Robert Owen

1845 

Britischer Unternehmer und Sozialreformer; der jüngste Sohn eines Postmeisters besuchte nur bis zum 10. Lebensjahr eine Schule, und arbeitete als Lehrling in einem Textiliengeschäft, bevor er sich in Manchester, dem damaligen Zentrum der Textilindustrie, niederließ. In einer Fabrik brachte er es vom einfachen Arbeiter 1790 bis zum Leiter einer Fabrik. 1799 wurde er Mitbesitzer einer Baumwollspinnerei in New Lanark in Schottland. Beeindruckt von den schlechten Arbeitsbedingungen, die er selbst zu erleiden gehabt hatte, versucht er durch ein neues Arbeitszeitmodell Abhilfe zu schaffen und gleichzeitig die Arbeitsproduktivität zu steigern. Er hatte erkannt, daß die Ausbeutung der Arbeitskraft und die Unterdrückung der Arbeiter eine denkbar schlechte Voraussetzung für Leistung sei. So verbot Owen in seiner Fabrik die Kinderarbeit, beschränkte den Arbeitstag auf zehneinhalb Stunden und errichtete eine Mustersiedlung für seine Arbeiter; seine Initiative regte zu ersten Reformen und Arbeitsschutzgesetzen in Großbritannien an. In den von ihm gegründeten Siedlungen schuf er neben einem vorbildlichen Schulsystem - lange vor der Errichtung der Konsumvereine - Läden, in denen die Arbeiter zum Selbstkostenpreis einkaufen konnten. Von seinem Rezept überzeugt und um seine Ideen in größerem Umfange zu realisieren, erwarb er 1825 im amerikanischen Bundesstaat Indiana ca. 8.000 Hektar Land und errichtete dort die Gemeinschaftssiedlung New Harmony, in der alle gleichen Anteil am Ertrag haben sollten. Das Projekt scheiterte allerdings nach anfänglichen Erfolgen an typischen menschlichen Attitüden, den Gruppenegoismen, sowie an politischen und religiösen Differenzen, so daß Owen das Land wieder verkaufte. Obwohl er mit zahlreichen einflußreichen Persönlichkeiten zusammentraf (u.a. mit Königin Viktoria von England, Großherzog Nikolaus von Rußland, Präsident Antonio López de Santa Anna von Mexiko und US-Präsident Andrew Jackson), gewann er wenig Zustimmung, sondern eher Mißtrauen in Bezug auf seine frühsozialistischen Ideen. 1833 war er an der Gründung der ersten britischen Gewerkschaft beteiligt, die jedoch bald wieder zerbrach. Seine Ideen gingen allerdings in die 1844 in Rochdale (England) ins Leben gerufene internationale Genossenschaftsbewegung ein.

Werke u.a.: A New View of Society (1813/14, dt. Eine neue Auffassung von der Gesellschaft), Report of the County of Lanark,... (1821), The Book of the New Moral World (7 Bde., 1836-44, dt. dt. Das Buch von der neuen moralischen Welt).

Autobiographie: The life of R.Owen. Written by himself, 2 Bde., 1857-58).

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Newtown, St. Mary's Churchyard

Bilder: Rachael Vorberg-Rugh (09/2005)

Wilhelm Mauser

 

Deutscher Fabrikant; der Sohn eines Büchsenmachers arbeitete seit 1848 unter Anleitung seines Vaters in der Königlichen Gewehrfabrik in Oberndorf und konstruierte zusammen mit seinem Bruder Paul einen Hinterlade-Geschützverschluß, der 1860 vom württembergischen Kriegsministerium in die Modellsammlung des Arsenals aufgenommen wurde. Von 1867 bis 1869 hatten die Brüder einen Vertrag mit dem amerikanischen Waffenhersteller Remington und hielten sich in Lüttich zur Erweiterung ihrer Kenntnisse auf, 1870 kehrten sie nach Oberndorf zurück, setzten ihre Entwicklungsarbeiten für die preußischen Militärbehörden fort und bauten das Mauser-Gewehr Modell 71, das 1871 eingeführt wurde. 1872 gründeten Mauser und sein Bruder die Firma Gebrüder Wilhelm und Paul Mauser, kauften 1874 die Königliche Gewehrfabrik und wandelten das Unternehmen in die Kommanditgesellschaft Gebr. Mauser & Cie. um (de.wikipedia.org).

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Oberndorf (Neckar), Talfriedhof

Bilder: Claus Harmsen (stones&art, 03/2007)

Grab Paul Mausers

Bild: Dr. Hans-Peter Laqueur (06/1987)

Tigran Sarkies

Britischer Unternehmer armenischer Abstammung; der aus Isfahan stammende Tigran gründete zusammen mit seinen Brüder in Südostasien eine Reihe von Hotels, u.a. 1884 das Eastern, 1885 das Oriental in Georges Town, Penang (Malaysia), die beide heute das Eastern & Oriental Hotel bilden, 1891 das Kartika Wijaya in Batu auf Java, 1910 das Hotel Majapahit (jetzt Mandarin Oriental Majapahit) in Surabaya auf Java. Im Dezember 1887 hatten sie in Singapur das Raffles eröffnet, das seinen Name nach dem britischer Kolonialverwalter und Gründer Singapur, Thomas Raffles, erhielt und heute zu den bekanntesten und luxuriösesten Hotels in Asien gezählt wird. Krank, reiste Sarkies im Jahre 1910 nach London, wo er verstarb.

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London, Kensal Green Cemetery

Harland Colonel Sanders

 

US-amerikanischer Unternehmer; Gründer der Systemgastronomie Kentucky Fried Chicken (KFC). Da er bereits im Alter von sechs Jahren den Vater verlor, war er gezwungen, seiner Mutter bei der Versorgung seiner Geschwister mitzuhelfen, auch beim Kochen. Mit zehn Jahren mußte er seine erste Arbeit annehmen, und ging im Laufe der Zeit in diversen Beschäftigungen nach, u.a. arbeitete bei der Feuerwehr der eisenbahn, war als Versicherungsagent tätig und diente als Freiwilliger in der United States Army und handelte als solcher mit Mauleseln in Kuba. In den 1930er Jahren eröffnete er eine Tankstelle, in der er für Kunden Hähnchen zubereitete, die er ihnen in seinem Privaträumen servierte. Mit zunehmenden Erfolg, mietete er ein Motel mit angeschlossenem Restaurant. Nachdem das Restaurant bei einem Feuer im Jahre 1939 zerstört worden war, errichtete er ein neues, größeres Etablissement, das am 4. Juli 1941, dem Unabhängigkeitstag, seine Tore für das Publikum öffnete. Später wurde das Unternehmen im Franchise-System ausgeweitet. 1964 verkaufte Sanders KFC für $2 Mio. an eine Partnerschaft von Geschäftsleuten aus Kentucky, deren Vorsitzender John Y. Brown Jr. war. Dieser Verkauf betraf jedoch nicht seine kanadischen Aktivitäten, und er selbst zog nach Ontario.

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Bilder: Kerry Ball (04/2007)

Louisville (Kentucky), Cave Hill Cemetery

Rickmer Clasen Rickmers

 

Deutscher Werftbesitzer und Reedereigründer; nach einer Lehre als Schiffszimmermann auf Helgoland fuhr er auf Hamburger Schiffen zur See. 1831 heiratete er Etha Reimers im ostfriesischen Esens, weil der Vater der Braut seine Einwilligung nicht gab und der Pfarrer auf Helgoland deshalb die Trauung nicht vornehmen wollte.Schon ein Jahr später kehrte er Helgoland den Rücken und zog nach Bremerhaven. 1834 hatte er bereits einen eigenen Werftplatz. Anfang 1842 kaufte Rickmers zusammen mit J. H. C. Winkler und Blasius & Imhoff aus Bremen die Schoner Weser und Athene. Beide Schiffe waren für die Beförderung von Auswanderern nach Nordamerika bestimmt. Damit war endgültig der Grundstein für die 1866 gegründete Rickmers Reederei (zunächst Rickmers Rhederei) gelegt. Die zunehmende Auswanderung nach Amerika brachte für die Reedereien in Hamburg und Bremen/Bremerhaven nach den Kriegsjahren 1848/49 einen enormen Aufschwung. Da Rickmers den Bau von Stahlschiffen ablehnte, wurden bis zu seinem Tod nur Holzschiffe gebaut. Anfang der 1850er Jahre beschäftigte die Rickmers-Werft über 300 Zimmerleute.

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Bilder: Dr. Hans-Peter Laqueur (04/2007)

Bremerhaven OT Wulsdorf, Friedhof

Bild: Hartmut Riehm (04/2007)

Henri James Simon

ca. 1895

Deutscher Unternehmer; als anläßlich des US-amerikanischen Bürgerkriegs die Versorgung mit Baumwolle für Europa aus den Südstaaten ausblieb, kam es zu dem finanziellen Grundstock der Familie, die große Bestände an Baumwoolle gelagert hatte, die sich jetzt zu bestem Preise verkaufen ließ. Die Firma wuchs unter Isaac Simon, dem Vater von James Simon, bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges im Jahre 1914 zum bedeutendsten Baumwollunternehmen auf dem europäischen Kontinent heran. Als nach simon_james_villa_bddem Ende des Ersten Weltkrieges und besonders in den 1920er Jahren wegen neuer Stoffarten, die den Markt eroberten, das Interesse an Baumwollstoffen nachließ, geriet die Firma immer mehr in finanzielle Schwierigkeiten. Schließlich mußte Simon seine repräsentative Villa verkaufen und in eine Wohnung in der Kaiserstraße (heute Bundesallee) ziehen.

Simon-Villa, Tiergartenstraße 15a (ca.1890)

James Simon, Gründer und Finanzier zahlreicher wohltätiger Einrichtungen, blieb u.a. auch wegen der Übereignung der Portraitplastik der Nofretete an das Ägyptische Museum in Berlin in Erinnerung (Simon hatte u.a. die ab 1911 in Tell el-Amarna von Ludwig Borchardt (*1863, †1938) durchgeführten Grabungen finanziert, bei der u.a. die sehr gut erhaltene, bemalte Büste der Nofretete, Echnatons Hauptfrau, entdeckt wurde. Da er alleiniger Finanzier war und als Privatperson einen Vertrag mit der ägyptischen Regierung geschlossen hatte, ging der deutsche Anteil an den Fundstücken in seinen persönlichen Besitz über). Überhaupt war er ein großzügiger Förderer der Berliner Museen. So stellte der Gesprächspartner von Kaiser Wilhelm II. auch zahlreiche andere Werke aus seiner Privatsammlung Museen zur Verfügung.

Bild: Arkadiy Etumyan

 

 

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Berlin, Jüdischer Friedhof, Schönhauser Allee

Hinweis: Das im Hamburger Hafen vertäute Segelschiff “Rickmer Rickmers” wurde nicht nach dem Gründer der Reederei benannt, sondern nach dessen Enkel.

Peter Ludwig

 

Deutscher Unternehmer und Kunstmäzen; Sohn eines Juristen und einer Tochter der Industriellen-Familie Klöckner; studierte nach einem Kriegsabitur am humanistischen Gymnasium in Koblenz im Jahre 1943, dem Wehrdienst und der Entlassung aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft ab 1946 an der Universität in Mainz Kunstgeschichte, Archäologie, Geschichte und Philosophie. Nach der Heirat mit Irene Monheim, der Tochter des Aachener Unternehmers Franz Monheim, im Jahre 1951 trat er in die Firma Leonard Monheim ein, die später in den 1970er und 1980er Jahren baute er das Unternehmen, das später in “Ludwig Schokolade” umbenannt wurde, mit dem Marken Trumpf Schokolade, Lindt, Mauxion zu einem führenden Haus in dieser Branche aus. Gemeinsam mit seiner Frau engagierte er sich ab 1957 besonders im Bereich der Kunst und arbeitete dabei mit Museen in Köln und Aachen zusammen. 1976 gründete er das Museum Ludwig in Köln, das er gemeinsam mit seiner Frau zu einem Ort besonderer Kunstsammlungen entwickelte.

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ludwig_peter2_gb
ludwig_irene_gb

Sankt Aldegund, Pfarrkirche St. Bartholomäus

Irene Maria Therese Ludwig née Monheim

 

Deutsche Kunsthistorikerin und Kunstmäzenin; Tochter des Aachener Unternehmers Franz Monheim, Enkelin Leonard Monheims, des Gründers der Trumpf-Schokolade-Fabrik; studierte ab 1947 Kunstgeschichte, Archäologie und Vor- und Frühgeschichte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und begann bereits zu jener Zeit, historische und zeitgenössische Kunst zu sammeln. 1951 heiratete sie Peter Ludwig.

Nach dem Tode ihres Mannes im Jahr 1996 betreute sie die umfangreiche Kunstsammlung weiter und errichtete die “Peter und Irene Ludwig Stiftung“, die aus der aus der “Ludwig Stiftung für Kunst und internationale Verständigung GmbH“ hervorging.

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Unternehmer / Manager XXXVI

Omnibus salutem!