Charles Marie René Leconte de Lisle eigentl. Charles Marie Leconte

Französischer Lyriker; der Sohn eines ehemaligen napoleonischen Feldarztes und späteren Zuckerrohr-Plantagebesitzers wuchs bis 1822 auf der Île Bourbon, (heute Réunion) und anschließend in der bretonischen Stadt Nantes auf. Als die Familie von 1832 bis 1837 erneut auf die Insel übersiedelte, machte er dort seinen Schulabschluß, entdeckte Les Orientales von Victor Hugo und dessen Kusine Marie-Elixène von Lanux Naciede (*1821, †1840), in die er sich verliebte und die seine Muse wurde, und schrieb erste literarische Essays. 1838 erwarb Leconte de Lisle das Baccalaureate (Abitur) und begann im November in Rennes lustlos ein Studium der Rechtswissenschaften, das er jedoch nach wenigen Monaten wieder aufgab, woraufhin seine Familie die finanzielle Unterstützung einstellte; im Januar 1841 erwarb er schließlich doch noch den Abschluß in Jura. Nach einem erneuten kurzen Aufenthalt in seiner Heimat, ließ er sich schließlich 1845 dauerhaft in Frankreich nieder, lebte überwiegend in Paris und verdiente sich seinen Lebensunterhalt, indem er Zeitungsartikeln schrieb und eigene Lyrik veröffentlichte. In den politisch unruhigen Jahren in der französischen Gesellschaft bis 1848 engagierte er sich politisch - er war schon während seiner Studienzeit mit dem „socialisme évangélique“ von Félicité de Lamennais, eines der Begründer der katholischen Soziallehre, in Berührung gekommen - und schloß sich dem radikaleren Fourierismus an. Nach der blutigen Niederschlagung der Revolte, besonders aber dem Staatstreich Louis Napoléons (Napoléons III.) 1851 zog er sich desillusioniert aus der aktiven Politik zurück und widmete sich der Lyrik. Leconte de Lisle gilt als Vorbild und wichtigster Vertreter der Parnassiens, einer Gruppe von Dichtern, die sich am Prinzip “L’art pour l’art” orientierten. Seine formvollendeten Gedichte (“objektive Poesie”) verarbeiten meist Themen aus Mythologie und Geschichte, so in seinen drei Gedichtbänden Poèmes antiques (1852, dt. Alte Gedichte), Poèmes barbares (1862, dt. Barbaren-Gedichte), Poèmes tragiques (1884, dt. Tragische Gedichte). Außerdem übersetzte er altgriechischer Dichtung und Werke Horaz’. Leconte de Lisle, dessen Werke heute weitgehend in Vergessenheit geraten sind, erhielt, nachdem er sich schließlich mit dem Kaiserreich arrangiert hatte, ab 1864 eine Pension aus der persönlichen Schatulle Napoléons III., 1873 eine Stellung als Bibliothekar und 1886 einen Sitz in der Académie française.

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Réunion, Saint-Paul

Hinweis: Leconte de Lisle war zunächst auf dem Cimetière de Père Lachaise beigesetzt worden. Später wurden seine sterblichen Überreste auf die Insel Réunion transferiert.

Bilder: flickr.com/photos/dionysos73/503405850/in/photostream/
Bilder: Hartmut Riehm (01/2009)

Marianne Adelaide Hedwig Dohm

            

Deutsche Schriftstellerin und Frauenrechtlerin ; das vierte von insgesamt achtzehn Kindern des Tabakfabrikanten Gustav Adolph Gotthold Schlesinger; ihre Eltern legten keine großen Wert auf eine gute Allgemeinbildung der Mädchen. So mußte sie im Alter von 15 Jahren die Schule verlassen und in den elterlichen Haushalt zurückkehren. Erst als sie 18 Jahre alt wurde, wurde ihr der Besuch eines Lehrerinnenseminars gestattet. Die Erfahrungen der jungen Jahre prägten sie nachhaltig. In ihren ab Anfang der 1870er Jahre erschienenen Büchern, in denen sie die völlige rechtliche, soziale und ökonomische Gleichberechtigung von Frauen und Männern forderte, entlarvte sie die festgefügte traditionelle Rolle der Frauen als Ausdruck rein egoistische männliche Interessen. Sie verurteilte John Stuart Mills These, daß die Frau den Zweck ihres Daseins in sich selbst habe, und sie verwarf die These, daß Frau und Mann “von Natur aus” völlig verschiedene Wesen seien, die sich gegenseitig ergänzen. Ab 1873 forderte sie auch für die Frauen das Stimmrecht. Verheiratete war Hedwig Dohm seit 1853 mit Ernst Dohm, Chefredakteur des Kladderadatsch. Ihre gemeinsame Tochter Hedwig heiratete 1878 den Mathematikprofessor und Kunstmäzen Alfred Pringsheim, eines derer Kinder war Katia, die 1905 Thomas Mann heiratete.

Werke u.a.: Die wissenschaftliche Emancipation der Frau (1874), Der Frauen Natur und Recht. Zur Frauenlage (1876). 

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Berlin-Schöneberg, Alter St. Matthäus Kirchhof

Max Halbe

halbe_max_corinth1917_bild pinxit Lovis Corinth (1917)     halbe_max_bd

Deutscher Schriftsteller; Sohn eines Gutsbesitzers; studierte ab 1883 Rechtswissenschaften in Heidelberg, promovierte 1888 in München und ließ sich als freier Schriftsteller in Berlin nieder. 1893 erschien sein naturalistisches Bühnenstück Jugend, für das sich wegen moralischer Bedenken zunächst kein Theater zur Aufführung fand, das dann jedoch neben Gerhart Hauptmanns Stück Die Weber, zu einem großen Theatererfolg der Zeit wurde und Halbe bekanntmachte. Zwei Jahre später übersiedelte Halbe, der sich dort u.a. mit Franz Wedekind, O.E. Hartleben, und Ludwig Thoma befreundete und engen Kontakt mit Lovis corinth hatte, dLuise Halbe (Frau mit Strohhut) Lovis Corinth, Auf Amerland, 1898essen Ehefrau Luise er mehrmals malte, nach München, wo er Mitbegründer der Münchner Volksbühne war. Gegen Ende der 1890er Jahre begann er sich zunehmend vom Naturalismus ab- und einem neoromantisch geprägten Stil zuzuwenden. Nach der “Machtergreifung” der Nationalsozialisten bekannte er sich, ähnlich wie Gerhart Hauptmann, zunächst nicht öffentlich gegen die neuen Machthaber und hielt sich von der Politik fern, unterzeichnete jedoch im Oktober 1933 das Gelöbnis treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler.

Werke u.a.: Ein Emporkömmling (1889), Freie Liebe (1890), Der Amerikafahrer: Ein Scherzspiel in Knittelreimen (1895), Lebenswende (1896), Mutter Erde, (1897), Blaue Berge (1909), Die Elixiere des Glücks, (1936).

Autobiographie: Jahrhundertwende. Geschichte meines Lebens 1893-1914 (1935).

In Max Halbes Garten (pinxit Lovis Corinth, 1899)

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Neuötting, Alter Friedhof

Marieluise Fleißer

Deutsche Schriftstellerin; studierte ab 1919 in München Theaterwissenschaft bei Arthur Kutscher und Germanistik. Danach lebte sie als freie Schriftstellerin in Berlin. 1929 führte Bertold Brecht dort ihr Stück Pioniere in Ingolstadt auf, das sich zu einem Skandal ausweitete, da auf offener Bühne eine Entjungferung in Szene gesetzt wurde; als Folge wurde Fleißer in ihrer Heimatstadt zu einer persona non grata erklärt. Sie bereiste jetzt Schweden (1929) und Andorra (1930). Nachdem ihr auf ein Jahr befristeter Vertrag mit dem Kiepenheuer Verlag aufgelöst worden war und sie 1932 in große finanzielle Probleme geraten war, unternahm sie einen Suizidversuch. Als sie 1935 durch die Reichsschrifttumskammer mit Schreibverbot belegt worden war, kehrte sie nach Ingolstadt zurück, wo sie drei Jahre später den Sportschwimmer Josef Haindl (†1958) heiratete. Aufgrund der Repressionen durch die Nationalsozialisten erlitt sie 1938 einen Nervenzusammenbruch. Erst nach Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Tode ihres Ehemannes trat sie wieder literarisch in Erscheinung. Im Nachkriegsdeutschland wurde Fleißer, die Ende der 1960er Jahre durch Rainer Werner Fassbinder wiederentdeckt wurde, mehrfach ausgezeichnet, u.a. 1953 mit dem Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und 1967 mit dem Bayerischen Poetentaler.

Werke u.a.: Fegefeuer in Ingolstadt (1926), Der starke Stamm (1946), Abenteuer aus dem Englischen Garten (1969).

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Ingolstadt, Westfriedhof

Federico García Lorca

garcia_lorca1914_bdno_copyright  Bild: DionysosProteus

Spanischer Dichter; ältester Sohn eines liberal eingestellten Gutsbesitzers und einer Lehrerin; trotz seiner Vorliebe zur Musik studierte er ab 1914 auf Wunsch des Vaters Rechtswissenschaft, sowie Philosophie und Literatur in Granada und setzte das Studium später in Madrid fort, wo er in einer Residencia de Estudiantes (Studentenwohnheim) wohnte und mit denjenigen zusammentraf, die sich später als “Generation von 1927” bezeichneten: u.a. den Schriftsteller Juan Ramón Jiménez und den Regisseur Luis Buñuel (*1900, †1983), sowie den Dichter Rafael Alberti (*1902, †1999); zudem lernte er in Madrid Salvador Dalí und den Komponisten Manuel de Falla, mit dem er 1922 ein erstes “Festival des cante jondo” organisierte, kennen. 1929/30 lebte er in Amerika, wo er an der Columbia University studierte und Vorträge hielt. Nach der Rückkehr im Jahre 1931 wurde er Leiter des Studententheaters “La Barraca”, das die spanischen Klassiker in der Provinz spielte. Als 1936 der Spanische Bürgerkrieg begann, verließ er Madrid und ging in den Süden Spaniens, nach Granada, wo sein Bruder sozialistischer Bürgermeister war. Dort wurde er verhaftet und von Mitgliedern der Falange Española ermordet. García Lorca war eine vielseitige Künstlerpersönlichkeit: Er zeichnete, musizierte und komponierte; bekannt geworden ist er allerdings durch seine Lyrik, und seine Stücke zählen heute zum internationalen literarischen Repertoire. Überhaupt gilt er als einer der bekanntesten spanischen Autoren des 20. Jahrhunderts. Sein erstes erfolgreiches Bühnenwerk war das historische Drama Mariana Pineda (1928). In seine Dramen bedient er sich volkstümlicher Musik wie auch der Poesie des Surrealismus; sie sind geprägt von volkstümlichen Elementen der Landschaft Andalusiens und seiner Bewohner, insbesondere der Zigeuner, der “Gitanos”, für die er eine tiefe Verbundenheit empfand. Viele seiner Werke erschienen posthum.

Werke u.a.: Romancero gitano (1928, dt. Zigeunerromanzen), La zapatera prodigiosa (1930, dt. Die wundersame Schustersfrau), Poema del cante jondo (1931, dt. Dichtung vom tiefinnern Sang), Amor de don Perlimplín con Belisa en su jardín (1933, dt. In seinem Garten liebt Don Perlimplín Belisa), Bodas de sangre (1933, dt. Bluthochzeit), La casa de Bernarda Alba (entstanden 1933-36, Uraufführung 1945, dt. Bernarda Albas Haus).

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Hinweis: Der Verbleib des Leichnams García Lorcas ist nicht exakt bekannt. Die Stelle, an der er erschossen worden sein soll, ist durch einen Monolithen an einem Olivenbaum in dem Tal zwischen Viznar und Alfacar gekennzeichnet. Vermutlich wurde er hier in einem Massengrab verscharrt. Kürzlich (2009) wurde beschlossen, die sterblichen Überreste Garcia Lorcas zu exhumieren und eine Grabstätte zu errichten.

Bei Viznar (Prov. Granada)

Giovannino Oliviero (Giuseppe) Guareschi

 

Italienischer Schriftsteller, Karikaturist und Journalist; aus der Mittelklasse stammend, arbeitete er ab 1929 als Redakteur in Parma beim Corriere Emiliano, bevor er 1936 als Chefredakteur zu der humoristischen Wochenzeitung Bertoldo nach Mailand wechselte. Nach seiner Entlassung aus deutscher Kriegsgefangenschaft - er war von 1943 bis 1945 in verschiedenen Gefangenenlagern - gründete er in Mailand die satirische Wochenzeitschrift Candido, die er bis 1961 leitete. In ihr erschienen die ersten Geschichten über den Kleinkrieg zwischen dem streitbaren Dorfpfarrer Don Camillo und dem kommunistischen Bürgermeister Peppone, die der Verleger Rizzoli 1948 als Sammlung unter dem Titel Don Camillo et Peppone publizierte. Die Geschichten entwickelten sich rasch zu einem großen Publikumserfolg, so daß Anfang der 1950er Jahre die Verfilmung der Romane in Angriff genommen wurde. Ab 1952 kamen die Filme mit Fernandel als Don Camillo und Gino Cervi (*1901, †1974) als Peppone in die Kinos und gewannen sofort die Herzen nicht nur des italienischen Publikums. Nach der Demokratisierung Italien unterstützte Guareschi die Democrazia Cristiana (DC) und kritisierte in seiner Zeitschrift zunächst die Kommunisten, aber nach deren Niederlage bei der Wahl von 1948 die siegreiche Partei, dann die DC. 1954 kam es zu einem aufsehenerregenden Prozeß, da er zwei Briefe des ehemaligen Führers des italienischen Widerstands und vormaligen Ministers Alcide De Gasperi als Faksimile veröffentlicht hatte, in dem dieser die Alliierten aufgefordert hatte, die Vororte Roms zu bombardieren, um die italienischen Kollaborateure zu demoralisieren. Das Verfahren wurde zu Gunsten de Gasperis eingestellt, Guareschi mußte 409 Tage im Gefängnuís von Parma verbringen, sowie sechs weitere Wochen zur Bewährung in seinem Haus. Als im Jahre 1961 der “Candido“ eingestellt wurde, verstärkte sich Guareschis Hang zur Melancholie - wohl auch bedingt durch seine angeschlagene Gesundheit. 1956 hatte er sich bereits aus gesundheitlichen Gründen für einige Zeit in der Schweiz aufgehalten.

Werke u.a.: Il Compagno Don Camillo (1964, dt. Genosse Don Camillo), Don Camillo und die Rothaarige (posthum 1969).

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Busseto, OT Le Roncole Verdi, Friedhof San Michele

Giuseppe Beppe Fenoglio

 

Italienischer Schriftsteller und Partisan; nach Beendigung der Elemantarschule schickten seine Eltern ihn auf das Gymnasium "Govone" in Alba. Ab 1940 studierte er an der Fakultät der Künste an der Universität Turin, bevor er 1943 Offiziersausbilder zunächst in Ceva (Cuneo) und dann in Pietralata (Rom) wurde. Im September des selben Jahres schloß er sich einer Partisanengruppe an und beteiligte sich u.a. an den Kämpfen bei Carrù. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nahm er kurzzeitig sein Studium wieder auf, wandte sich dann aber der Schriftstellerei zu. 1949 erschien seine erste Erzählung Il trucco unter dem Pseudonym Giovanni Federico Biamonti. Im gleichen Jahr erschienen beim Verlag Einaudi seine Erzählungen Racconti della guerra civile und La paga del sabato. Sein bekanntester Roman Il partigiano Johnny wurde posthum und unvollständig im Jahr 1968 veröffentlicht.

Werke u.a.: Una questione privata. I ventitre giorni della città di Alba (1952), La malora (1954), Primavera di bellezza (1959), Un giorno di fuoco (1963), La paga del sabato (1969).

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Alba (Prov. Cuneo)

Schriftsteller CXXIII

Omnibus salutem!