Sacha Guitryeigentl. Alexandre Pierre Georges Guitry

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Französischer Schriftsteller, Schauspieler und Regisseur; Sohn des Schauspieler Lucien Guitry (*1860, †1925), der neun Jahre an einem Petersburger Theater engagiert war. Dort trat Sascha (Deminutiv für Alexander) im Alter von 5 Jahre auch schon mal mit seinem Vater auf. Guitry schrieb ca. 150 Boulevardstücken und verfaßte Libretti für Operetten, u.a. führte er Regie in dem Film La Poison (1951, dt. Das Scheusal) und La vie d'un honnête homme (1952, dt. Das Leben eines Biedernmannes) mit Michel Simon in den Hauptrollen. Verheiratet war Guitry bis zur Scheidung im Jahre 1934 in zweiter Ehe ab 1919 u.a. mit der Schauspielerin und Sängerin Yvonne Printemps, die ihn verließ und Geliebte und Gefährtin von Pierre Fresnay bis zu dessen Tode wurde. Mit ihr war Guitry 1925 in den Vereinigten Staaten und Kanada, wo sie seine Komödie Mozart, L’amour masqué… erfolgreich auf die Theaterbühnen brachten.
Caroline Dorothea Albertina von Schelling

Deutsche Schriftstellerin; die Tochter des Orientalisten Johann David Michaelis (*1717, †1791) erhielt, wie in ”besseren Kreisen” damals üblich, eine Privatausbildung; 1784 heiratete sie in Clausthal den Bergarzt Johann Franz Wilhelm Böhmer; aus dieser Verbindung ging 1785 ihre tochter Auguste hervor. Nach dessen Tod 1788 lebte sie in Göttingen, wo sie engen Umgang mit Gottfried August Bürger und August Wilhelm Schlegel pflegte, und in Marburg; 1792 zog sie nach Mainz, wo am 18.3.1793 die Mainzer Republik und drei Tage später der Anschluß der Republik an das revolutionäre Frankreich ausgerufen wurde, und wo sie - beeinflußt von Johann Georg Adam Forster (*1754, †1794) - als begeisterte Republikanerin der Gesellschaft der Freunde der Freiheit und Gleichheit beitrat. Nachdem Forster am 25. März nach Paris abgereist war und die Rückeroberung von Mainz durch die Preußen drohte, verließ sie mit ihrer Tochter und anderen die Stadt. In Oppenheim wurde sie von preußischem Militär aufgehalten und festgenommen, zunächst nach Königstein/Ts. gebracht und dann ab Juni monatelang im hessischen Kronberg (nördl. von Frankfurt am Main) unter Arrest gestellt. Erst gegen Zahlung einer Ablösung wurden sie am 5.Juli freigelassen. August Wilhelm Schlegel brachte sie nach Leipzig und dann in das benachbarte Städtchen Lucka, wo sie im November des selben Jahres einen Sohn aus einer flüchtigen Verbindung mit einem französischen Offizier, der jedoch wenige Monate später starb. 1796 heiratete sie August Wilhelm Schlegel, den Bruder Karl Wilhelm Friedrich von Schlegels, der ebenfalls um sie geworben hatte. Als dieser 1798 in Jena Professor der Philologie wurde, begann eine fruchtbare und produktive Zusammenarbeit, da sie an seinen Aufsätzen und anderen Arbeiten mitwirkte und Artikel schrieb, die teilweise unter dem Namen ihres Mannes erschienen. Ihr Haus wurde zum Mittelpunkt und Ausgangspunkt der Frühromantiker. Als ihre gemeinsame Tochter 1800 starb und ihr Mann seine Vorlesetätigkeit in Berlin aufnahm, entfremdete sich das Ehepaar und ließ sich 1803 scheiden, und sie heiratete Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling, den ehemaligen Verlobten ihrer Tochter. In den gleichen Jahr zogen sie nach Würzburg und 1806 nach München. Caroline starb mit nur 46 Jahren an einem epidemischen Nervenfieber.
Caroline von Schelling gilt als die genialste, wenngleich nicht produktivste aller Frauen in der Zeit der Romantik.
Inschrift:
Ruhe sanft du fromme
Seele bis zur ewigen
Wiedervereinigung
GOTT vor dem du bist
lohne in dir die Liebe
und Treue die staerker ist
als der Tod.
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Auguste Böhmer ihrer Mutter Caroline einen Trunk reichend (fec. Thorvaldsen, 1841)


August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

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Deutscher Germanist und Dichter; auf Anregung der Brüder Grimm beschäftigte sich Heinrich mit der älteren deutschen Literatur und Volksdichtung, wurde 1823 Kustos der Bibliothek in Breslau, sowie 1830 Professor der deutschen Sprache und Literatur. 1842 wurde er wegen seiner Unpolitischen Lieder (1840-41) entlassen und des Landes verwiesen; führte daraufhin ein unstetes Wanderleben, bis er 1848 schließlich rehabilitiert wurde. Ab 1860 lebte Heinrich als Bibliothekar des Herzogs von Ratibor auf Schloß Corvey. Er veröffentlichte zahlreiche Gedichtbände mit freiheitlich-patriotischer Lyrik, Kinder- und
Liebesliedern. Mit Ernst Richter zusammen gab er 1842 die Sammlung Schlesische Volkslieder heraus. Über die Fachgelehrtenwelt hinaus bekannt, wurde er durch das 1841 auf der Insel Helgoland entstandene Deutschlandlied, heute die deutsche Nationalhymne.
Der ”Stille Winkel”, in den Hoffmann sich zurückzuziehen pflegte.
Lieder u.a: Alle Vögel sind schon da, Morgen kommt der Weihnachtsmann.
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Erste Strophe des Deutschlandliedes
Inschrift auf der Grabstele: Wie könnt ich Dein vergessen.

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Deutscher Dramatiker; der Sohn eines Arztes brach seine Jurastudien in München und Zürich ab und arbeitete als Journalist und Werbetexter, u.a. für die Firma Maggi als Reklamechef in den Jahren 1886/87; danach wurde er Zirkussekretär und Dramaturg. In den späten 1880er Jahres des 19. Jahrhunderts wurde er beeinflußt vom Naturalismus Gerhard Hauptmanns, dann von den neuen dramatischen Formen von August Strindberg und Georg Büchner. Ab 1885 lebte Wedekind abwechselnd in Berlin, München, Zürich, Dresden und Leipzig, hielt sich aber auch öfters in London und Paris auf. Wegen Majestätsbeleidigung mußte er für zwei Jahre ins Gefängnis (1899-1900). Um die Jahrhundertwende trat Wedekind in eigenen Stücken auf (z.B. in Wolzogens Überbrettl oder dem Müchner Kabarett Die Elf Scharfrichter) und war nebenher Mitarbeiter des Simplicissimus. Von 1905 bis 1908 gehörte er zum Ensemble des Deutschen Theaters in Berlin. Seine 1906 geborene Tochter Pamela (†1986) heiratete später Carl Sternheim. Nach seiner Heirat 1908 lebte er bis zu seinem Tode in München. Bei seiner Beisetzung kam es zu einem Eklat, da die Münchner Strichmädchen ihm als Verfechter der freien Liebe das letzte Geleit gaben und zudem der Schriftsteller Heinrich Lautensack (*1881, †1919)
einen Wahnsinnsanfall erlitt, von der er sich nicht mehr erholte. Die Aufführung vieler von Wedekinds antibürgerlichen Werken war zeitweise verboten, da sie als unsittlich galten. Heute gehören die Stücke des ”Bürgerschrecks” Wedekind zum Repertoire fast aller deutschsprachigen Bühnen. Wedekinds Dramen Erdgeist (1895) und Die Büchse der Pandora dienten als Vorlage für die Oper Lulu von Alban Berg und die Stummfilme Erdgeist (1923) von Leopold Jessner (*1878, †1945) und Die Büchse der Pandora (1929) von Georg Wilhelm Pabst mit der US-amerikanischen Schauspielerin Louise Brooks und Fritz Kortner in den Hauptrollen.
Titelseite der Erstausgabe von 1891
Werke u.a.: Die junge Welt (1890), Frühlings Erwachen (1891), Kammersänger (1899), Der Liebestrank (1899), Marquis von Keith (1901), So ist das Leben (1902), Totentanz (1906), Musik (1908), Schloß Wetterstein (1910), Bismarck (1916), Herakles (1917).
Galathea
Oh, wie brenn ich vor Verlangen,
Galathea, schönes Kind,
Dir zu küssen deine Wangen,
Weil sie so verlockend sind.
Daß ich auch die Gnade fände,
Galathea, schönes Kind,
Dir zu küssen deine Hände,
Weil sie so verlockend sind.
Und was tät ich nicht, du süße
Galathea, schönes Kind,
Dir zu küssen deine Füße,
Weil sie so verlockend sind.
Und mich treibt der Pulse Stocken
Galathea, schönes Kind,
Dir zu Küssen deine Locken,
Weil sie so verlockend sind,
Aber deinen Mund enthülle,
Mädchen, meinen Küssen nie,
Denn in seiner Reize Fülle,
Küßt ihn nur die Phantasie.

Paris, Cimetière du Montmartre


Maulbronn, An der Klosterkirche
München, Waldfriedhof
Stefan Heym eigentl. Helmut Flieg
Deutscher Schriftsteller; der Sohn eines Kaufmanns besuchte das Gymnasiums in seiner Heimatstadt, das er jedoch vorzeitig wegen des Verfassens eines antimilitaristischen Gedichts verlassen mußte, so daß er sein Abitur in Berlin machen mußte; dort schrieb er auch erste Artikel u.a. für die Weltbühne Carl von Ossietzkys und studierte Germanistik und Philosophie sowie Zeitungswissenschaft. Nach der Machtergreifung durch die Nazis floh Heym nach Prag, wo er für deutschsprachige und tschechische Blätter schrieb. Vater und Bruder begingen Selbsttötung, in Deutschland kamen andere Familienmitglieder ins KZ; Heym ging nach Amerika, wo er an der Universität von Chicago weiterstudierte. Von 1937 bis 1939 war er Chefredakteur des Deutschen Volksecho, einer antifaschistischen, in New York erscheinenden Wochenzeitschrift. Nach dem Eintritt in die US-Armee nahm er an der Invasion in der Normandie teil und kam als Sergeant für psychlogische Kriegsführung zurück nach Deutschland. 1945 wurde Heym wegen prokommunistischer Umtriebe aus der Armee entlassen. Nach seiner Rückkehr in die USA gab er aus Protest gegen den Koreakrieg alle militärischen Auszeichungen zurück, gab seine US-Staatsbürgerschaft auf, verließ mit seiner Frau die USA und kam über Warschau und einem Aufenthalt in Prag 1952 nach Ost-Berlin. Die Jahre in der DDR waren geprägt von zunehmender Kritik an den Machtverhältnissen, die ihn wiederum mehr und mehr der Parteikritik aussetzten. Durch seinen im Jahre 1979 in der Bundesrepublik veröffentlichten Roman Collin, der eine Abrechnung mit der stalinistischen Ära darstellt, wurde Heym auch hier bekannt. Seine Stellung in der DDR wurde mehr und mehr eine ”geduldete”. Nach dem Fall der Mauer stellte sich Heym 1994 als parteiloser Kandidat in Berlin für einen Wahlkreis der Partei des demoktratischen Sozialismus (PDS) zur Verfügung, gewann das Direktmandat und zog in den Bundestag ein, wo er als Alterspräsident die Eröffnungsrede hielt, die von der CDU und FDP demonstrativ auf peinliche Weise boykottiert wurde. Sein ”Traum von einem demokratischen Sozialismus” hat sich für ihn nicht realisiert. Stefan Heym starb, während er in Jerusalem an einem Kongreß über Heinrich Heine teilnahm und in ein mit giftigen Flüssigkeiten gefülltes Becken stürzte.
Werke u.a.: Lassalle (1969), Der König David Bericht (1972), Ahasver (1981), Schwarzenberg (1984), 5 Tage im Juni (1989), Radek (1995), Pargfrider (1998).


Berlin-Weißensee, Jüdischer Friedhof



Corvey, An der Kirche
Die Grabstätte im 19. Jahrhundert

Schloß Corvey und Kirche



Omnibus salutem!