Börne, Ludwig eigentl. Löb Baruch

 Gemälde von M.D. Oppenheim (Ausschnitt)

 

  • geb. 6.5.1786 in Frankfurt am Main
  • gest. 12.2.1837 in Paris

Deutsch-jüdischer Schriftsteller; Sohn einer jüdischen Familie, studierte zunächst Medizin, später Jura und Kameralistik (Vorläufer der Nationalökonomie und VWL); aus seiner Position als Polizeiaktuar in Frankfurt (ab 1811), wurde er nach 2 Jahren entlassen, nachdem die seit der Befreiungskriege geltende liberale französische Gesetzgebung u.a. dadurch revidiert wurde, als es Juden nicht länger gestattet war, ein Offizialamt zu bekleiden. Diese persönliche Erfahrung und der wiederauflebende Antisemitismus prägten fortan Börnes Leben: er entwickelte den Willen zur Integration und wurde insbesondere in seiner journalistischen Arbeit ein ausgesprochener Oppositionsgeist. 1818 konvertierte er zu Protestantismus und nahm den Namen Ludwig Börne an. In den Jahren von 1818 bis 1821 gab er Die Wage. Blätter für Bürgerleben, Wissenschaft und Kultur heraus, 1819 kurzzeitig die Zeitung der freien Stadt Frankfurt, wobei viele seiner Artikel der Zensur anheimfielen, so daß er sich entschloß, nach Frankreich zu übersiedeln (1830). In zahlreichen Artikeln attackierte er den Nationalismus Deutschlands; 1835 wurde alle Schriften Börnes, der 1832 am Hambacher Fest teilgenommen hatte, verboten. Heinrich Heine setzte sich in Teils beleidigender Form mit seinen Schriften und der Person Börnes in seiner Streitschrift Ludwig Börne (1840) auseinander. So konnte Heine dessen  asketisches Gebaren einerseits und das fragwürdige Privatleben andererseits nicht ausstehen.

Werke u.a.: Denkrede auf Jean Paul (1825), Briefe aus Paris (1832-1834), Menzel der Franzosenfresser (1837).

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Joyce, James Augustine Aloysius

 

  • geb. 2.2.1882 in Dublin
  • gest. 13.1.1941 in Zürich

Irischer Schriftsteller; wurde von seinem Vater John Stanislaus Joyce im Alter von 6 Jahren in Dublin in eine Jesuitenschule geschickt; war zunächst (bis 1898) am Royal University College tätig, lebte danach ein Jahr in London (Bekanntschaft mit William Butler Yeats ) und Paris, wo er ein begonnenes Medizinstudium wieder abbrach. Seine antikatholische Einstellung brachten ihm seitens der Konservativen heftige Kritik ein, so daß er, nachdem 1903 seine Mutter gestorben war, und er sich ikn Irland eingeengt fühlte, 1904 zusammen mit seiner Geliebten und späteren Frau Nora Dublin verließ, beide übersiedelten nach Triest, wo Joyce an der Berlitzschule Englisch unterrichtete und Werke seines Freundes Yeats übersetzte, und 1906 nach Rom; obwohl seine Popularität in Italien stieg, lebte die Familie in bescheidenen Verhältnissen. 1907 machten sich Probleme mit der Regenbogenhaut bemerkbar, erstes Anzeichen ernsthafter Augenprobleme, die später zu fast völliger Blindheit führten. 1915 zogen die Joyces mit ihren Kindern Giorgio und Lucia nach Zürich. Hier lernte er die Zürcher Dadaisten um Hans Arp kennen (er setzte ihnen als „arpists” in Finnegans Wake (1939) später ein literarisches Denkmal) und lernte u.a. die Expressionisten René Schickele und Ivan Goll kennen, kam ferner auch mit der Dramatik Frank Wedekinds in Kontakt. Nach 1920 ließ sich die Familie für 20 Jahre in Paris nieder, wo Samuel Beckett für ihn arbeitete. Joyce kehrte jedoch nach 1930 öfters nach Zürich zurück, um sich dort einer Augenoperation zu unterziehen. Erst als die deutschen Truppen 1940 Paris besetzten, floh Joyce über Saint-Gérand-le-Puy und Lausanne nach Zürich, wo er ein Jahr später an den Folgen eines Zwölffingerdarmgeschwürs verstarb.

Internationalen Ruhm erlangte Joyce vor allem mit der Veröffentlichung seines Ulysses im Jahre 1922 in Paris. In den zwölf Teilen des Ulysses ließ Joyce sein gewaltiges enzyklopädisches Wissen einfließen (der Wortschatz des etwa 1.000 Seiten dicken Buches beträgt nahezu 30.000 Wörter). Er beschreibt darin 19 Stunden trivialer Ereignisse des Leopold Blum, eines Annoncenakquisiteurs eine Dubliner Tageszeitung.

Werke u.a.: Chamber Music (1907, Kammermusik).

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Zürich, Friedhof Fluntern

Paris, Cimetière du Père Lachaise

Hildegard von Bingen (in lateinischen Urkunden Prophetissa Teutonica, auch Hiltgart Sybilla)

 

  • geb. 1098 in Bermersheim b. Alzey
  • gest. 17.9.1179 in Bingen

Deutsche Dichterin, Komponistin und Benediktinerin (seit 1136 Äbtissin); eine der bedeutendsten Frauengestalten des Mittelalters und heute weit über die Grenzen ihrer rheinischen Heimat bekannt, letztes von 10 Kindern des Edelfreien Hildebert von Bermersheim und seiner Frau Mechthild, im Alter von acht Jahren in die Obhut ihrer Verwandten Jutta von Sponheim und deren Nonnengemeinschaft beim Benediktinerkloster Disibodenberg (Nahe) gegeben, gründete zwischen 1147 und 1150 das nicht mehr bestehende Kloster Rupertsberg bei Bingen und 1165 das Kloster in Eibingen, predigte als erste Frau öffentlich, u.a. auf dem Marktplatz von Trier. Schon im Kindesalter hatte sie Visionen; aber erst nach einer schriftlichen Bitte um einen Rat seitens Bernhard von Clairvauxs äußerte sie sich hierzu öffentlich, und nach der Trierer Synode (1147/48) bekam sie die kirchliche Bestätigung ihrer Seherkraft. Beraterin Kaiser Friedrichs I. (Barbarossas), als dieser sich in Ingelheim aufhielt. Im hohen Alter unternahm sie noch Reisen zum Kloster Zwiefalten in Oberschwaben und nach Maulbronn.

Werke u.a.: Liber Scivias Domini (Wisse die Wege des Herrn), Die Symphonie der Harmonie der himmlischen Erscheinungen, Lieder, Heilkunde, Naturkunde, Der Mensch in der Verantwortung. Das Buch der Lebensverdienste.

Als Visionärin mit dem Mönch Volmar, mit dessen Hilfe sie ihre Visionen in lateinischer Sprache niederschreibt

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Rüdesheim-Eibingen, Pfarrkirche St. Hildegard

KN 05/2001
KN 05/2001

Capek, Karel

 

  • geb. 9.1.1890 in Malé Svatonovice
  • gest. 25.12.1938 in Prag

Tschechischer Schriftsteller; Sohn eines Arztes; studiert von 1909 bis 1915 in Prag Philosophie. Anschließend war er zunächst als Bibliothekar tätig, dann als Erzieher bei einem Adeligen. Ab 1917 arbeitete er bei diversen Zeitungen als Journalist, parallel zu dieser Tätigkeit arbeitete er  von 1921 bis 1923 als Dramaturg und Regisseur am “Divadlo na Vinohradech” (Theater in den Weinbergen) in Prag. Von 1925 bis 1933 gehörte er dem tschechischen PEN-Club an. in den 1920er Jahren bereiste er Italien, England, Spanien und in den 1930er Jahren Holland und die nordischen Länder. Er war ein enger Freund des ersten tschechischen Präsidenten Tomáš Masaryk und vertrat wie dieser ein pragmatistisch-positivistisches Weltbild und kämpfte mit diesem für den Erhalt der tschechischen Nation nach dem Ersten Weltkrieg. Capek war ein Meister der modernen, philosophisch-hintersinnig ausgerichteten tschechischen Literatur, die vor allem auf seinem dramatisches Werk gründet, und er beeinflußte die Sciencefictionliteratur. Er verfaßte politische Aufsätze, wobei er immer wieder die problematische Stellung des Menschen in einer naturfernen und vollständig auf die Technik setzende Welt. thematisierte.

Werke u.a.: R.U.R. (1921, W.U.R.), Ze Zivota hmyzu (1921, Aus dem Leben der Insekten, gemeinsam mit Josef Èapek), Bílá Nemoc (1937, Die weiße Krankheit), Továra na absolutno (1922; Das Absolute oder Die Gottesfabrik), Krakatit (1924), Hordubal (1933), Povìtroò (1934), Obyèejný Þivot (1934), Válka s mloky (1936, Der Krieg mit den Molchen), První parta (1937).

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Neruda, Jan Nepomuk

 

  • geb. 9.7.1834 in Prag
  • gest. 22.8.1891 in Prag

Tschechischer Schriftsteller; aus einfachen Verhältnissen stammend, studierte er Jura, Geschichte und Philologie, ab 1856 in der Redaktion des deutschen Tageboten aus Böhmen, ab 1861 Feuilletonist und Theaterkritiker der liberaldemokratischen Zeitung Narodni listy. Neruda veröffentlichte in der literarischen Tradition K.H. Machas, B. Nemcovas und K.J. Erbens zahlreiche Gedichte, Feuilletons und Erzählungen, in seiner Jugend sympathisierte er mit der literarischen Gruppe Maj, später fühlte er sich den Gedanken der tschechischen nationalen Wiedergeburt nahestehend, schrieb in den Jahren von 1860 bis 1891 über 2.000 Feuilltons. Im Mittelpunkt seiner Werke steht die Beschreibung von Prager Gestalten. Das Portrait der Bewohner der Prager Kleinseite gehört zu den schönsten Schilderungen des Alltags in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Werke u.a.: Arabesky (dt. Bilder aus dem alten Prag (1883/84), Povídky malostranské (dt. Kleinseitner Geschichten (zunächst 1867-77 in verschiedenen Prager Zeitschriften und 1878 als Buch erschienen).

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KN 05/2001

Reymont, Wladyslaw Stanislaw

 

  • geb. 7.5.1867 in Kobiele Wielke
  • gest. 5.12.1925 in Warschau

Polnischer Schriftsteller; verarbeitete in seinem ersten Roman Komediantka (1896, dt. Die Komödiantin) seine Erfahrungen als Schauspieler. In seinem im naturalistischen Stil Émile Zolas verfaßten Roman Lodz. Das gelobte Land (1899) thematisierte er die Industrialisierung einer polnischen Kleinstadt. Bekannt wurde Reymont, der dem Kreis der Dichter der “Mloda Polska” (Junges Polen) zugerechnet wird, durch seinen 4-bändigen Roman Chlopi (1904-09, dt. Die Bauern), der im Dialekt abgefaßt ist. Für dieses Werk erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Zwischen 1913 und 1918 schrieb er die historische Trilogie Rok 1794 (dt. Das Jahr 1794) über die nationale Erhebung Polens und ihre Niederschlagung durch Preußen und Rußland im Jahr 1794.

Auszeichnungen u.a.: Nobelpreis für Literatur (1924).

Werke u.a.: Ziemia Obiecana (1899, Das Gelobte Land), Wampir (1911, dt. Der Vampir), Bunt (1924, dt. Die Empörung).

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Prag, Ehrenfriedhof auf dem Vysehrad

Warschau, Powazki Cmentarz

Prag, Ehrenfriedhof auf dem Vysehrad

Bilder: Dieter Georg (2005)

Hinweis: Reymonts Herz ist in der Heiligkreuz-Kirche in Warschau beigesetzt.

Schriftsteller XVI