Deutscher Schriftsteller; schrieb, nachdem seine Werke 1933 von der nationalsozialistischen Diktatur verboten und verbrannt worden waren, unter den Pseudonymen W. Bohn und Christian Munk. Nach Emigration in die USA 1936 kehrte er 1937 zurück, schloß sich der Widerstandsbewegung Rote Kapelle an und war von 1942 bis 1945 aus diesem Grunde im Zuchthaus (Memorial, 1948). Weisenborn schrieb Romane und Dramen. Der lautlose Aufstand (1953) behandelt den deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus.
Werke u.a.: Das Mädchen von Fanö (1935), Der Verfolger (1961), U-Boot S 4 (1928), Die Neuberin (1934), Die Illegalen (1946).

![]()
Deutscher Schriftsteller; der Sohn eines Professors wuchs in einem von humanistischen Idealen geprägten Elternhaus heran und studierte in Tübingen an der Eberhard-Karls-Universität zwei Jahre Philologie und Philosophie, später Theologie. 1818 wurde er Gymnasiallehrer für Latein in Stuttgart, ab 1837 Pfarrer in Gomaringen bei Tübingen. 1841 erhielt er das Stadtpfarramt in Stuttgart und wurde 1842 Dekan und schließlich 1845 Oberkonsistorialrat der höheren Schulen in Württemberg. Er verfaßte teilweise volkstümliche Romanzen und Lieder z.B. Der Reiter und der Bodensee. Populärer und bis heute immer wieder neu aufgelegt sind seine Nacherzählungen Die schönsten Sagen des klassischen Altertums, die zuerst zwischen 1838 und 1840 in 3 Bänden erschienen, und Die Deutschen Volksbücher (2 Bde., 1836-37). Zusammen mit Adelbert von Chamisso gab er von 1833 bis 1838 den Deutschen Musenalmanach heraus. Schwab gehörte dem Schwäbischen Dichterbund an, der sich um Justinus Kerner und Ludwig Uhland gebildet hatte und dem später u.a. auch Wilhelm Hauff und Eduard Mörike angehörten.


Gerra Piano (Kt. Tessin)
Anna Louisa Karsch gen. Karschin née Dürbach

Deutsche Dichterin; die Tochter eines Gastwirts lernte erst Lesen und Schreiben bei ihrem Großonkel, zu dem sie nach dem Todes ihres Vaters geschickt worden war. Als ihre inzwischen wiederverheiratete Mutter sie zurückholte, mußte sie bei ihr u.a. als Kuhmagd arbeiten. Nach zwei gescheiterten Ehen kam sie 1761 auf Vermittlung von Baron von Kottwitz nach Berlin, wo sie u.a. durch Gotthold Ephraim Lessing gefördert und als ”deutsche Sappho” gefeiert wurde. Friedrich der Große hatte ihr bei einer Audienz - sie hatte patriotische Gesänge auf ihn verfaßt - eine Pension und ein Haus versprochen, löste das Versprechen jedoch nicht ein. Erst sein Nachfolger Friedrich Wilhelm II., der ihre Gedichte schätzte, ließ für sie ein Haus auf der Neuen Promenade erbauen, in dem sie bis zu ihrem Tode nur noch zwei Jahre leben konnte.
Belloisens Lebenslauf (1761/62)
Ich ward geboren ohne feierliche Bitte,
Des Kirchspiels, ohne Priesterflehn
Hab ich in strohbedeckter Hütte
Das erste Tageslicht gesehn,
Wuchs unter Lämmerchen und Tauben
Und Ziegen bis ins fünfte Jahr,
Und lernt’, an einen Schöpfer glauben
Weil’s Morgenroth so lieblich war,
So grün der Wald, so bunt die Wiesen,
So klar und silberschön der Bach!
Die Lerche sang für Belloisen,
Und Belloisen sang ihr nach.
Die Nachtigall in Elsensträuchen
Erhub ihr süsses Lied, und ich
Wünscht’ ihr im Tone schon zu gleichen.
Hier fand ein alter Vetter mich
Und sagte: du sollst mit mir gehen.
Ich ging und lernte bald bei ihm,
Die Bücher lesen und verstehen,
Die unsern Sinn zum Himmel ziehn.
Vier Sommer und vier Winter flogen,
zu sehr beflügelt an uns vorbei;
Des Vetters Arm ward ich entzogen
Zu einer Bruderwiege neu.
Als ich den Bruder groß getragen,
Trieb ich drei Rinder auf die Flur,
Und pries in meinen Hirtentagen
Vergnügt die Schönheit der Natur.
Ward früh ins Ehejoch gespannet,
Trug’s zweimal nacheinander schwer,
Und hätte mich wol nichts ermannet,
Wenn’s nicht den Musen eigen wär,
Im Unglück und in bittern Stunden
Dem beizustehn, der ihre Huld
Vor der Geburt schon hat empfunden.
Sie gaben mir Mut und Geduld,
Und lehreten mich Lieder dichten,
Mit kleinen Kindern auf dem Schoß.
Bei Weib- und Magd- und Mutterpflichten,
Bei manchem Kummer, schwer und groß,
Sang ich den König und die Schlachten,
Die Ihm und seiner Heldenschar
Unsterblichgrüne Kränze brachten,
Und hatte noch manch saures Jahr,
Eh frei von andrer Pflichten Drang
Mir Tage wurden zu Gesang!

![]()
Deutscher Schriftsteller; entstammte einem pietistischen Landpfarrhaus. Der Vater, der als Pfarrer nach Biberach versetzt wurde, wo der junge Wieland aufwuchs, unterrichtete ihn, bevor ein Privatlehrer den Unterricht fortsetzte, ab dem dritten Lebensjahr zunächst selber; 1747 wurde er in das Schulinternat des Klosters Berge (b. Magdeburg) geschickt und studierte zwei Jahre später für ein Semester Philosophie in Erfurt. Er folgte jedoch 1750 dem Wunsch der Eltern und begann in Tübingen mit dem Studium der Rechtswissenschaften. In dieser Zeit lernte er während eines kurzen Aufenthalts in der Heimat seine Cousine Marie Sophie Gutermann von Gutershofen, die spätere Sophie von La Roche, kennen, mit der er sich verlobte; sie blieben einander auch dann ein Leben lang freundschaftlich zugeneigt, als im Jahre 1753 die Trennung erfolgte. Nach Beendigung des Studiums in Tübingen folgte Wieland 1752 einer Einladung Johann Jakob Bodmers (*1698, †1783) nach Zürich und blieb dort bis 1758; 1759 ging er als Hauslehrer nach Bern, wo er sich mit Julie von Bondeli verlobte, löste aber auch hier die Verlobung (1760). Im selben Jahr wurde Wieland Senator und kurz darauf Kanzleidirektor in Biberach an der Riß; konfessionelle Streitigkeiten, finanzielle Schwierigkeiten und persönliche Konflikte bestimmten jedoch jene Zeit. Schließlich heiratete er 1765 die Tochter eines Augsburger Patrizier, Anna Dorothea von Hillenbrand (*1746, †1801), die er weder liebte noch achtete (“Meine Frau weiß...nicht auszudrücken, was sie fühlt...Von Natur aus beschränkt und wenig lebhaft...Mangel an Geist...” schrieb er an Sophie von La Roche); aus dieser Ehe gingen 14 Kinder hervor. Als Sophie bei einem Besuch bei ihm erlebte, wie er seine kleine Tochter, die bei einem Gedichtvortrag durch ihr Spielen störte, behandelte, verließ sie stante pede das Haus: “Ich danke dem Himmel, daß er Sie mir nicht zum Gatten gegeben hat.” 1769 wurde Wieland als ordentlicher Professor der Philosophie und kurmainzischer Regierungsrat an die Universität in Erfurt berufen, von wo aus er Beziehungen zum sog. Halberstädter Kreis, dem J.W.L. Gleim und J.G. Jacobi angehörten, aufnahm. 1772 berief ihn Herzogin Anna Amalia, die auf seine Roman Der goldene Spiegel (1772), aufmerksam geworden war, zum Erzieher ihrer beiden Söhne nach Weimar. Als der damals 18jährige Carl August 1775 als Großherzog die Regentschaft übernahm, lebte Wieland weiterhin als freier Schriftsteller in Weimar. 1797 erwarb er ein Landgut nahe der Stadt in Oßmannstedt, auf das er sich immer wieder zurückzog. Nachdem 1801 sein Frau Dorothea gestorben war, geriet Wieland, der sich mit dem Kauf des Gutes übernommen hatte, an den Rand eines Ruins, so daß er wieder nach Weimar ziehen mußte. Von großer Bedeutung für die Orientierung von Geist und Geschmack des deutschen Bürgertums war seine 1773 ff. nach französischem Vorbild erscheinende Zeitschrift Der Teutsche Merkur, in der Wieland viele seiner Werke und Schriften zuerst veröffentlichte.
Werke u.a.: Briefe von Verstorbenen an hinterlassene Freunde (1753), Sympathien (1756), Empfindungen eines Christen (1757), Lady Johanna Gray (1758), Der Sieg der Natur über die Schwärmerey oder Die Abentheuer des Don Sylvio von Rosalva (1764), Geschichte des Agathon (2 Bde., 1766/67), Alceste (1773), Agathodämon (1799).
Inschrift: Liebe und Freundschaft umschlang / Die verwandten Seelen im Leben / Und ihr Sterbliches deckt dieser gemeinsame Stein.


Stuttgart, Hoppenlaufriedhof


Deutsche Schriftstellerin; schrieb Erzählungen und Romane aus der niederdeutschen Landschaft sowie Balladen. In ihren Novellen und historischen Romanen zeichnete sie in vortrefflicher, einfühlsamer Weise die Landschaften und deren Menschen. Sie war seit 1916 mit dem Verleger Eugen Diederichs verheiratet.
Werke u.a.: Bauernstolz (Novellenslg., 1901), Lucifer (1907), Der jüngste Tag (1922).
Oßmannstedt, Park des Guthofes

Berlin, Alter Sophienkirchhof

![]()
Österreichischer Schriftsteller und Publizist jüdischer Herkunft; studierte Jura in Wien, wo er 1884 promovierte, und arbeitete danach als Feuilletonist für die Neue Freie Presse. 1891 wechselte er als Korrespondent nach Paris und berichtete von dort über den Dreyfus-Prozeß, unter dessen Eindruck er zum Begründer des politischen Zionismus (Der Judenstaat, 1896) wurde, da er zu der Überzeugung gelangte, daß die Gründung eines jüdischen Staates notwendig - und auch realisierbar - sei. 1897 berief er den 1. Zionistischen Weltkongreß nach Basel ein. Er wurde erster Präsident der neugegründeten Zionistischen Weltorganisation, die die ökonomischen Grundlagen für den zukünftigen Staat bereitstellen sollte; so wurde eine jüdische Bank gegründet und ein F
onds, der die Mittel für den Ankauf von Land in Palästina beschaffen sollte. In seinem Roman Altneuland (1902) entwickelte er seine Ideen über einen aristokratisch geleiteten jüdischen Zukunftsstaat. Dabei ging er - völlig bar jedes Realitätssinns - davon aus, daß die in Palästina lebenden Araber die neuen jüdischen Siedler freudig begrüßen würden.
Herzl 1901 in Basel

Titelblatt der Erstausgabe von 1896

Jena, Alter Friedhof


Jerusalem, Herzlberg (Mount Herzl National Cemetery)


Wien, Döblinger Friedhof
Hinweis: Theodor Herzl wurde 1949 vom Döblinger Friedhof in Wien nach Jerusalem umgebettet.
Hinweis: Beigesetzt sind hier außer Wieland seine zuvor gestorbene Frau Dorothea und die bei einem Besuch auf dem Rittergut Oßmannstedts im Jahre 1800 verstorbene Sophie Brentano, Enkelin Sophie von La Roches.

Omnibus salutem!