Wilhelm von Leube

Deutscher Mediziner; studierte in Tübingen, Zürich, Berlin und München, wurde 1868 Assistent der medizinischen Klinik in Erlangen, 1872 Professor der speziellen Pathologie und Therapie und Direktor der medizinischen Klinik in Jena, 1874 in Erlangen und 1885 Professor in Würzburg; er machte sich verdient um die Behandlung der Magen- und Darmkrankheiten mit Magensonde und -pumpe; zusammen mit Rosenthal stellte er die Leubesche Fleischsolution (mittels Überhitzung und Behandlung mit Säure in eine weiche Masse verwandeltes Fleisch) her, ein gutes Nahrungsmittel für Magenkranke.

Werke u.a.: Die Krankheiten des Magens und Darms (2. Aufl., 1878), Diagnose der innern Krankheiten (7. Aufl., 1904).

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Bild: Peter Malaschitz (9/2001)

Ulm, Alter Friedhof

Lujo von Brentano eigentl. Ludwig Josef Brentano

Deutscher Volkswirtschaftler; Bruder von Franz Brentano, Neffe von Clemens Brentano; seit 1872 Professor der Staatswissenschaften in Breslau, ab 1882 in Straßburg, ab 1887 in Wien, ab 1889 in Leipzig und ab 1891 in München; neben G. Schmoller und A. Wagner war er führender Vertreter des Kathedersozialismus, Mitbegründer des Vereins für Socialpolitik (1872); u.a. trat er für die Gewerkschaften und einen Freihandel ein.

Werke u.a.: Die Arbeitergilden der Gegenwart, 2 Bde. (1871-72), Eine Geschichte der wirtschaftlichen Entwicklung Englands, 3 Bde. (1927-29).

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10/2005

Aschaffenburg, Altstadtfriedhof

Alfred Edmund Brehm

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Deutscher Zoologe; der Sohn des Pfarrers Christian Ludwig Brehm hatte zunächst kein besonderes Interesse am Steckenpferd seines Vater, der sich intensiv mit Ornithologie beschäftigte und deshalb auch “Vogelpfarrer” genannt wurde, sondern wollte Architekt werden. So ging er nach einer Maurerlehre 1848 nach Dresden, um dort Architektur zu studieren. Als jedoch der bekannte Vogelkundlers Johann Wilhelm von Müller für eine Afrika-Expedition einen Gehilfe suchte, brach er 1847 mit diesem zu einer 5-jährigen Reise nach Ägypten, in den Sudan und auf die Sinai-Halbinsel auf. Nach seiner Rückkehr studierte er von 1853 bis 1855 an der Jenaer Universität Naturwissenschaften. Danach brach er immer wieder zu Studienreisen auf u.a. nach Spanien, in die Skandinavischen Länder, nach Sibirien. Von 1863 bis 1866 war er Direktor des Zoologischen Gartens in Hamburg, gründete 1869 das Berliner Aquarium und leitete es bis 1874. Brehm verfaßte für verschiedene Zeitschriften, darunter auch die Gartenlaube, populär-wissenschaftliche Artikel und veröffentlichte zahlreiche Reisebücher. Seine populärste Veröffentlichung jedoch war das bei Herrmann Julius Meyer in sechs Bänden Brehms Wohn- u. Sterbehauszwischen 1864 und 1869 erschienene Werk “Illustrirtes Thierleben.”

 

Wohnhaus A. Brehms

 

 

Werke u.a.: Reiseskizzen aus Nordost-Afrika (1853), Reiseskizzen aus Nordamerika (1855), Leben der Vögel (1861).

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Christian Ludwig Brehm

 

Pfarrer (lutherisch) und Ornithologe; Vater von Alfred Brehm; legte eine große, ca. 9.000 Vogelbälge umfassende ornithologische Sammlung an und schuf neue Grundlagen für die ornithologische Systematik. Wegen seines Steckenpferd wurde er “Vogeldoktor” genannt.

Werke u.a.: Beiträge zur Vögelkunde (3 Bde., 1820-22), Lehrbuch der Naturgeschichte aller europäischen Vögel (2 Bde., 1823-24), Monographie der Papageien (14 Hefte, 1842-55).

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Renthendorf (Thüringen, Saale-Holzland-Kreis)

Bilder: Wolfgang Prokosch (10/2005)

Jean-François Champollion

Französischer Ägyptologe; der Sohn eines Buchhändlers begann bereits im Alter von dreizehn Jahren mit dem Erlernen verschiedener Stein von Rosetteorientalischer Sprachen und beherrschte bereits drei Jahre später sechs altorientalische Sprachen. Mit 19 Jahren wurde er Professor für Geschichte am Lycée von Grenoble. 1821 begann er mit der Entzifferung altägyptischer Inschriften. und wies bereits im Folgejahr nach, daß es sich bei der Hieroglyphenschrift um eine Lautschrift handelt. Grundlage seiner Erkenntnisse war die dreisprachige Inschrift des Steins von Rosette, einer im Niltal gelegenen kleinen Stadt, den Napoléon von seinem Feldzug aus Ägypten nach Frankreich mitgebracht hatte. Mit Hilfe der Namenskartuschen für Ptolemäus und Kleopatra, deren hieroglyphischen Zeichen bereits bekannt waren, konnte er im Vergleich mit den gleichlautenden demotischen und griechischen Texten auf dem Stein nach und nach alle Zeichen und damit die bislang rätselhaften Inschriften an den altägyptischen Monumenten entschlüsseln und begründete damit die Ägyptologie. 1826 wurde Champollion Direktor der Ägyptischen Sammlung im Louvre. 1828 leiteten Champollion und der italienische Archäologe Ippolito Rosellini gemeinsam eine wissenschaftliche Expedition in Ägypten. Nach ihrer Rückkehr wurde 1831 am Collège de France der erste Lehrstuhl für Ägyptisches Altertum für Champollion geschaffen. Außerdem wurde er Mitglied der Académie Française.

Stein von Rosette (Ausschnitt): Der Text oben ägyptisch, in der Mitte demotisch, unten griechisch.

 

Werke u.a.: Précis du système hiéroglyphique (1824, dt. Abriß des hieroglyphischen Schriftsystems), Grammaire égyptienne (1836-41, dt. Ägyptische Grammatik), Dictionnaire égyptien (1841-43, dt. Ägyptisches Wörterbuch).

 

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ca. 1978

Paris, Cimetière du Père Lachaise

Georg Christian von Oeder

Deutscher Biologe; studierte ab 1746 an der Universität von Göttingen und promovierte im Oktober 1749 in Medizin. Anschließend studierte er Botanik und Staatskunde. 1751 erhielt er einen Ruf an die Universität von Kopenhagen als Botaniker und Wirtschaftswissenschaftler und legte 1752 einen neuen Botanischen Garten an, der den alten Garten in der Skidenstræde (Krystalgade) ablöste. Als Deutscher an der Universität sowieso nicht sehr gelitten, verlor er im Zuge der Ereignisse um Johann Friedrich Struensee 1771 seine dortige Stellung und zog er sich enttäuscht in das wieder deutsch gewordene Oldenburg - es stand zuvor unter dänischer Herrschaft - zurück. Er war der Herausgeber des Flora Danica Projekts, eines umfangreichen botanischen Werkes.

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Oldenburg, Gertrudenfriedhof

Bild: Matthias Bauer (2003)
Bild: Ian Goulden (09/2007)

Wladimir Wassiljewitsch Stassow [russ. Владимир Васильевич Стасов]

1873 1883  1905 pinxit Repin

Russischer Kunstkritiker; Sohn des russischen Architekten Wassili Petrowitsch Stassow (*1769, †1848); studierte bis 1843 Rechtswissenschaften und war anschließend in diversen Ministerien, u.a. in dem für die Landerschließung. tätig, Stassow, der sechs Sprachen fließend sprach, war ein engagierter Förderer der Peredwischniki-Bewegung (russ. Передвижники, dt. Wanderer) in den bildenden Künsten und diente als Berater der russischen Komponistengruppe der Fünf. Seine Briefwechsel gelten als wichtige Quellen für das damalige russische Kulturleben. Aufsehen erregte u.a. Stassows kontroverse Diskussion mit dem Musikkritiker Alexander Serow über die Opern von Michail Glinka. Über letzteren hatte er 1847 eine Monographie veröffentlicht, in der er sich mit der Verwendung von Volksmusik in dessen Musik auseinandersetzte; seit dieser Zeit forderte er ein Primat des Einflusses der russischen über die Musik des Westens. Stassow war aber auch eine bedeutender Kritiker der bildenden Kunst und beteiligte sich aktiv an der Vorbereitung der ersten und den folgenden Kunstausstellungen. Er war auch ein Kenner der jüdischen Kunst. In einem Aufsatz kritisierte er scharf Richard Wagners antisemitischen Aufsatz Das Judentum in der Musik (1850).

    
1904

Von links nach rechts: Repin, Stassow, Andrejew Gorkij und Tarchanow, 1904 auf dem Anwesen Ilja Repins in der Gemeinde Repin, ehem. Kuokkala b. Sankt Petersburg)

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Bilder: Peter Malaschitz (05/2011)

Sankt Petersburg, Tichwiner Friedhof am Aleksander Newskij Kloster

Heinrich Ernst Albers-Schönberg

 

 

Deutscher Arzt; studierte in Tübingen und Leipzig, wo er promovierte, und war anschließend von 1892 bis 1894 als Assistenzarzt am Allgemeinen Krankenhaus Eppendorf, sowie ein Jahr in Leipzig tätig, bevor er in seiner Geburtsstadt eine Praxis als praktischer Frauenarzt und Geburtshelfer eröffnete. 1897 gründete er gemeinsam mit Georg Deycke das erste Röntgeninstitut und Laboratorium für medizinisch hygienische Untersuchungen. 1903 wurde er als Röntgenologe am Allgemeinen Krankenhaus St. Georg in Hamburg (heute Asklepios Klinik St. Georg) berufen, an dem er ein von ihm geplantes Röntgenhaus anschloß, das heutige Albers-Schönberg Institut für Röntgendiagnostik am Allgemeinen Krankenhaus St. Georg; diese Einrichtung entwickelte sich zum Vorbild für weitere, ähnliche Einrichtungen. 1919 erhielt er einen Ruf als ordentlicher Professor auf den Lehrstuhl für Röntgenkunde an der Universität Hamburg. Bereits 1903 hatte er als Erster die schädigenden Auswirkungen der Röntgenstrahlung auf den Körper erkannt. Ab 1910 zeigten sich auch bei Albers-Schönberg, der 1900 die Atlantenreihe Archiv und Atlas der normalen und pathologischen Anatomie in typischen Röntgenbildern begründet hatte, die ersten Strahlenschäden; der linke Arm mußte ihm amputiert werden. Im Rahmen seiner Tätigkeit beschrieb er den Morbus Albers-Schönberg und die Marmorknochenkrankheit, bzw. Osteopetrose.

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Bild: Heiko Bockstiegel

Hamburg-Nienstedten

Wissenschaft & Forschung XXXIII

Omnibus salutem!