein muß...” (Gregorius, Lucrezia). Aber dasborgia_lucrezia_fresco Schicksal beutelte sie weiter: Zunächst wurde zwar nach dem Tode seines Vaters Ercole I. im Juni 1505 ihr Gatte Alfons dessen Nachfolger und sie Herzogin, so daß sie nun endgültig in Ferrara etabliert war, aber der am 19.9.1505 geborene und ersehnte Stammhalter Alessandro war kränklich und starb nach nur 25 Tagen.

Lucrezia auf dem Fresco Disputation der Heiligen Katharina von Alexandria in den Appartamenti Borgia im Vatikan (pinxit Pinturicchio)

Zuvor hatte sie schon mehrere Fehlgeburten, zuletzt im September 1502. Am 4.4.1508 wurde ihr Sohn Ercole geboren, der Renée de France, die Tochter des französischen Königs Ludwig XII. heiraten und seinem Vater als Herzog am 31.10.1534 folgen wird, im August 1509 der spätere Kardinal Ippolito, Erbauer der Villa d’Este in Tivoli , die ddurch ihre Architektur und Wasserspiele berühmt wurde, und im April 1514 erneut ein Sohn, dem sie wiederum den Namen Allesandro gab. In der Zeit zwischen 1514 bis 1516 kam sie jährlich nieder. 1507 traf sie erneut ein harten Schlag: sie erhielt die Nachricht vom Todes ihres Bruders Cesare, der zuletzt im Dienste seines Schwagers, des Königs Johann III. von Navarra (*1469, †1516) gestanden hatte (er war nach der Flucht aus einem Gefängnis in einer unbedeutenden Schlacht in einen Hinterhalt geraten und getötet worden. Als Lucrezia in die Dreißiger kam, zog sie sich, wie ihre Mutter es schon getan hatte, von Zeit zu Zeit in ein Kloster zurück. 1510 gründete sie gar in Ferrara das Kloster San Bernadino. Nach einer 1518Reihe von Unglücksfällen in der Familie d’Este und dem Tod ihrer 76 Jahre alten Mutter am 26.11.1518, die sie seit 16 Jahren nicht mehr gesehen hatte, zog sich Lucrezia, bedingt auch durch den Tod des von ihr sehr geliebten Sohnes Rodrigo (*1499, †1512), immer mehr zurück und widmete sich dem religiösen Leben. Lucrezia starb in der Nacht, wenige Stunden nach der Geburt ihres neunten Kindes, einer Tochter, die den Namen Isabella Maria erhielt und kurz danach ebenfalls verstarb.

Der aus dem Elsaß stammende Johannes Burckard (*~1450, †1506), Protonotar des Heiligen Stuhls, Kleriker der päpstlichen Kapelle und Zeremonienmeister und ab 1503 Bischof von Orte und Civita Castellana, ließ die Nachwelt in seiner Schrift Liber notarum an dem privaten, ausschweifenden Lebenswandel Alexanders VI. teilhaben. Er berichtete minutiös auch über immer wieder gefeierte Orgien, insbesondere über ein von Cesare zu Ehren seiner Schwester veranstaltetes Kurtisanenfest, zu dem fünfzig meretrices honestes eingeladen waren, und an dem auch der Papst teilgenommen haben soll. Heute gelten solche Berichte - immer wieder abgeschrieben - als Versuche, dem Ansehen des Papstes und der Borgias nach deren Tod zu schaden. In diese Kategorie gehört auch die Geschichte um Mauleselinnen und Hengste, die aufeinander losgelassen worden sein sollen, und deren Verhalten Alexander und Lucrezia von einem Fenster aus beobachtet haben sollen.

Lucrezia Borgias Leben hat zahlreiche Künstler über die Jahrhunderte bis zum heutigen Tage fasziniert, u.a. Victor Hugo: Lucrèce Borgia (1833), Vorlage zu Gaetano Donizettis gleichnamer Oper; Conrad Ferdinand Meyer: Angela Borgia (1891); Klabund: Borgia, Roman einer Familie (1928), und immer wieder befaßten sich auch Filme mit ihr und ihrer Zeit.

Die 32-jährige Lucrezia präsentiert ihren Sohn und Erben Ercole (*1508) dem Protektor von Ferrara (fec. 1512)a.

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Ferrara, Convento del Corpus Domini

Otto III.

 Ausschnitt aus dem Evangeliar Ottos III.

Römisch-deutscher König (ab 983) und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches (996-1002); der Sohn Ottos II. und der byzantinische Prinzessin Theophano; im Mai 983 wurde der 3-jährige Otto auf dem Hoftag von Verona zum König gewählt und Weihnachten 983 in Aachen gekrönt. Zunächst nahmen nach dem Todes des Vaters seine Mutter und seine Großmutter Adelheid die Regentschaft für den Minderjährigen. Auf diese versuchte der von Otto II. 976 abgesetzte Herzogs Heinrich II., des Zänkers, von Bayern (*951, †995) als einer der nächsten männlichen Verwandten Ottos Einfluß zu gewinnen, um seinen Anspruch auf die Übernahme der Votto3_salbung_gregor5_bildormundschaft durchzusetzen - allerdings ohne Erfolg: Heinrich unterwarf sich 985 und wurde wieder im Herzogtum Bayern eingesetzt. Theophano (bis 991) und Kaiserin Adelheid führten darauf unangefochten die Regentschaft. In dieser Zeit konnten Teile der 983 an die Slawen verloren gegangenen Gebiete zurückgewonnen werden. Allerdings erwuchs dem Reich im Osten ein Konkurrent mit dem Aufstieg Polens und im Westen mit dem Königtum der Kapetinger in Frankreich, die Hegemonie des Reiches zu erschüttern drohten.

Salbung Ottos III. zum Kaiser durch Gregor V.

Nach dem Erreichen der Mündigkeit brach Otto 996 zu seinem ersten Italienzug auf und setzte in Rom nach dem Todes Papst Johannes XV. seinen Vetter Bruno von Kärnten als Papst Gregor V. ein und ließ sich von ihm zum Kaiser krönen. Kaum hatte er Italien verlassen, revoltierte der römische Stadtadel gegen den Nichtrömer auf dem Stuhl Petri und erhob einen Gegenpapst, so daß Otto im Dezember 997 nach Italien zurückkehrte, den aufständischen Stadtadel nieder warf und nach dem Tod Gregors V., seinen Lehrer Gerbert von Aurillac als Sylvester II. zum Papst wählen ließ. Ottos Ziel war Renovatio imperii Romanorum (Erneuerung des römischen Reiches), in dem Staat und Kirche zusammenwirken sollten; zugleich sollte die Kirche reformiert und gestärkt und die Nachbarländer im Osten enger an das Reich angebunden werden. Seine Pläne scheiterten, als Otto 1001 nach einem Aufstand des römischen Adels aus der Stadt fliehen mußte und seine Herrschaft in Italien damit zusammenbrach.

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Aachen, Dom, Chorhalle

Bild: Daderot (09/2006) GFDL

Hinweis: Beigesetzt sind hier neben Lucrezia ihr Ehemann und die gemeinsamen Kinder. ihre Tochter und Alexander.

Ursprünglich war sie in einem Sarkophag aus vergoldetem Bronze in der Krypta der Chorkapelle des Konvents beigesetzt. Als ein zerstörerisches Feuer in der Weihnachtsnacht des Jahres 1665 in der Kapelle den Sarkophag so stark beschädigt hatte, daß er nicht mehr verwendet werden konnte, bestattete man Lucrezias Überreste im Boden der Kapelle und deckte sie mit der obigen Grabplatte ab..

Marija Pawlowna eigentl. Maria von Romanow-Holstein-Gottorp

                                        

Herzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach; Tochter Zar Pauls I. und Zarin Maria Fedorownas (née Prinzessin Sophia Dorothea Augusta Luisa von Württemberg); jüngere Schwester des späteren Zaren Alexander I. und Mutter der späteren deutschen Kaiserin Augusta, der Gattin Wilhelms I. Sie kam 1804 nach Weimar, da sie seit 1801 durch Heiratsverträge an Erbprinz Carl Friedrich von Sachsen-Weimar gebunden war. Die Heirat jedoch fand am 3.8.1804 in Sankt Petersburg statt, da Rußland sich bereits im Krieg mit Napoléon befand. Zu ihrem Empfang am 9.11.1804 in Weimar verfaßte Friedrich von Schiller das Festspiel Die Huldigung der Künste. Nach dem Tode Goethes versuchte sie, den Weimarer Musenhof wieder zu beleben, den alten Glanz zu wahren, indem sie die Künste förderte und Künstler nach Weimar einlud. So ernannte sie Franz Liszt zum Hofkapellmeister. Ihrer und des Großherzogs großzügiger und liberaler Einstellung verdankten einige der unter Metternich in anderen Staaten verfolgten Künstler Asyl.

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Hinweis: Die Grabmäler schufen u..a. Johann Gottfried Schadow und Christian Daniel Rauch.

Bliesdorf OT Kunersdorf b. Wriezen, Erbbegräbnisstätte Itzenplitz

Erich von Pommern

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Herzog von Pommern-Stolp (1449-59); als Erik VII. König von Dänemark; als Erik III. König von Norwegen; als Erik XIII. König von Schweden; Sohn Herzog Wartislaws VII. von Pommern und dessen Frau Maria, Tochter des Herzogs Heinrich III. von Mecklenburg; Tochter des Königs Waldemar Atterdag von Dänemark;

Nach dem Tod ihres Sohnes Olaf im Jahre 1387 übernahm Margarete von Dänemark selbst die Regierung in Dänemark und Norwegen und stabilisierte ihre Herrschaft. indem ,sie 1387 ihren Großneffen Erich von Pommern adoptierte. Als die Königinwitwe .Albrecht von Mecklenburg nicht als Nachfolger dulden wollte, wurde Erich im Jahr 1389 König;. 1396 wurde er auch König von Dänemark und Schweden. Obwohl Erich formell König war, war es immer noch Margaret, die die Staatsgeschicke lenkte; erst als Margarete im Jahre 1412 starb, wurde Erich Herrscher über die Länder.und sein offizieller Titel lautete nun: Erich, mit Gottes Gnade in Dänemark, Schweden, Norwegen, der Sorben und Goten, Herzog von Pommern. Erich setzte die von Waldemar IV und Margaret begonnenen Reformen fort. 1439 wurde Erik zunächst vom dänischen, dann auch von den übrigen Reichsräten abgesetzt, nachdem er sich nach Gotland zurückgezogen hatte. In Dänemark folgte ihm sein Neffe Christoph III., Sohn seiner Schwester Katharina (1390–1426), nach. Als 1448 der schwedische Reichsverweser dort als Karl VIII. zum König gewählt wurde und Gotland angriff, ging Erik wieder nach Rügenwalde in Pommern. Nach dem Tod seines Vetters Bogislaw IX. im Jahre 1446 übernahm er dessen Herzogtum Pommern-Stolp.

Am 17.6.1397 erfolgte Gründung der Kalmarer Union, eine Vereinigung der Königreiche Dänemark, Norwegen und Schweden, die von 1397 bis 1523 bestand. Nachdem sich Schweden bereits in den Jahren 1434 bis 1436 und 1448 bis 1471 vorübergehend aus der Union gelöst hatte, brach die Personalunion nach einem erneuten schwedischen Aufstand 1523 endgültig auseinander. Schweden wurde unter Gustav I. Wasa unabhängig.

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Darłowo (Polen), Stadtpfarrkirche

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Anne-Catherine de Ligniville Helvétius née de Ligniville d'Autricourt gen. Madame Helvétius

 

Französische Salonnière; Gemahlin des Philosophen Claude Adrien Helvétius;

 unterhielt fast 50 Jahre lang einen renommierten Salon, in dem ‚philosophes’ verkehrten: Schriftsteller, Künstler, Gelehrte, Politiker und andere aufgeklärte Intellektuelle.

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pinxit Louis-Michel van Loo.

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Paris, Cimetière d’Anteuil

Bilder: Annie Grillet (08/2016)

Widukind

 

 

Herzog von Sachsen;; einem westfälischen Adelsgeschlecht entstammend; führte als dux Saxonum in den Jahren 777 bis 785 den Widerstand gegen Karl den Großen in den Sachsenkriegen. in dem sich 778 die meisten Sachsen fränkischer Herrschaft unterwarfen. 778 nahm Widukind, der 777 zu den Dänen geflohen war, als Führer der Aufständischen den Kampf gegen Karl jedoch erneut auf, mußte aber 785 den militärisch überlegenen Franken weichen, so daß der heutige Nordwesten Deutschlands dem Karolingerreich einverleibt wurde. Zu Weihnachten ließ er sich gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Abbio in der Pfalz Attigny an der Aisne (Dép. Ardennes). Danach trat er nicht mehr hervor und file angeblich 807. gefallen. Widukind war ein Vorfahr von Mathilde, der zweiten Gemahlin König Heinrichs I..

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Bild: Chris06 (01/2009), Wikipedia.de

Enger (Kreis Herford), Stiftskirche

Michail Semjonowitsch Woronzow [russ. Михаи́л Семёнович Воронцо́в]

            

Russischer Fürst, Offizier und Politiker; verbrachte seine Kindheit und Jugend in Venedig und England, wo sein Vater jeweils Rußlandals Botschafter diplomatisch vertrat. Erst 1801 kehrte er nach Rußland zurück, trat in die russische Armee 1856ein und diente nach einem Jahr als Leutnant im Dienst bei der Leibgarde des Preobraschenskij-Regiments bei den russischen Armee im Kaukasus, focht in Pommern gegen die Schweden, an der Donau und bei Ruschtschuk gegen die Türken. 1805 wurde er Major, 1807 Oberst, 1810 Generalmajor. 1812 verteidigte er in der Schlacht von Borodino mit seiner Division die Schewardinskij-Schanzen gegen drei französiche Regimenten unter Marschall Louis Nicolas Davoût nur 300 von insgesamt 4.000 Soldaten seiner Division überlebten die Schlacht - wobei Woronzow selber auch verwundet wurde. Nach seiner Wiederherstellung kehrte er in die Armee zurück und zeichnete sich in der Völkerschlacht bei Leipzig und in der Schlacht bei Craonne gegen Napoléon aus. Bevor er 1820 nach Moskau zurück, wo er sich der liberalen Bewegung Rußlands anschloß, gehörte er zwischen 1815 und 1818. in Frankreich der russischen Besatzungsarmee an. Woronzow hatte bereits als Offizier eine Denkschrift zur menschenwürdigen Behandlung der unteren Ränge im Militär verfaßt. Nun schlug er Zar Alexander I. eine Gesellschaft zur Befreiung der Leibeigenen vor, den Zar lehnte ablehnte. Stattdessen wurde er am 7.5.1823 zum Generalgouverneur vonНоворoссия (Neu-Rußland) der seit 1764 unter russischer Einfluß stehenden Gebiete des Osmanischen Reiches, und zum Namestnik (Generalgouverneur) von Bessarabien ernannt und nahm Odessa als Verwaltungssitz (privat wohnte er bei Alupka auf der Krim, wo er sich eine großartige Residenz errichten ließ). In dieser Zeit erwarb er sich große Verdienste um die Entwicklung der Hafenstadt am Schwarzen Meer; so gründete er ein Theater, eine öffentliche Bibliothek, ein Lyzeum sowie ein Institut für orientalische Sprachen und modernisierte mit seinen liberalen Ideen Südrußland und den Südkaukasus.

 Während des Russisch-Türkischen Krieges (1828-29) übernahm er zu Beginn für den verwundeten Alexander Sergejewitsch Menschikow als Kommandeur der Kräfte, die Varna belagerten und am 28.9. 1828 eroberten. 1844 wurde Woronzow - nunmehr Fürst - zum Vizekönig des Kaukasus ernannt. 1855 trat Woronzow in den Ruhestand und wurde im Folgejahr von Zar Alexander II.. zum Feldmarschall ernannt.

Verheiratet war Michail Woronzow1 seit 1819 mit Jelisawjeta Ksawerjewna, née Gräfin Branizkaja (*1792, †1880), einer Verwandten von Grigori Alexandrowitsch Fürst Potjomkin.

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1 Alexander Puschkin, der 1823 nach Odessa kam und sich wegen einer entspr. Zuzugserlaubnis an Micjhail Woronzow wandte, soll in dieser Zeit eine affaire mit Woronzows Gemahlin gehabt haben.

Woronzows Palast in Alupka auf der Krim (Teilansicht), Postkarte aus dem 19. Jhdt..

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Odessa (Ukraine), Verklärungskathedrale (Krypta)

Bild: Wadco2 (09/2015) Wikipedia.org
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Hinweis: Nachdem die Sowjets im Jahre 1936 die Kathedrale zerstört hatten, wurden die sterblichen Überreste Woronzows heimlich auf einem lokalen Friedhof beigesetzt. 2005 wurden sie nach der Wiederherstellung der Kathedrale feierlich in deren prachtvollen Krypta beigesetzt.

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Epitaph (Grabplatte)

Hinweis: Das Grabmal Ottos III., das in der Chormitte stand, wurde abgebrochen, nachdem im Jahr 1803 zuvor der gotische Petrusaltar durch den barocken Marienaltar ersetzt worden war. Der Sarkophag wurde geöffnet und die Gebeine unter den Anwesenden verteilt.[

Bilder: Klaus Meinert (08/2018)
Adel / Regenten LXV

Omnibus salutem!