Joseph Raymond McCarthy

1954 

US-amerikanischer Politiker; arbeitete, bevor er als Richter an das Bezirksgericht berufen wurde, bis 1939 als Rechtsanwalt in Wisconsin, Während des Zweites Weltkrieges diente er in der US-Marine. 1946 wurde er als Mitglied der Republikanische Partei für Wisconsin in den US-Senat gewählt und 1952 im Amt bestätigt. 1950 wurde er Mitglied eines ständigen Senatsausschusses zur Untersuchung unamerikanischer Umtriebe und ab 1953 deren Vorsitzender. Als solcher war die treibende Kraft einer antikommunistischen Verfolgungswelle (McCarthyismus), die sich besonders gegen Regierungsangestellte, Künstler und Intellektuelle richtete und ein Klima des Mißtrauen und gegenseitiger Bespitzelungen hervorrief. Seine öffentlich geäußerte Behauptung, daß das Außenministerium von Kommunisten unterwandert sei, löste eine Welle heftiger Spekulationen aus, die zur teilweise hysterischen Verfolgung vor allem vermeintlicher Kommunisten führte, aber auch antisemitische und nationalistische Züge annahm. U.a. mußten der Physiker und Leiter des Manhattan-Projekts Robert J. Oppenheimer und andere Intellektuelle, darunter auch der 1941 in die USA emigrierte Dichter Bert Brecht, vor dem Ausschuß aussagen. Schließlich selbst angeschuldigt, durch Mitglieder des Untersuchungsausschusses Angehörige der Armee unter Druck gesetzt zu haben, mußte McCarthy - obwohl sich der Vorwurf nicht verifizieren ließ - den Vorsitz des Untersuchungsausschusses abgeben, verlor zwar seinen Einfluß, blieb aber bis zu seinem Tod Senatsmitglied. Wegen akuten Alkoholismus wurde er in stationäre klinische Behandlung gegeben,wo er, wie das Politmagazin Time unter Berufung auf behandelnde Ärzte meldete, an Leberzirrhose verstarb.

Zurück zur Personenliste           

Appleton (Wisconsin), Saint Mary’s Cemetery

Bilder: Wally Gobetz (05/2007) flickr.com

Petrus (Peter) Stuyvesant

Niederländischer Kolonialpolitiker; der Sohn eines Geistlichen trat um 1625 in die holländische Armee in Westindien ein und war von etwa 1634 bis 1644 Gouverneur von Curaçao, einer Kolonie der Niederländischen Westindien-Kompanie. Als er im April 1644 die im portugiesischen Besitz stehende Insel Saint Martin angriff, wurde sein rechtes Bein durch eine Kanonenkugel verletzt, so daß er nach Holland zurückkehren mußte, wo ihm das Bein amputiert werden mußte. Forthin verwendete er ein mit Silbereinlagen verziertes Holzbein. 1647 wurde er zum Generaldirektor der Kolonie Neu-Niederland ernannt, die ebenfalls der Niederländischen Westindien-Kompanie gehörte. 1655 vertrieb Stuyvesant die schwedischen Siedler aus dem Gebiet des Delaware River und gliederte ihre Kolonie Neu-Schweden der niederländischen Kolonie an. Nachdem Karl II. seinem Bruder Jakob, dem Herzog von York, 1664 eine große Landfläche in den amerikanischen Kolonien einschließlich Neu-Niederland übertrug, landete eine englische Flotte in der heutigen New York Bay und erhob Anspruch auf Neu-Niederland. Die niederländischen Siedler opponierten nicht gegen die englische Übernahme, weil sie deren Herrschaft derjenigen Stuyvesants vorzogen, der wenig beliebt war, da er u.a. hohe Steuern erhob und religiös Andersdenkende verfolgte; daraufhin war Stuyvesant gezwungen, zu kapitulieren. Er zog sich nach Neu-Amsterdam - es hieß mittlerweile New York - zurück und betrieb eine große bouwerij (holl. für Farm), im heutigen der New Yorker Stadtteil Bowery.

Inschrift: In the vault lies buried Petrus Stuyvesant late Captain General and Governor in Chief of Amsterdam in New Netherland now called New York and the Dutch West Indian Islands. died Feb X AD 1672 aged 80 years.

Zurück zur Personenliste

New York (Manhattan), Saint Mark's Church-In-The-Bowery

New York (Manhattan) Saint Mark's Church-In-The-Bowery

Rafael Leónidas Trujillo y Molina

1934 mit Frau

Dominikanischer Politiker; der in kleinbürgerlichen Verhältnissen als Sohn eines Angehörigen der spanischen Armee aufgewachsene Trujillo trat 1918 in die dominikanische Armee ein, wurde 1924 Oberst und 1927 General und Oberbefehlshaber. 1930 kam er durch einen Militärputsch gegen Horacia Vasquez an die Macht. Während seiner Präsidentschaft (von 1930 bis 1938 sowie von 1942 bis 1952) errichtete er ein diktatorisches Regierungssystem und beherrschte zusammen mit den Mitglieder des Familienclans die Schlüsselpositionen in Politik und Wirtschaft des Landes. Während er dem Land einerseits wirtschaftlichen Fortschritt brachte, unterdrückte er andererseits rücksichtslos jegliche Art von Opposition. Auch als Außenminister während von 1953 bis 1961 dauernden Präsidentschaft seines Bruders Héctor Bienvenido war er die eigentliche Machthaber im Lande. Er pflegte enge Beziehungen zur US-amerikanischen Administration und zu Wirtschaftsführern, sah sich aber der Ablehnung seitens der meisten lateinamerikanischen Staaten gegenüber, die sich von seinem diktatorischen Regime distanzierten. 1937 entsandte er gegen eine mögliche Unterwanderung von Seiten Haïtis dominikanische Truppen über die Grenze und ließ 10.000 bis 15.000 Haitianer umbringen. 1960 verurteilte die Organisation Amerikanischer Staaten offiziell Trujillos Regime und verhängte Wirtschaftssanktionen. Trujillo verlor die Unterstützung der Armee und kam durch ein Attentat ums Leben. Seine Familie mußte daraufhin das Land verlassen. Auch sein Leichnam, der zunächst im Lande bestattet worden war, mußte außer Land gebracht werden; er wurde nach Frankreich überführt.

Zurück zur Personenliste

Paris, Cimetière du Père Lachaise

Bilder: Mariné Pérez (09/07)
Bild: Heidi Brdanovic (10/2007)

Jean Jaurès

                     

Französischer Politiker (Sozialist) und Philosoph; lehrte von 1883 bis 1885 als Professor Philosophie an der Universität von Toulouse. Von 1885 bis 1889 war er Abgeordneter der radikalen Linken der französischen Deputiertenkammer. Als solcher gewann er durch seine glänzenden Reden großes Ansehen. Jaurès engagierte sich auch in der Dreyfusaffäre, indem er eine Revision des einseitig geführten Prozesses forderte. Nach der Wahlniederlage seiner Partei im Jahre 1889 ging er erneut als Professor an die Universität Toulouse zurück. 1893 gab er die Lehrtätigkeit allerdings endgültig auf, um sich der Politik zu widmen; von 1893 bis 1898 und erneut von 1902 bis 1914 war er für die Sozialisten in der Deputiertenkammer. 1904 war er Mitbegründer der Zeitung L’Humanité und war im folgenden Jahr am Zusammenschluß der französischen sozialistischen Parteien zur Section Française de l’Internationale Ouvrière (SFIO) beteiligt, deren Vorsitz er übernahm. Jaurès suchte eine stärkere Zusammenarbeit zwischen seiner Partei und den Gewerkschaften (besonders der CGT, der Confédération Générale du Travail). Sein Aufruf zu einem europaweiten Vorgehen der Sozialisten scheiterte auf dem Stuttgarter Kongreß der Internationalen 1907 ebenso wie in Kopenhagen 1910 am Veto der deutschen Sozialdemokraten. Als Pazifist trat er für eine Verständigung mit dem 1871 gegründeten Deutschen Reich ein. Diese Verständigungsbereitschaft und sein Internationalismus machten ihn bei der bürgerlichen Rechten Frankreichs äußerst unbeliebt; er fiel in einem Pariser Café dem Mordanschlag des französischen Nationalisten Raoul Villain (*1885, †1936) zum Opfer.

Lithographie von der Ermordung Jaurès’ (1915).

 

 

 

Werke u.a.: Sozialistische Studien (1901).

Zurück zur Personenliste

Paris, Panthéon

Bild: Henry (08/2007)

Georges Jean Raymond Pompidou

pompidou_bdBundesarchivcc_somerightsreserved

Französischer Politiker (Gaullist); zweiter Präsident der V. französischen Republik (1969-1974); der Sohn eines Lehrerehepaars besuchte die École Normale Supérieure und die École Libre des Sciences Politiques in Paris. Anschließend war er zunächst bis 1939 in Marsaille und Paris als Gymnasiallehrer tätig, trat dann bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in die Armee ein und schloß sich nach der Kapitulation Frankreichs 1940 der Résistance an. Seit 1944 war Pompidou enger Mitarbeiter im Stab General Charles de Gaulles. Nach dessen Rücktritt als Premierminister 1946 hatte Pompidou bis 1954 verschiedene Posten im Staatsrat inne und war von 1956 bis 1962 Generaldirektor im Bankhaus Rothschild. 1958 berief ihn de Gaulle als Kabinettsdirektor, von 1959 bis 1962 war er Mitglied des Verfassungsrates, und 1962 ernannte ihn Staatspräsident de Gaulle zum Premierminister. 1968 wurde er aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit dem Präsidenten als Premierminister abgelöst. Nach de Gaulles Rücktritt im Jahre 1969 wurde er zu dessen Nachfolger als Staatspräsident gewählt. Er setzte die Politik seines Vorgängers im wesentlichen fort, schuf aber Anreize zur Modernisierung der Wirtschaft. Außenpolitisch setzte er sich für eine Einigung Europas in Form der EG ein und bemühte sich um die Verbesserung der Beziehungen zur Sowjetunion.

Zurück zur Personenliste

Orvilliers

Bilder: Alexander Krischnig (10/2007)

Georgios Papadopoulos [griech. Γεώργιος Παπαδόπουλος]

 

Griechischer Offizier und Politiker; Sohn eines Lehrers; besuchte nach dem Gymnasium von 1937 bis 1940 die Kadettenschule. Eine Ausbildung zum Bauingenieur beendete er ohne Abschluß. Nach der Invasion Italiens in Griechenland und dem Eintritt Griechenlands in den Zweiten Weltkrieg nahm er als Artillerieleutnant an den kriegerischen Auseinandersetzungen teil, war nach der Besetzung Griechenlands durch die deutsche Wehrmacht für eine antikommunistische Organisation tätig. und beteiligte sich nach der Befreiung Griechenlands an der Gründung der rechtsgerichteten paramilitärischen IDEA. Am Militärputsch vom 21.4.1967 war er führend beteiligt, schlug während seiner Zeit als Ministerpräsident von 1967 bis 1973 einen diktatorischen Kurs ein, schaffte 1973 die Monarchie ab, rief am 1.6. des Jahres die Republik aus und wurde selbst Staatspräsident. Dieses Amt bekleidete er bis zu seinem Sturz im November 1973. 1974 wurde er verhaftet und inhaftiert; 1975 zunächst zum Tode verurteilt, wurde er später zu lebenslanger Haftstrafe begnadigt.

Zurück zur Personenliste           

Athen, Erster Friedhof

Nadeschda Konstantinowna Krupskaja [russ. Надежда Константиновна Крупская]

1898      

 

Russische Politikerin, Revolutionärin und Pädagogin; Ehefrau und Kampfgefährtin Lenins; Tochter adliger, aber verarmter Eltern, die auf Kosten des Staates erzogen wurden und daher eine höhere Ausbildung erhielten. Der Vater, ein Berufsoffizier, war wegen subversiver Umtriebe verurteilt und unehrenhaft aus der Armee entlassen worden. Nadeschda war vierzehn Jahre alt, als ihr Vater starb; dennoch gelang es ihrer Mutter, ihr eine gute Ausbildung zu vermitteln; sie verließ das Gymnasium als eine der Besten. Zwischen 1891 und 1995 gab sie Kindern, aber auch Erwachsenen, Unterricht. 1894 traf sie den jungen Wladimir Uljanow, der sich später Lenin nannte, und in einer Kanzlei in Sankt Petersburg arbeitete. Gemeinsam besuchten sie Kreise, in denen politische Themen diskutiert wurden. Hier kam sie erstmals mit den Gedanken von Karl Marx in Berührung. Nach einer Verurteilung wegen “verbotener Agitation” wurde sie zu einer 2-jährigen Gefängnisstrafe verurteilt, von der sie sechs Monate verbüßte, um daran anschließend mit einer 3-jährigen Verbannung nach Ufa belegt zu werden. Es gelang ihr jedoch, mit behördlicher Genehmigung zu ihrem “Verlobten” Uljanow nach Schuschenskoje zu gehen, der dorthin kurz zuvor verbannt worden war. Als Voraussetzung für die Stattgabe ihres Antragens forderten die Behörden allerdings eine umgehend Eheschließung des Paares. Von ihrer Mutter begleitet, die fortan immer dabei sein sollte, reiste sie nach Sibirien; dort fand 1998 die Trauung nach orthodoxem Ritus statt. Während der Verbannung verfaßte Krupskaja die Schrift Женщина - работница (dt. Die arbeitenden Frau), und gemeinsam mit ihrem Mann Entwicklung des Kapitals in Rußland. Als Lenin entlassen wurde, ging er nach München, Krupskaja folgte ihm dorthin 1901. 1903 wurde sie Funktionärin des bolschewistischen Flügels der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands, 1905 Sekretärin des Zentralkommitees. Sie kehrte im selben Jahn nach Rußland zurück, verließ das Land aber nach dem Scheitern der Revolution von 1905 und arbeitete einige Jahre als Lehrerin in Frankreich. Am 14.4.1917 traf die Gruppe auf dem Finnischen Bahnhof in Petrograd ein, das wenige Tage später in Leningrad (heute Sankt Petersburg) umgenannt wurde. Nach der Oktoberrevolution wurde sie Stellvertreterin Anatolij Lunatscharski, des Volkskommissars für Erziehung. 1920 wurde sie Vorsitzende des Bildungs-Ausschusses 1920 und war von 1929 bis 1939 stellvertretender Volkskommissar. Sie war maßgeblich an der Gründung des Komsomol und der Pionier-Bewegung sowie der sowjetischen Bildungssystems beteiligt, aber auch der Zensur und politische Indoktrinierung auf diesem Gebiet. Sie nahm bis zu ihrem Tode eine Reihe weiterer wichtiger Positionen ein. So wurde sie 1924 Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, Mitglied der Kontrollkommission im Jahr 1927 sowie 1931 Mitglied des Obersten Sowjets. Zunächst hatte sie nach Lenins Tod während des Kongresses der Partei im Jahre 1925 zunächst für Lenins Kampfgefährten Sinowjew und Kamenew gestimmt, schließlich aber schließlich stimmte sie einem Prozeß gegen Nikolaij Bucharin zu sowie dem Ausschluß Trotzkis, Sinowjews und Kamenews aus der Partei zu. Während der Zeit des stalinistischen Terrors in den Jahren 1935 und 1938, bei dem die alte Garde der Bolschewiki ausgeschaltet und ermordet wurde, war Nadeschda Krupskja von Stalin weitgehend kaltgestellt worden; ihm war klar, daß auch sie mit seiner Nachfolge nicht einverstanden war, ganz so, wie es Lenin nicht war:“Genosse Stalin hat dadurch, daß er Generalsekretär geworden ist, eine unermeßliche Macht in seinen Händen konzentriert, und ich bin nicht überzeugt, daß er es immer verstehen wird, von dieser Macht vorsichtig genug Gebrauch zu machen....Stalin ist zu grob, und dieser Fehler, der in unserer Mitte und im Verkehr zwischen uns Kommunisten erträglich ist, kann in der Funktion des Generalsekretärs nicht geduldet werden”). [aus Lenins Testament].

Zurück zur Personenliste                   

Moskau, Kremlmauer

animated-messages-small[1]

José de la Cruz Porfirio Díaz Mori

       

 

Mexikanischer Politiker und General; Sohn eines kreolischen Vaters, der schon früh starb, und einer zapotekisch-indianischen Mutter; ursprünglich auf den Beruf eines Priesters vorbereitet, begann er Jura zu studieren, brach das Studium jedoch ab, als er sich entschloß Soldat zu werden, als 1846 der Mexikanischen Krieg (1846-1848) zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko ausbrach. Im Jahr 1855 schloß er sich Díaz einer Gruppe liberaler Guerillas an, die gegen den wiedererstarkenden Antonio López de Santa Anna kämpfte, der aus dem Exil zurückgekehrt war und sich mit diktatorischer Macht erneut zum Präsidenten aufschwang. 1858 bis 1860 nahm er am Bürgerkrieg zwischen Liberalen und Konservativen teil, dem sog. Guerra de Reforma, in dem er seit 1861 als General auf der Seite der Liberalen unter Benito Juárez stand; außerdem zeichnete er sich im patriotischen Krieg (1863-1867) gegen Maximilian, den Erzherzog von Österreich und Kaiser von Mexiko, aus. Nach zwei erfolglosen Versuchen (1867 und 1871,) das Amt des Präsidenten zu erlangen, stürzte er 1876 mit militärischer Hilfe die Regierung des Präsidenten Sebastián Lerdo de Tejada und wurde im folgenden Jahr Präsident (bis 1880); erneut von 1884 bis 1891 regierte er diktatorisch als regierender Staatspräsident. Er förderte die wirtschaftliche Entwicklung mit Hilfe ausländischen Kapitals, was allerdings u.a. zu Verwerfungen auf dem Agrarsektor führte.

Sein repressiver Herrschaftsstil war einer der Gründe für die Mexikanische Revolution unter der Führung von Francisco Madero, die Díaz am 25.5.1911 zum Rücktritt und schließlich ins Exil zwang.

Zurück zur Personenliste                   btn_up

Bild: elian (03/2009) Wikipedia.org

Paris, Cimetière du Montparnasse

cc_somerightsreserved

Hinweis: Die sterblichen Überreste Trujillos sind nach Madrid überführt und dort auf dem Friedhof El Pardo-Mingorrubio beigesetzt worden.

Politiker XLVII

Omnibus salutem!