O. Henry eigentl. William Sydney Porter

US-amerikanischer Schriftsteller; der Sohn eines Arztes wuchs nach dem frühen Tode seiner Mutter bei den Großeltern auf. Mit 15 Jahren verließ er die Schule, als 20-jähriger ging er nach Texas, wo er verschiedene Tätigkeiten ausübte. Wegen Veruntreuung von Geldern seines Arbeitgebers, der First National Bank in Austin, mußte er eine 3jährige Gefängnisstrafe im Staatsgefängnis von Ohio verbüßen. Erstmals benutzte er sein Pseudonym O. Henry, das er einem Arzneimittelhandbuch entnommen hatte, als er 1899 für das McClure's Magazine die Geschichte Whistling Dick's Christmas Stocking verfaßte, der ca. ein Dutzend weitere folgten. Seit 1902 in New York lebend, schrieb er wöchentlich Kurzgeschichten (short stories) für die Zeitschrift The New York World, in denen er das Alltagsleben der kleinen Leute in New York um die Jahrhundertwende darstellte. Der erste Sammelband Cabbages and Kings (dt. Kohlköpfe und Könige, auch Narren des Glücks) erschien 1904, der zweite, The Four Million (dt. Die vier Millionen), der seine berühmteste Geschichte The Gift of the Magi (Das Geschenk der Weisen) beinhaltete, 1906. Es folgten The Gentle Grafter (1908) und Options (1909, dt. Wege des Schicksals) und 1910 Whirligigs, das The Ransom of Red Chief enthielt. Insgesamt verfaßte er fast 600 Kurzgeschichten. Die durch die Schilderung von Zufällen und Details gespeisten lebendigen Geschichten enden stets in einem überraschender Schluß, wie z.B. in seiner Kurzgeschichte After Twenty Years, wo zwei Freunde bei ihrer Trennung übereinkommen, sich exakt 20 Jahre später zur gleichen Zeit am gleichen Ort wiederzutreffen. . Diese Technik beschert ihm auch heute noch eine große Anhängerschaft die später in Sammelbänden zusammengefaßt wurden. Viele von O. Henrys besten Geschichten wurden verfilmt und finden sich weiterhin in den Sonntagsbeilagen der Tageszeitungen in aller Welt.

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Bild: Don Colin (12/2003)

Asheville (North Carolina), Riverside Cemetery

Robert Neumann

 

Österreichischer Schriftsteller; der Sohn eines Bankdirektors jüdischer Abstammung studierte von 1915 bis 1919 Medizin, Chemie und Germanistik in Wien. Nach einigen beruflichen Umwegen - er arbeitete u.a. als Effektenkassierer, Schwimmtrainer, Gesellschafter einer Lebensmittelimportfirma und Frachtaufseher für Hochseeschiffe - reüssierte er 1927 als freier Schriftsteller. 1933 wurden seine Werke in Deutschland auf die Liste der Bücher “wider den undeutschen Geist” gesetzt. Da er keine berufliche Zukunft für sich sah, emigrierte er 1934 nach Großbritannien, nachdem der dem italienischen Faschismus und der katholischen Kirche nahestehende österreichische Bundeskanzler Engelbert Dollfuß schrittweise die Macht der Sozialdemokraten eingeschränkt hatte. In seiner neuen Heimat nahm er die britische Staatsbürgerschaft an und veröffentlichte als einer der wenigen Exilautoren mehrere Romane in englischer Sprache. Nach dem “Anschluß” Österreichs an das deutsche Reich im Jahre 1938 organisierte er den "Free Austrian PEN" im Londoner Exil. In den Kriegsjahren arbeitete er sporadisch für die British Broadcasting Corporation (BBC). Als Lektor und Teilhaber des Verlags "Hutchinson International Authors" setzte er sich für Publikation deutschsprachiger Exilautoren (Arnold Zweig, Heinrich Mann u.a.) in englischer Übersetzungen ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte er zunächst weiter in England und ließ sich 1958 schließlich in Locarno nieder, wo er als Literaturkritiker und Publizist arbeitete, u.a. für Die Zeit, pardon, Tribüne, Deutsche Zeitung Christ und Die Welt sowie für ARD-Rundfunkanstalten. Er verfaßte gesellschaftskritische Romane, sowie satirische und parodistische Erzählungen, Dramen, Hörspiele und Essays.

Werke u.a.: Die Pest von Lianora (1927), Mit fremden Federn (1927), Jagd auf Menschen und Gespenster (1928), Die Blinden von Kagoll (1929), Karriere, Das Schiff Espérance (beide 1931), Unter falscher Flagge, Die Macht (beide 1932), Die blinden Passagiere (1935), An den Wassern von Babylon (1939), Olympia (1961), Oktoberreise mit einer Geliebten (1970), Ein unmöglicher Sohn (1972).

Autobiographie: Mein altes Haus in Kent (1957).

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München-Haidhausen, Friedhof

Bilder: Matthias Bauer (03/2007)

Elizabeth Barrett Browning née Barrett

   

 

Englische Dichterin; wuchs in Hope End in den Malvern Hills in der Graftschaft Herefordshire auf. Dort hatte sie einen Reitunfalls, bei dem sie ihr Rückgrat verletzte, so daß sie stark gehandicapt war; außerdem litt sie unter einer Lungenerkrankung. 1838 zog die Familie nach London, wo sie im Mai 1845 den Dichter Robert Browning kennenlernte und regelmäßig mit ihm zu korrespondieren begann. Da ihr tyrannischer Vater die Verbindung nicht billigte, brannten beide 1846 nach Italien durch - begleitet von ihrem Mädchen Wilson und ihrem Spaniel “Flush”. Sie ließen sich in der Casa Guidi in Florenz nieder, wo Elizabeth bis zu ihrem Tode lebte und wo sie nach ihrer Genesung noch im Alter von 43 Jahren einen Sohn zur Welt brachte. Schon als Kind hatte sich bei ihr eine besondere Begabung für die Poesie gezeigt; bereits im Alter von 8 Jaren übersetzte sie Homer aus dem Altgriechischen und begann Gedichte zu schreiben. An Essay on Mind and Other Poems erschien 1826 anonym. 1833 erschien ihre Übersetzung des Prometheus von Aischylos. Obwohl diese sehr gelobt wurde, war sie selber damit unzufrieden, so daß sie eine neue Fassung anfertigte, die 1850 erschien. Im gleichen Jahr erschienen die Sonnets from the Portuguese (dt. Portugiesische Sonette), die Rainer Maria Rilke 1908 meisterhaft ins Deutsche übersetzte.

Elizabeth mit ihrem Sohn Pen (1882)

Der Sonettzyklus gilt als ihr bestes Werk und zählt zu den bekanntesten Sammlungen von Liebeslyrik in englischer Sprache. Browning, die in ihrer neuen Heimat starken Anteil an politischen und sozialen Problemen sowie an den Bemühungen um die Vereinigung Italiens nahm, verfaßte dort das melancholische Gedicht The Cry of the Children (1854), das 1912 als Vorlage für einen Stummfilm diente, und die Gedichte Casa Guidi Windows (1848-51) sowie Poems Before Congress (1860). Ihr längstes und ehrgeizigstes Werk ist der lehrhafte, im Stil der Romantik geschriebene Versroman Aurora Leigh (1856), eine Verteidigung des Rechtes der Frauen auf intellektuelle Freiheit. Ihre letzten Gedichte bereitete ihr Ehemann für die Veröffentlichung vor (Last Poems, 1861). Brownings Dichtungen wurden innerhalb der englischen Literatur der Zeit so hoch geschätzt, daß sie nach dem Tod des amerikanischen Dichters William Wordsworth 1850 als dessen Nachfolgerin zum Poet laureate vorgeschlagen wurde.

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Florenz, Cimitero Accatolico

Bild: Claude Covo-Farchi (03/2006) flickr.com
Bild: Claude Covo-Farchi (03/2006) flickr.com
Bild: Dick (09/2006)

Walt Whitman

                   

US-amerikanischer Dichter; verbrachte seine Kindheit in Brooklyn. Ab 1830 arbeitete er zunächst als Setzerlehrling, dann als Lehrer und schließlich als Journalist und Herausgeber verschiedener Zeitungen. Ab 1842 verfaßte Beiträge für die New Yorker Zeitschrift “Aurora” und für den in Brooklyn erscheinenden, konservativ-demokratischen “Brooklyn Eagle”. Während dieser Zeit begann er Gedichte zu verfassen, die den Grundstock für seine 1855 publizierte erste Ausgabe seines Hauptwerkes Leaves of Grass (dt. Grashalme) bildeten und seinen Glauben an das junge Amerika und die dessen Demokratie ausdrückt. Es machte ihn zu einem der bedeutendsten amerikanischen Dichter des 19. Jahrhunderts. Ab 1861 war er Berichterstatter und Sanitätshelfer im Sezessionskrieg, anschließend zeitweise in Washington (District of Columbia) als Verwaltungsangestellter tätig. Seit 1873 nach einem Schlaganfall behindert, erwarb er 1884 ein Haus in Camden, wo er, von der kleinen Schar seiner Anhänger verehrt, die letzten Lebensjahre verbrachte. Seine Werke sind von Homer, Shakespeare, Goethe, aber auch der Sprache der Bibel beeinflußt, orientieren sich zugleich am Individualismus der Transzendentalisten (v.a. Ralph Waldo Emerson) sowie der radikaldemokratischen Ideen Thomas Paines. Zugleich verband er in ihnen die scharfe Kritik an der zunehmenden Kommerzialisierung der Vereinigten Staaten mit der prophetischen Rolle des Dichters, so in seinem Essays Democratic Vistas (1871; dt. Demokratische Ausblicke). Whitmans Werk hatte seinerseits starken Einfluß auf die Lyrik des alten Kontinents, besonders der des Expressionismus, namentlich auf die Dichtung des Neuen Pathos um die Schriftsteller Stefan Zweig und Franz Werfel, sowie in seiner Heimat selber v.a. auf die Dichter der Beatgeneration.

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Camden (New Jersey), Harleigh Cemetery

Oliver Goldsmith

Englischer Schriftsteller; der Sohn eines Bauern und anglikanischen Hilfsgeistlichen besuchte das Trinity College in Dublin und studierte Medizin an den Universitäten Edinburgh und Leiden. Danach unternahm er Reisen durch Frankreich, Deutschland, der Schweiz und Italien, wobei er seine Lebensunterhalt durch Flötespielen und Betteln verdiente. Zurück in England, praktizierte er als Arzt, erteilte Unterricht und verfaßte auf Bestellung literarische Werke für verschiedene Verlage. Außerdem fertigte er Übersetzungen an, verfaßte Kinderbücher und schrieb Artikel für Zeitungen und Zeitschriften. 1763 wurde Goldsmith Mitglied der berühmten literarischen Gesellschaft The Club, deren Präsident Samuel Johnson war (The Club errichtete Goldsmith nach seinem Tode eine Gedenktafel in der Westminster Abbey). Ein Jahr später machte ihn sein philosophisches Gedicht The Traveller (1764, dt. Der Wanderer) schließlich bakannt. Bedeutend sind neben seinen politischen und geschichtlichen Abhandlungen zwei bürgerliche Lustspiele und v.a. die in Prosa verfaßte Familienidylle The Vicar of Wakefield (1766, dt. Der Pfarrer von Wakefield), die sich durch hervorragende Charakterisierungen der Personen auszeichnen und große Wirkung auch auf die deutsche Literatur (u.a. auf Johann Wolfgang von Goethe zu dessen Straßburger Studentenzeit) hatten.

Inschrift: He left scarcely any style of writing untouched, and touched nothing that he did not adorn. Dr. Samuel Johnson [Er ließ kaum jegliche Art des Schreibens unberührt und berührte keine, die er nicht schmückte].

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London, Saint Mary Churchyard

Bild: Robert Lee (12/2004)

Giosuè Carducci

Italienischer Schriftsteller; prägendes Erlebnis in seiner Jugend war, daß sein Vater, ein Landarzt, wegen der Mitgliedschaft im patriotischen Geheimbund der "Carbonari" ins Gefängnis geworfen wurde: er wurde zum Republikaner. Er war nach seinem Studium in Pisa von 1860 bis 1903 Professor für italienische Literatur an der Universität von Bologna. Er war die beherrschende Gestalt der italienischen Literatur des ausgehenden 19. Jahrhunderts; Carducci, der sich bereits recht früh für die antiken Autoren der griechischen und römischen Literatur interessierte, gab seiner Lyrik, die er um neuartige Nachbildungen der metrischen Formen der Antike bereicherte, als Kritiker des Papsttums, der Monarchie und der romantisch-gefühlvolle Ausprägung der italienischen Literatur seiner Zeit, einen fortschrittsgläubigen, antiklerikalen, nationalen Gehalt.

Werke u.a.: Juvenilia (1857), Inno a Satana (1865), Levia Gravia (1868), Odi barbare (1877-89, dt. Barbarische Oden), Ça ira 1883 (1893, dt. Ça ira. Zwölf Sonette).

Auszeichnungen u.a.: Nobelpreis für Literatur (1906).

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Bilder: Roberto Davalli

Bologna, Cimitero Monumentale La Certosa

Hinweis: Bei dem oberen Bild handelt es sich um einen sog. Kenotaph (leeren Sarkophag); das untere Bild zeigt die eigentliche Grabplatte.

Bild: Timothy (03/2007) flickr.com

ca. 1874

Maximilian Hugo Bettauer

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Österreichischer Schriftsteller, Drehbuchautor und Redakteur; Sohn eines Börsenmaklers; wuchs in Wien auf, wo er auch das Gymnasium besuchte, aber im Alter von 16 Jahren nach Alexandria “abrückte”, von wo ihn die dortigen ägyptischen Behörden nach Wien zurückschickten. Kaum 18 Jahre alt, konvertierte er vom Judentum zum Protestantismus und änderte seinen Familiennamen von Betthauer in Bettauer. Direkt anschließend wurde er als Einjährig-Freiwilliger Rekrut bei den Kaiserjägern in Tirol, schied aber bereits nach fünf Monaten nach Auseinandersetzungen mit einem Vorgesetzten wieder aus dem Militärdienst aus und zog mit seiner Mutter nach Zürich, wo Bettauer, der inzwischen das erhebliche Erbe seines Vaters angetreten hatte und ein unabhängiges Leben führen konnte, seine Jugendliebe Olga Steiner heiratete, mit der er 1899 nach dem Tode seiner Mutter in die Vereinigten Staaten auswanderte. Dort erlangte er die US-amerikanische Staatsangehörigkeit, kam als amerikanischer Journalist nach Berlin und deckte dort innerhalb der Beamtenschaft, sowie der Polizei einige Fälle von Bestechlichkeit auf. Als sich der Direktors des Berliner Hoftheaters, dem er Korruption vorgeworfen hatte, das Leben nahm, wurde Bettauer 1901 aufgefordert, das Land Preußen zu verlasse. Er zog zunächst nach München, wo er im Kabarett Die Elf Scharfrichter arbeitete, dann im Herbst desselben Jahres nach Hamburg. Von dort kehrte er 1904 schließlich mit der 16-jährigen Helene Müller, die er - inzwischen geschieden - auf der Überfahrt heiratete, nach New York City zurück und war dort als Reporter bei der Deutschen Zeitung tätig, verfaßte aber auch Fortsetzungsromane für die Einwanderer. 1910 ließ er sich - jetzt als amerikanischer Staatsbürger - wieder in Wien nieder. Während des Ersten Weltkrieges war er bei der Neuen Freien Presse als Redakteur tätig. Nach dem Krieg war Bettauer als Korrespondent für New Yorker Zeitungen tätig, und er initialisierte in den Vereinigten Staaten ein Hilfsprogramm für die darbende Wiener Bevölkerung. Er begann wieder zu schreiben, und 1919 erschien sein erstes Werk in Buchform, ein Kriminalroman mit dem Titel Faustrecht. Weitere Kriminalromane und Romane erschienen jetzt in schneller Folge. 1922 kam sein bekanntestes Werk in die Buchhandlungen, der Roman Die Stadt ohne Juden, in dem er sich mit dem offenen und unterschwelligen Antisemitismus in allen Schichten der österreichischen Bevölkerung auseinandersetzte und in ihm ein Szenario entwickelte, demzufolge alle Juden das Land verlassen mußte, wobei die gesamte Wirtschaft des Landes zusammenbricht. Der Roman, der in mehrere Sprachen übersetzt und über eine Viertelmillion Mal verkauft wurde, wurde 1924 u.a. mit Johannes Riemann und  Hans Moser unter der Regie von Hans Karl Breslauer (*1888, †1965) verfilmt. Sein 1924 erschienener Roman Die freudlose Gasse wurde 1925 unter der Regie von Georg Wilhelm Pabst verfilmt; in ihm feierte die noch unbekannte Schwedin Greta Garbo ihr internationales Leinwanddebüt. Ab 1924 gab er die Zeitschrift Er und Sie. Wochenschrift für Lebenskultur und Erotik heraus, die in der Öffentlichkeit regelmäßig für Skandale sorgte, da sie Themen aufgriff, die seinerzeit als absolut tabu galten, u.a. Schwangerschaftsabbruch und Straffreiheit für Homosexualität unter Erwachsenen. Bettauer und die Zeitschrift gerieten dadurch immer wieder in den Fokus öffentlicher und gehässigern Diskussionen. Schließlich kam es zur Beschlagnahme der Zeitschrift und zu öffentlichen Drohungen und Mordaufrufen sowie zu einem Prozeß gegen Bettauer, in dem er jedoch freigesprochen wurde. Die Nachfolgezeitschrift Bettauers Wochenschrift erreichte mit 60.000 Exemplaren die höchste Auflage unter den damaligen Wochenzeitungen. Als Folge einer wochenlangen Medienkampagne gegen ihn verübte der Zahntechniker Otto Rothstock, Mitglied der NSDAP, am 10.3.1925 einen Mordanschlag auf ihn. Bettauer starb wenige Tage danach aufgrund der erlittenen schweren Verletzungen. Der Attentäter wurde auf Gerichtsbeschluß in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, konnte diese aber bereits nach 18 Monaten als freier Mann verlassen. In der NS-Presse wurde der Mord als eine Tat ”praktischer Jugendfürsorge“ dargestellt, wobei aber die Christlichsozialen Verständnis für die verdiente “Hinrichtung“ eines jüdischen Pornographen zeigten.

Werke u.a.: Hemmungslos (1920), Die drei Ehestunden der Elizabeth Lehndorff (1921), Der Kampf um Wien (1923), Das entfesselte Wien (1924), Die schönste Frau der Welt (1924), Das blaue Mal - Der Roman eines Ausgestoßenen (1925), Kampf ums Glück (1926), Der Tod einer Grete und andere Novellen (1926).

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Wien, Feuerhalle Simmering, Urnenhain

Amalie Male“ Marie Hassenpflug

pinxit Ludwig Emil Grimm          pinxit Karl Christian Andreae

 

Deutsche Schriftstellerin; jüngste Tochter eines hessen-kasselischen Verwaltungsbeamten; Schwester des späteren konservativen Ministers Ludwig Hassenpflug, der 1822 Charlotte Amalie Grimm (*1793, †1833) heiratete und damit ein Schwager der Brüder Grimm wurde (als Charlotte Grimm starb, übernahm Amalie einige Zeit lang für den Bruder Ludwig die Haushaltsführung und Kindererziehung). Amalie Hassenpflug war Mitglied des Kasseler Kreises um die Grimms und enge Freundin von Annette von Droste-Hülshoff, die sie dort 1818 kennengelernt hatte. Der Kontakt mündete ab 1837, als es zu einem Wiedersehen während eines gemeinsamen Aufenthaltes im zum Königreich Preußen gehörenden, ostwestfälischen Bökendorf zwischen ihr und der Dichterin gekommen war, in eine tiefe Freundschaft; besonders in den Jahren zwischen 1838 und 1839 hatte sie einen großen Einfluß auf ihre Freundin Annette, die ihr mehrere Gedichte widmete, u.a.:

Meine Lieder sandte ich dir,
Meines Herzens strömende Quellen,
Deine Locke sandtest du mir,
Deines Hauptes ringelnde Wellen

Es entspann sich ein umfangreicher brieflicher Austausch zwischen den beiden Frauen. Erst nachdem Amalie 1842 mit ihrem Bruder Hans Daniel Ludwig nach Berlin gezogen war, wurde der Kontakt zwischen den Freundinnen lockerer. 1845 verließ sie Berlin und ließ sich in Hannover nieder, wo sie bis 1850 wohnte. Schließlich zog sie 1866 auf die Burg Meersburg zu Hildegard und Hildegund Laßberg, Zwillingstöchtern von Annettes Schwester Jenny von Droste zu Hülshoff und Joseph von Laßberg. Amalie Hassenpflug, die wie ihre Freundin unverheiratet blieb, wurde neben ihr beigesetzt.

Die Märchen Drei Männlein im Walde, Der Herr Gevatter, wohl auch Die wunderliche Gasterei - den Märchensammlern von Amelie Hassenpflug erzählt - haben die Brüder Grimm in ihre berühmte Sammlung deutscher Märchen aufgenommen. Unter ihren Namensinitialen A. H. veröffentlichte sie den Roman Margarethe Verflassen. Ein Bild aus der katholischen Kirche.

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Bild: Thomas Haas (07/2014)
Bild: Thomas Haas (07/2014)

Meersburg, Friedhof

Bruno Brehm

 

 

Österreichischer Schriftsteller; Sohn eines k.u.k. Offiziers; wuchs aufgrund des Berufs seines Vater in verschiedenen Städten auf, in denen Garnisonen lagen, u.a. in Prag, Pilsen und Eger. Er begann in Wien ein Studium der Germanistik, das er nach einem Semester beendete als der Erste Weltkrieg ausbrach, um sich freiwillig zum Kriegsdienst zu melden. Nach der Grundausbildung in Wien kam er an die Front und geriet im September 1914 in russische Kriegsgefangenschaft. 1916 wurde er gegen russische Gefangene ausgetauscht, kam erneut zum Einsatz und wurde wenig später bei Asagio schwer verletzt. Als der Krieg beendet war, wurde er im Rang eines Hauptmanns in das Privatleben entlassen und studierte in Wien, Göteborg und Stockholm Kunst- und Urgeschichte. Nach seiner Promotion war er 1922 in Wien als Verlagsbuchhändler tätig und kurzzeitig als Assistent an der Wiener Universität beschäftigt. Ab 1928 arbeitete er als freier Schriftsteller. Er veröffentliche in kurzer Folge erfolgreich Romane, in denen er sich mit dem untergegangenen Habsburgerreich auseinandersetzte. Den seinerzeit von vielen Österreichern ersehnten “Anschluß” an das Deutsche Reich im Jahre 1938, pries Brehm in Versen im Bekenntnisbuch österreichischer Dichter Von 1938 bis 1942 war Brehm, jetzt auch Ratsherr in Wien, als Herausgeber der bereits 1923 gegründeten völkischen Zeitschrift Der getreue Eckart tätig. Brehm war Mitglied im 1936 ins Leben gerufenen Bamberger Dichterkreis, der sich um "wahrhaft deutscher Literatur" bemühte, und 1941 wurde er Präsident der Wiener Kulturvereinigung. Brehm, der während des Dritten Reichs sich auch immer mit antisemitischen Äußerungen hervortat, war während des Zweiten Weltkrieges erneut Soldat und diente in der Wehrmacht als Ordonnanzoffizier in Griechenland, on der Ostfront und auf dem nordafrikanischen Kriegsschauplatz, wurde aber durch die Aufnahme in die durch Hitler und seinen Propagandaminister Goebbels persönlich geführte Gottbegnadeten-Liste im August 1944 vom weiteren Dienst an der Waffe befreit. Nach dem Zusammenbruch der Nazi-Diktatur wurde er 1945 verhaftet, aber wenig später wieder auf freien Fuß gesetzt. Bruno Brehm, der 1960 Mitglied der rechtsextremistischen Gesellschaft für freie Publizistik wurde, veröffentlich weiterhin zahlreiche Romane und einige andere Werke. Zwischen 1960 und und 1961 erschien seine Trilogie unter dem Ttitel Das zwölfjährige Reich, in der er sich - inhaltlich unzureichend - mit der Zeit des Nationalsozialismus und die Zeit des Zweiten Weltkrieges auseinander zu setzen versuchte.

Werke u.a.: Apis und Este (1931), Das war das Ende (1932), Weder Kaiser noch König, Der Untergang der Habsburgischen Monarchie (1933), Wien. Die Grenzstadt im deutschen Osten (1937), Glückliches Österreich (1938), Tag der Erfüllung (1939), Über die Tapferkeit. Brevier für junge Deutsche (1940), Schatten der Macht. Von den Pharaonen bis zum letzten Zaren (1949), Der Lügner (1949), Am Rande des Abgrunds. Von Lenin bis Truman (1950), Am Ende stand Königgrätz (1964), Der Weg zum Roten Oktober (1967).

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Bilder: Hans-Christian Seidel (06/2014)

Altaussee, Friedhof

Bilder: Matthias Bauer (03/2010)
Bild: Ralf Mayer (11/2020)
Schriftsteller LXXXIV

Omnibus salutem!