MikolᚠAleš

1912

 

Tschechischer Maler, Zeichner und Illustrator; Sohn eines Stadtschreibers und Stadtrats; Aleš, der bereits im Alter von vier Jahren anfing zu malen, begann eine Malerlehre, nachdem er das Gymnasium wegen Auseinandersetzungen mit einem seiner Lehrer verlassen mußte, konnte jedoch 1867 die Realschule besuchen. Nach der Prüfung ging er 1869 nach Prag. Dort begann er ein Studium an der Kunstakademie bei den Professoren Josef MatyᚠTrenkwald und Jan Swerts, wobei er sich parallel zum Studium Geld durch die Übernahme kleiner Aufträge für Bilder und Illustrationen verdiente. Nachdem er 1876 an der Demonstration gegen den Professor Alfred Woltmann teigenommen hatte, wurde inhaftiert und aus der Akademie ausgeschlossen. 1879 gewann er gemeinsam mit František Ženíšek die Ausschreibung zur Ausschmückung des Nationaltheaters. Nach seiner Heirat im Jahre 1879 unternahm er eine Studienreise nach Italien und arbeitete nach seiner Rückkehr in die Heimat 1880/81 an vierzehn Lünetten für das Nationaltheater sowie Illustrationen für Jakub Arbes' Zeitschrift Šotek. 1889 illustrierte er einen Zyklus von Nationalliedern und malte Aquarelle; sein letzter Zyklus stammt aus dem Jahr 1913.

Aleš gilt als einer der bedeutendsten Künstler der Generation des Prager Nationaltheaters und des 19. Jahrhunderts. Er schuf v.a. Historienbilder sowie zahlreiche grafische Blätter mit Darstellungen aus Sage und Überlieferung.

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Bilder: Hans-Christian Seidel (09/2013)

Prag-Vysehrad, Ehrenfriedhof Slavin

Théophile-Alexandre Steinlen

pinxit Pieter Dupont (Ausschnitt, 1901)

 

Französischer Maler, Zeichner und Illustrator Schweizer Herkunft; Sohn eines Postbediensteten aus Lausanne; ursprünglich war die Familie 1913Steinlen aus Deutschland in die Schweiz zugewandert. Steinlen studierte zunächst Theologie an der Universität Lausanne, bevor er sich nach zwei Jahren, im Jahre 1879, der Kunst zuwandte und eine Ausbildung zum Gestalter im industriellen Bereich in Mülhausen (Mulhouse) absolvierte. 1881 zog er mit seiner Frau Emily nach Paris, wo er seinen Lebensunterhalt zunächst als technischer Zeichner verdiente. 1883 zog er in das Künstlerviertel Montmartre um und kam schnell in Kontakt mit den dort lebenden Künstlern, u.a. mit dem Illustratoren Adolphe Willette (*1857, †1926) . Beide waren häufig Gast in dem von Rodolphe Salis (*1851, †1897) unter dem Namen Le Chat Noir gegründeten cabaret artistique, einer Gaststätte mit Kleinkunstdarbietung. Für das Etablissement schuf Steinlen Plakate, darunter das Plakat, das ihn berühmt machte: Le Chat Noir im Stil der französischen Kunstrichtung Art Nouveau . Außerdem illustrierte er das Chat Noir journal, eine wöchentlich erscheinende Zeitschrift, die von Salis später ins Leben gerufen worden war und in das auch Chansons von Aristide Bruant einflossen.. Ferner wirkte er an verschiedenen anderen humoristischen Zeitungen mit u.a. an Gil Bas illustré, L'Assiette au Beurre und Le Rire, gründete im Jahr 1911 mit Forain und Léandre das Blatt Les Humoristes und betätigte sich als Buchillustrator.

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Bilder: Hans-Christian Seidel (09/2013)

Paris, Cimetière Saint Vincent

Ivo Hauptmann

 

 

Deutscher Maler; ältester Sohn Gerhart Hauptmanns; 1903 reiste er nach Paris und wurde dort Schüler an der Académie Julian und zurück in Berlin Schüler von Lovis Corinth. Anschließend studierte er bis 1909 an der Kunstakademie Weimar bei Hans Olde, wo er Edvard Munch und Henry van de Velde kennenlernte. Und er war Meisterschüler bei Ludwig von Hofmann an der Kunstakademie in Dresden. 1909 reiste er ein weiteres Mal nach Paris, studierte dort an der Académie Ranson und machte dort Bekanntschaft mit Rainer Maria Rilke, der sich dort niedergelassen hatte, sowie mit Auguste Rodin und Paul Signac. 1912 leistete er den obligatorischen Militärdienst in Deutschland ab. Bevor er im zweiten Jahr des Weltkrieges eingezogen wurde und bis 1918 als Soldat an der Front war, gründete er gemeinsam mit anderen 1914 die Künstlergruppe Freie Secession in Berlin. 1919 war er Mitbegründer Hamburgische Sezession. Als die Nationalsozialisten 1933 den Ausschluß der jüdischen Mitglieder der Sezession forderten, riet er erfolgreich, den Verein selber aufzulösen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte er 1950 zu den Gründungsmitgliedern der Freien Akademie der Künste Hamburg. Von 1955 bis 1965 war er Dozent an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg.

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Bilder: Heiko Bockstiegel (1995)

Hamburg, Ohlsdorfer Friedhof

Ludwig von Hofmann

vor 1911

 

Deutscher Maler und Graphiker; Sohn des preußischen Staatsmanns Karl Hofmann, des Ministerpräsident des Großherzogtums Hessen (1872-76); studierte von 1883 bis 1886 zunächst an der Dresdner Kunstakademie, anschließend in Karlsruhe und ließ sich nach einem Studienaufenthalt im Jahr 1889 an der Académie Julian in Paris 1890 in Berlin nieder und war als freischaffender Künstler tätig. Er gehörte der Gruppe der Elf, der u.a. Max Klinger und Max Liebermann angehörten, an. Zwischen 1894 und 1901 hielt er sich vorwiegend in Rom und in Fiesole auf und beschäftigte sich v.a. mit der Kunst der Antike und derjenigen Werbeplakat für Pander Renaissance, aber auch mit den deutschen Künstler, die in Rom wirkten. Ab 1895 steuerte er zahlreiche Illustrationen zur in Berlin erscheinenden Kunst- und Literaturzeitschrift Pan bis zu deren Einstellung im Jahre 1900 bei, ab 1898 war er Mitglied der Berliner Secession.. 1903 übernahm er 1903 auf Initiative von Harry Graf Kessler eine Dozentenstelle an der Großherzoglichen Kunstschule in Weimar an und wurde zu einem wichtigen Mitglied und Vorreiter im geistig-ideelIen Reformprojekt Neues Weimar. Zu seinen Schülern in Weimar zählten u.a. Hans Arp und Ivo Hauptmann, mit dessen Vater Gerhart Hauptmann ihn eine Freundschaft verband. In dieser Zeit entstanden seine monumentalen Wandbilder, deren Erfolg 1916 ausschlaggebend für seine Berufung als Professor an die Kunstakademie in Dresden für das Fach Monumentalmalerei war, eine Professur, die er bis 1931 innehielt. 1919 beendete er die Ausgestaltung des Lesesaals der Deutschen Bücherei in Leipzig mit eine Wandbild. Gemeinsam mit Marcus Behmer schuf er außerdem Illustrationen für Werke der Dichtkunst, so u.a. für Johann Heinrich Voß’ Übersetzung von Homers Odyssee sowie für das Hirtenlied von Gerhart Hauptmann. In seinen in einem Zeitraum von über 60 Jahren Schaffenszeit entstandenen Werke verbindet Ludwig von Hofmann Elemente des Symbolismus mit dem Jugendstil und fand den Übergang vom Historismus hin zur Neuen Sachlichkeit und gehörte damit zu den bedeutendsten Akteuren des Kunstlebens und zur künstlerischen Avantgarde in Deutschland.1937 wurden einige Werke in Erfurt als ”Entartete Kunst“ verfemt, andere aber wurden auch weiterhin in Nazi-Deutschland öffentlich ausgestellt.

Verheiratet war er ab 1899 mit Eleonore Kekulé von Stradonitz (*1878, †1968).

Träumerei (1898, Alte Nationalgalerie, Berlin)

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Dresden-Hosterwitz, Kirchhof Maria am Wasser

Baladine Klossowska née Elisabeth Dorothea Spiro

 

 

Französische Malerin polnischer Herkunft; Tochter des Kantors der Breslauer Synagoge zum Weißen Storch, Abraham Baer Spiro und einer Russin; Mutter des Malers Balthus und des Schriftstellers Pierre Klossowski; änderte ihren Vornamen nach ihrer Hochzeit mit dem Maler und Kunsthistorikers Erich Klossowski (*1875, †1949) in Blandine nach dem Drama Balladyna des polnischen Schriftstellers Juliusz Słowack. Sie führten in Paris ein offenes Haus, in dem zahlreich Künstler verkehrten.

Mit Mit Rilke 1923 vor dem Château de Muzot in der Französischen Schweiz

Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurden die Klossowskis allerdings als feindliche Deutsche eingestuft und des Landes verwiesen, wobei ihr Vermögen eingezogen wurde. Die Familie ging in die Schweiz und von dort aus nach Berlin, wo Erich Klossowski am Lessinghaus eine Anstellung als Bühnenbildner erhielt. 1917 trennte sie sich von ihrem Mann und ging mit ihren beiden Kindern wieder in die Schweiz, wo sie sich mit Rainer Maria Rilke anfreundete, der ihre beiden Söhne förderte. Die intensive Beziehung zwischen ihr und Rilke dauerte bis zu seinem Tode im Jahre 1926. 1922 ging sie erneut nach Berlin, kehrte aber schon 1924 nach Paris zurück, wo ihr Sohn Pierre 1905 geboren worden war, und wo sie in großer Armut - nur hin und wieder von Freunde unterstützt - lebte.

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Bilder: Herbert Herterich (10/2013)

Bagneux, Cimetière parisien de Bagneux

Carl Constantin Heinrich Steffeck

 

Deutscher Maler; Sohn eines künstlerisch interessierten Privatiers, besuchte schon zu Gymnasialzeiten die Berliner Kunstakademie. 1837 kam er in die Meisterklasse des Pferdemalers Franz Krüger, später in das Atelier von Carl Joseph Begas. 1839 ging er nach Paris, wo er zwei Monate lang Schüler Paul Delaroches war, besonders aber die Arbeiten Horace Vernets studierte. Von 1840 bis 1842 hielt er sich in Italien auf. Nach seiner Rückkehr malte er meist Jagd- und Tierbilder, v.a Pferde und Hunde, für die er insbesondere bekannt wurde. Er schuf aber auch historische Gemälde, zahlreiche Aquarelle, Lithografien und Radierungen sowie einige Tierskulpturen aus Bronze. Sein großes historisches Gemälde Albrecht Achilles im Kampf mit den Nürnbergern um eine Standarte aus dem Jahre 1864 erwarb der preußische Staat 1986 für die Nationalgalerie Berlin. Seit Anfang der 1850er Jahre widmete sich Steffeck vermehrt der Lehre; 1859 wurde er Professor an der Berliner Akademie. In dieser Zeit waren u.a. Hans von Marées und Max Liebermann seine Schüler. 1880 wurde Steffeck als Direktor der Kunstakademie Königsberg berufen. Dort auf dem Bahnhof der Hauptstadt der preußischen Provinz Ostpreußen starb er unerwartet an einem Schlaganfall.

Inschrift: Glaube, Liebe Hoffnung, die Drei, aber die Liebe aber ist die größze unter ihnen.

Schimmel, Hund und Bursche

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Bilder: Klaus-D. Meinert (08/2007)

Berlin, Französischer Friedhof I

Thomas Couture

 Selbstbildnis                              

 

Französischer Maler; als er 11 Jahre alt war zog seine Familie mit ihm nach Paris, wo er später zunächst an der École des Arts et Métiers, dann an der École des Beaux-Arts studierte. Nach mehreren vergeblichen Anläufen erlang es ihm schließlich 1837 den begehrten Prix de Rome zu gewinnen.

Couture, der Schüler von Antoine-Jean Gros und Paul Delaroche gewesen war, gewann Anfang der 1840er Jahre in Frankreich hohes Ansehen - insbesondere durch sein Gemälde Les Romains de la décadence, das mit großer Begeisterung aufgenommen worden war. Allerdings hat er danach nicht mehr viel Bedeutsames geschaffen.

Mitteilung über seinen Coutures Ableben in der Zeitung Le Figaro vom 1. April 1879

Dennoch widmete ihm die französiche Tageszeictung Le Figaro anläßlich seines Todes mehrere anerkennende Spalten in der Ausgabe vom 1. April 1879.

 

Les Romains de la décadence (1847, Die Römer der Verfallszeit)

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Paris, Cimetière du Père Lachaise

Bild: Pierre-Yves Beaudouin (09/2011) Wikipedia.fr
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Hinweis: Die einst rechts und links des Grabsteins postierten Cherubim sind mittlerweile verschwunden.

Marie-Gabrielle Capet

                                1783

 

Französische Malerin; aus einfachen Verhältnissen stammend, Tochter eines Bediensteten; ging 1781, im Alter von 20 Jahren, nach Paris und studierte Malerei bei Adélaïde Labille-Guiard gen. Madame Vincent (*1749, †1803), mit der Marie -Gabrielle Capet dann unter einem Dach wohnte und die sie später, als diese erkrankte, bis zu ihrem Tode pflegte. Bereits im Jahr ihrer Ankunft stellte sie erste Zeichnungen und Pastellgemälde im Salon de la Jeunesse aus.

Pastellportrait der Anne-Félicité Grésille (1785)

Zwei Jahre später folgte dort eine Ausstellung ihres ersten Selbstportraits in Öl. Ab 1791 stellte sie im Salon auch erstmals ihre Miniaturbilder aus, die sie bekannt machten. Ihre Auftraggeber kamen überwiegend aus dem gehobenen Bürgertum, aber auch Mitglieder der königlichen Familie gehörten zu ihrem Kundenkreis. 1814 begann sie, auch Historienbilder zu malen und wandte sich auch mythologischen Themen zu, aber schon 1815 gab sie die Malerei auf.

 

Marie-Gabrielle Capet: Im Atelier von Madame Vincent in der Zeit um 1800 (pinxit 1808)

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Bild: Annie Grillet

Paris, Cimetière du Père Lachaise

Charles Gore

 

Englischer Maler; einer wohlhabenden englischen Kaufmannsfamilie entstammend; er unternahm zahlreiche Reise zunächst in England und ging später auf eine sog. Grand Tour, bereiste die Schweiz, Frankreich und Italien. Seine Eindrücke hielt er auf zahlreichen Zeichnungen fest. Als seine schon seit längerer Zeit kranke Frau Mary, née Cockerill, die er 1751 geheiratet hatte und deren Vermögen ihn in den Stand setzte, nicht mehr arbeiten zu müssen, bei einer Kur in Spa starb, reiste Gore mit seinen Töchtern Emily und Eliza durch Deutschland und kam 1787 erstmals nach Weimar, wo er sich nach vorhergehenden Reise nach Berlin und Dresden 1791 auf Dauer niederließ. Dort gehörte er zum Umkreis von Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach. Herzog Carl August stellte ihm das zuvor von Johann Wolfgang von Goethe bewohnte Jägerhaus zur Verfügung. 1793 reiste er gemeinsam mit Georg Melchior Kraus von Weimar nach Mainz, wo er Beobachter der Belagerung der durch französische Revolutionstruppen besetzten Stadt während der Koalitionskriege auf der Seite der deutschen Fürsten war.

Charles Gore beim Feldzug gegen Frankreich, in einer Scheune beim Frühstück (pinxit G.M. Kraus)

Dort traf er er u.a. mit dem ihm von Weimar her bereits sehr gut bekannten Goethe zusammen, der sich von Ende Mai bis Juli 1793 dort ebenfalls aufhielt und später in seiner Schrift Belagerung von Mainz über die Vorgänge berichtete. Nachdem die französischen Truppen aus Mainz abgezogen waren, fertigte Gore einige Zeichnungen von der zerstörten Stadt an1. Später unternahm er weitere Reisen, so an die Donau und auch nach Norddeutschland.

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Charles Gore mit seiner Tochter Emily (beide sitzend) sowie Earl Cowper, der Hannah Anne heiratete (beide stehend) und Elizsabeth beim Musizieren (pinxit Johann Zoffany, 1775)

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1 “Er zeichnete sehr glücklich in die Camera obscura und hatte Land und See bereisend, sich auf diese Weise die schönsten Erinnerungen gesammelt.... Die Belagerung von Mainz, als ein seltener wichtiger Fall, wo das Unglück selbst malerisch zu werden versprach, lockte die beiden Freunde (Gore u. Kraus) gleichfalls nach dem Rhein, wo sie sich keinen Augenblick müßig verhielten” (Goethe in Belagerung von Mainz).

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Hinweis: Charles Gore wurde zunächst im Kassengewölbe auf dem Jakobskirchhof in Weimar beerdigt, dann aber, als dieses geschlossen wurde, 1820 in die Hofkirche (Jakobskirche) überführt, wo der Sarkophag sich an der Stirnseite im linken Seitenschiff befindet. Ebenfalls in der Kirche wurde seine 1802 verstorbene Tochter Elizabeth beigesetzt.

Weimar, Jakobskirche

Bild: Francisco Gonzalez (07/2006) Wikipedia.fr
Bildende Künste LXXV

Omnibus salutem!