Oscar Fingal O'Flahertie Wills Wilde

       

Irischer Schriftsteller; sein Vater war Arzt mit literarischen Ambitionen, seine Mutter die Dichterin und Übersetzerin Jane Lady Wilde; Wilde studierte zunächst am Trinity College in Dublin, bevor er das Studium der klassische Philologie 1874 am Magdalen College in Oxford fortsetzte. Dort errang er 1878, im Jahr, in dem er sein Studium beendete, den begehrten Newdigate-Preis für sein Gedicht Ravenna. Dort begann er auch, seinen Lebensstil als Dandy der Bohème zu kultivieren. 1879 ließ er sich in London nieder, heiratete 1884 Constance Lloyd, und ließ sich in der Tite Street 34 im vornehmen Stadtteil Chelsea nieder, wo er bis 1895 nach dem Prozeß wohnen blieb. Die Verbindung mit der vermögenden Constance machte ihn finanziell unabhängig, so daß er sich ausschließlich seiner schriftstellerischen Arbeit widmen konnte.

Oscar Wilde mit Arthur Douglas

Noch während seiner Ehe mit Constance lernte er den 17-jährigen Robert Ross kennen, der sein erster Geliebter wurde. Als er Lord Arthur Douglas kennenlernte, beendete er die Beziehung zu Ross, der aber weiterhin als Lektor für ihn tätig blieb, sich in mühseliger Arbeit um dessen Nachlaß kümmerte und nach Wildes Tod unter anderem dessen offenen Brief De Profundis, den dieser während seiner Zeit im Gefängnis verfaßt hatte, veröffentlichte.

Wilde wurde auch durch sein exaltiertes Auftreten und seinen extravaganten Lebensstil zur zentralen Figur des gesellschaftlichen Lebens: Er galt als der Dandy par excellence. In seinem 1891 veröffentlichten Essay Der Sozialismus und die Seele des Menschen vertrat er allerdings die These, daß nur der Sozialismus geeignet sei, den Menschen zu wahrer Freiheit zu führen. 1895 wurde er aufgrund eines Sensationsprozesses, den der Vater seines Freundes Lord Arthur Douglas gegen ihn wegen Sodomie führte, zu zwei Jahren Gefängnis Hotel d’Alsace, Paris, 13 Rue des Beaux Arts (google street)verurteilt. Dort verfaßter er einen sehr umfangreichen Brief (De Profundis) an “Bosie” Douglas, dessen Inhalt vollständig erst 1949 veröffentlicht wurde. Er decouvrierte darin u.a. die schrecklichen Zustände im Gefängnis in Reading, in dem er einsaß. Als er 1897 -gesundheitlich sehr angeschlagen - entlassen wurde, floh er nach Frankreich. Unter dem Namen Sebastian Melmot, den er der Hauptperson des Romans Melmoth the Wanderer seines Großonkels Charles Robert Maturin entlehnte, ließ er sich in Paris nieder, wo er im Hotel d’Alsace, in dem später auch die Mistinguett ihren ständigen Wohnsitz einrichtete und Mata Hari und der Autors Jorge Luis Borges Gäste sein würden, völlig verarmt starb (der Wirt hatte ihn dort logiefrei untergebracht); seine Frau, die ebenfalls England verlassen, ihren Namen in Constance Holland geändert. und sich in Heidelberg niedergelassen hatte, war bereits kurz nach seiner Entlassung gestorben. Noch kurz vor seinem Tod war Oscar Wilde zum Katholizismus konvertiert.

Wilde verfaßte eine Reihe von Gesellschaftskomödien, darunter am bekanntesten Lady Windermere’s Fan (1892, dt. Lady Wintermeres Fächer), das die Oberklasse satirisch darstellt und als eines seiner besten Werke gilt, oder A Woman of No Importance (1893, dt. Eine Frau ohne Bedeutung), An Ideal Husband (1895, dt. Ein idealer Gatte) und The Importance of Being Earnest (1895, dt. Bunbury oder Ernstsein ist alles). Bekannt ist auch sein einziger Roman The Picture of Dorian Gray (1890, dt. Das Bildnis des Dorian Gray), dessen Erstfassung in Lippincott’s Monthly Magazine erschien.

Legende sind Oscar Wildes zahlreichen Bonmots, die gerne zitiert werden:

Werke u.a.: The Canterville Ghost (1887, dt. Das Gespenst von Canterville), Lord Arthur Savile’s Crime (1891, dt. Lord Arthur Saviles Verbrechen).

1882, während Wildes Aufenthalt in den Vereinigten Staaten

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Bild: Bettina Jakob (2005)

Paris, Cimetière du Père Lachaise

Bernd Heinrich Wilhelm von Kleist

           pinxit Kügelgen

Deutscher Dichter; Sohn eines preußischen Hauptmanns aus altem, verarmtem pommerschem Adel. Früh wurde er Waise - der Vater starb 1788, die Mutter im Februar 1793, kurz nachdem Kleist, der Tradition der Familie folgend, im Juni 1792 als Gefreiter-Korporal in das Garderegiment Potsdam eingetreten war. 1793 war er in Biebrich (heute zu Wiesbaden) stationiert, nahm bis 1795 am Rheinfeldzug teil und kehrte im Juni nach dem zwischen Preußen und Frankreich geschlossenen Sonderfrieden von Basel nach Berlin zurück. Er unternahm - noch Soldat - mit seinem Freund Otto August Rühle von Lilienstern (*1780, †1847), später Freiwilliger des Lützowschen Freikorps, eine Harzreise und begann sich autodidaktisch mit der Mathematik, mit Philosophie und Musik zu beschäftigen, und er entdeckte Christoph Martin Wielands, den er später besuchen wird. 1799 quittierte er - weil sich seine Auffassung nicht mit der geforderten deckte, den Dienst und begann im April 1799 Studien der Physik, Philosophie, Mathematik und Wilhelmine von ZengeStaatswissenschaften in Frankfurt (Oder) an der Viadrina, brach diese jedoch bald wieder ab. Dem Wunsch seiner Familie, sich wieder dem Staatsdienst zu widmen, entzog er sich durch eine Reise zusammen mit seiner Halbschwester Ulrike nach Dresden und Paris und alleine weiter in die Schweiz. Zuvor hatte er in einem Brief am 5.2.1801 an seine Schwester geschrieben: “Indessen sehe ich doch immer von Tage zu Tage mehr ein, daß ich ganz unfähig bin, ein Amt zu führen” und gegenüber seiner Verlobten Wilhelmine von Zenge (*1780, †1852), bekannt: “Wir können nicht entscheiden, ob das was wir Wahrheit nennen, wahrhaftig Wahrheit ist oder ob es uns nur so scheint." Er löste sein Verlöbnis mit Wilhelmine, die seinen Plänen nicht folgen wollte, und bezog 1802 ein Häuschen auf der Scherzliginsel (heute auch Kleist-Inseli genannt) in der Aare bei Thun in der Absicht, dort - angeregt durch die Ideen Rousseaus ("Zurück zur Natur") - ein bäuerliches Leben mit der Natur zu leben. Nach einer Überwinterung (1802/03) auf Christoph Martin Wielands Gut Oßmannstedt, wo er u.a. Goethe und Schiller begegnete, reiste er erneut u.a. nach Paris (1803), wo es zu einem seelischen und körperlichen Zusammenbruch kam (in seinem Brief an Ulrike vom 5.10.1803 schrieb er: ”Ich kann nicht mehr”). Sein Versuch, den ”schönen Tod der Schlachten” durch eine Teilname an Napoléons Landungskorp gegen England zu sterben, scheiterte, da man ihn von der Nordküste Frankreichs nach Paris zurückbrachte und danach nach pinxit Anton Graff: H.v.Kleist (?)Deutschland abschob. 1804 bewarb er sich um eine Anstellung im preußischen Finanzdepartement, wurde nach Königsberg versetzt und begann dort zugleich sein Studium wieder aufzunehmen.

pinxit Anton Graff: H. v. Kleist (?)

Doch schon zwei Jahre später ließ er sich krankheitshalber beurlauben und wandte sich intensiv seinen Dichtungen zu. Als er Anfang 1807 nach Dresden reiste, verhaftete man ihn wegen angeblicher Spionage gegen Frankreich und verbrachte ihn in ein Lager in Frankreich, aus dem er erst nach dem Frieden von Tilsit (7.7.1807) wieder entlassen wurde. In Dresden, wo er seine fruchtbarste Schaffensperiode hatte, hatte er eine Reihe von bekannten Persönlichkeiten kennengelernt (u.a. Adam Heinrich Müller, Gerhard von Kügelgen, Christian Gottfried Körner, den Vater von Karl Theodor Körner, und Ludwig Tieck), und er redigierte den Phoebus, in dem Teilvorabdrucke seiner Dramen Penthesilea und Das Käthchen von Heilbronn sowie der Erzählungen Die Marquise von O... und Michael Kohlhaas erschienen, eine Zeitschrift die, obwohl sehr anspruchsvoll, nur ein Jahr (1808) überlebte. Die Penthesilea wurde von Cotta zwar 1808 verlegt, befremdete jedoch die Zeitgenossen wie auch Goethe sehr. Am 24. Januar 1808 schrieb Kleist an Goethe: "Es ist auf den Knien meines Herzens, daß ich vor Ihnen erscheine.", als er diesem Auszüge aus seiner Penthesilea schickte. Goethes Ablehnung hat Kleist in seinem Selbstvertrauen mit der Wirkung nachhaltig erschüttert, daß er die Bühnentauglichkeit seiner Stücke selbst in Frage stellet. Ebenso scheiterte eine Aufführung von Der zerbrochene Krug in Weimar, die Goethe angeregt hatte. Nachdem Kleist mit seinen literarischen Werken keinerlei Anerkennung finden konnte, schrieb er Die Hermannsschlacht, mit der er zum Kampf gegen Napoléon aufrufen wollte, und plante in Prag die Herausgabe einer politischen Wochenzeitschrift, deren Erscheinen er wegen der Niederlage der Österreicher gegen das französische Heer bei Wagram (6.7.1809) aufgeben mußte. Ende des Jahres kehrte er nach Berlin zurück und verkehrte im Freundeskreis um Achim von Arnim (u.a. Clemens von Brentano, Friedrich de la Motte Fouqué und Adam Heinrich Müller). Versuche, das preußische Königshauis auf sich aufmerksam zu machen, mißlangen, zudem wurde die Aufführung des Das Käthchen von Heilbronn vom Berliner Schauspieldirektor August Wilhelm Iffland abgelehnt; auch sein letztes Schauspiel, Prinz Friedrich von Homburg, fand keine Anerkennung. Zum Scheitern verurteilt war auch der Versuch, mit den Berliner Abendblättern die erste Tageszeitung der preußischen Hauptstadt herauszugeben. In ihr hatte er u.a. seinen bedeutenden Essay über das Marionettentheater publiziert. Nach nur einem halben Jahr mußte die Zeitung wegen Schikane der Behörden im März 1811 eingestellt werden. Nachdem er außerdem durch den Tod der Königin Luise (19.7.1810) seiner kleinen Rente verlustig gegangen war, er sich von seinem Vaterland und seiner Familie verstoßen fühlte, nahm er sich gemeinsam mit der schwerkranken Henriette Vogel das Leben. Das Manuskript eines möglicherweise autobiographisch aufschlußreichen Romans hatte er zuvor, vermutlich zusammen mit anderen Schriften, verbrannt.

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Kleists Abschiedsbrief

Kleists Werke, die lange Zeit verkannt wurden, sind erst in den 1920er Jahren von den Expressionisten und von Rilke und Kafka wiederentdeckt worden, in den 1930er Jahre dann auch von den Nationalsozialisten mißbraucht, insbesondere Die Hermannsschlacht,, die 1808 entstand.

Trauerspiele: Familie Schroffenstein 

Dramen: Prinz von Homburg, Käthchen von Heilbronn.

Lustspiele: Der zerbrochene Krug, Amphytrion.

Erzählungen: Das Erdbeben in Chili, Die Marquise von O, Michael Kohlhaas, Die Verlobung in St. Domingo.

Erwäg ich, wie in jenen Schreckenstagen,
Still deine Brust verschlossen, was sie litt,
Wie du das Unglück, mit der Grazie Tritt,
Auf jungen Schultern herrlich hast getragen,
Wie von des Kriegs zerrißnem Schlachtenwagen
Selbst oft die Schar der Männer zu dir schritt,
Wie, trotz der Wunde, die dein Herz durchschnitt,
Du stets der Hoffnung Fahn uns vorgetragen:
O Herrscherin, die Zeit dann möcht ich segnen!
Wir sahn dich Anmut endlos niederregnen,
Wie groß du warst, das ahndeten wir nicht!
Dein Haupt scheint wie von Strahlen mir umschimmert;
Du bist der Stern, der voller Pracht erst flimmert,
Wenn er durch finstre Wetterwolken bricht!
An Luise von Preußen

 

 

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Hinweis: La Fontaine war ursprünglich auf der Cimetière des Innocents beigesetzt worden, der im November 1780 auf Geheiß des Polizeidirektors dauerhaft geschlossen wurde (der Friedhof wird übrigens in Patrick Süskinds Roman Das Parfüm erwähnt). Überführt wurden La Fontaines Gebeine daraufhin auf die jetzigen Ruhestätte.

Hinweis: Wilde wurde zunächst auf der Cimetière de Bagneux im Beisein von nur 6 “Getreuen” beigesetzt; 1909 wurden seine sterblichen Überreste an den heutigen Platz überführt. Ebenfall hier beigesetzt wurde die Asche Robert Baldwin Ross', der 1918) verstarb. Sein Name ist jedoch nicht graviert. Es war die Bedingung, unter welcher Ross, als Testamentsvollstrecker, die Finanzierung des Grabmals übernommen hatte. Seine Urne wurde 1950, anläßlich des 50. Jahrestags des Todes Oscar Wilde's, hierher transferiert.

Oscar Wildes Ballade vom Zuchthaus in Reading

Bild: Bettina Jakob (2005)
Bild: Katie Vesser (03/2006)

Paris, Cimetière du Père Lachaise

Paris, Cimetière du Père Lachaise

Berlin, Kleiner Wannsee

Kleists Grab um 1850

Vortrag am Grabe v. Kleists (1914)

Auszug aus Kleists Pentesilea

Bild: Matthias Bauer (2005)

Jane Austen

                                   

Englische Erzählerin; die Tochter eines Landpfarrers wurde zusammen mit ihren sieben Geschwistern privat erzogen, wohnte während ihres gesamten Lebens mit ihrer Familie zusammen. Bereits als Kind schrieb pinxit Cassandra Austensie Geschichten für ihre Eltern und Geschwister, von denen einige erst posthum veröffentlicht wurden. 1801 verließ die Familie Steventon und ließ sich in Bath nieder. Die Ortsveränderung versetzte sie in einen Schockzustand, der sich auch auf ihre Produktivität auswirkte; während der Zeit in Bath schrieb sie kaum noch. Sie überarbeitete lediglich ihren Briefroman Lady Susan und begann die Arbeit an einem neuen Raman, The Watsons, die sie aber bald wieder einstellte. Nach dem Tod ihres Vaters im Jahre 1805 geriet die Familie in wirtschaftliche Not, so daß dessen Witwe mit den Töchtern nach Southampton zog, wo die Damen bei ihrem Bruder Frank und dessen Frau Mary Unterkunft bezogen und auf dessen Unterstützung angewiesen waren. In dieser Zeit schrieb sie keine Zeile. Im Juli 1809 nahmen sie das Angebot ihre Bruders Edward an, zu ihm auf sein Anwesen in Chawton zu ziehen. Während dieser siebeneinhalb Jahre überarbeitete sie ihre Romane Sense and Sensibility (1811, dt. Verstand und Gefühl) und Pride and Prejudice (1813, dt. Stolz und Vorurteil) und publizierte sie 1811 bzw. 1813. Zugleich kehrte sie zu ihrer alten Produktivität zurück

Titelblatt der Erstausgabe von 1811

Austen schildert in geistreicher und ironischer Art das Leben und Treiben auf dem Lande. Für die zwischen 1796 und 1798 verfaßten Werke fand sich für mehr als 15 Jahre lang kein Verleger, und für das, was veröffentlicht wurde, war als Verfasser nur "By a Lady" angegeben. Mehrere ihrer Erzählfragmente erschienen erst lange nach ihrem Tode. Ab Frühjahr 1816 fühlte Jane Austen sich unwohl, ignorierte aber die Anzeichen einer beginnenden Krankheit und setzte ihr schriftstellerische Tätigkeit fort.

Austens Testamentzoom

Bald war sie nicht mehr in der Lage, sich frei zu bewegen; um sich fortbewegen zu können, verwendete sie einen Eselskarren. Ab April 1817 war sie ans Bett gefesselt. Schließlich brachten ihr Bruder Henry und ihre Schwester Cassandra sie zur medizinischen Behandlung nach Winchester, wo sie im Alter von nur 41 Jahren - vermutlich an den Folgen der Tuberkulose - verstarb. Mehrere ihrer Romane wurden - teilweise mehrfach - verfilmt.

Inschrift: In Memory of Jane Austen ,youngest daughter of the late Revd Georges Austen, formerly Rector of Steventon in this County She departed this Life on the 18th of July1817, aged 41, after a long illness supported with the patience and hopes of a Christian. The benevolence of her heart,the sweetness of her temper, and the extraordinary endowments of her mind obtained the regard of all who knew her and the warmest love of her intimate connections. Their grief is in proportion to their affection they know their loss to be irreparable,but in their deepest affliction they are consoled by a firm though humble hope that her charity, devotion, faith and purity have rendered her soul acceptable in the sight of her Redeemer.

Werke u.a.: Mansfield Park (1814), Emma (1815), Elisabeth und Darcy (1816).

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Winchester, Cathedral

Annette Freiin von Droste-Hülshoff eigentl. Anna Elisabeth Franzisca Adolphine Wilhelmine Ludovica Freiin Droste zu Hülshoff

                    1845

Deutsche Dichterin; entstammte einem altwestfälischen, katholischen Adel. Infolge ihrer Frühgeburt zeitlebens von kränklicher Konstitution, erhielt sie eine Erziehung durch einen Privatlehrer und führte später ein zurückgezogenes Leben. Ab 1846 wohnte sie dauerhaft bei dem Mann ihren Schwester Jenny, dem Germanisten und Schriftsteller Freiherrn Joseph von Laßberg, auf dem Alten Schloß Meersburg, das dieser 1837 erworben hatte.

Statue außerhalb des Schlosses in Meersburg

1843 erwarb sie das Fürstenhäusle, ein Haus am Stadtrand inmitten der Weinberge in Meersburg, bewohnte es jedoch nicht dauerhaft. Obwohl ihr Gesundheitszustand am Vormittag des 24.5.1848 von ihrem Arzt zwar noch als ungefährlich konstatiert worden war, starb sie am frühen Nachmittag - vermutlich an einer Lungenembolie. Sie gilt als eine der bedeutendsten deutschen Dichterinnen. Ihr lyrisches Werk ist nicht sehr umfangreich, aber mannigfaltig: Lyrik, vier größere Versepen, die Novelle Die Judenbuche, religiöse Jugendgedichte wurden z.T. erst nach ihrem Tode herausgegeben. Ihre Werke basieren auf katholischer Frömmigkeit, aber zugleich auch heidnischer Naturverbindung. Droste-Hülshoff, die eine Vorliebe für männliche Kleidung hatte, war befreundet mit Adele Schopenhauer und Ottilie von Goethe.

Bis 2001 gültige 20 DM-Banknote, auf der unter Bezug auf die Novelle auf der Rückseite die Judenbuche abgebildet ist.

 

 

Der Knabe im Moor (Anfang)

     O schaurig ist's übers Moor zu gehn,
     Wenn es wimmelt vom Heiderauche,
     Sich wie Phantome die Dünste drehn
     Und die Ranke häkelt am Strauche,
     Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,
     Wenn aus der Spalte es zischt und singt,
     O schaurig ist's übers Moor zu gehn,
     Wenn das Röhricht knistert im Hauche!
     
     Fest hält die Fibel das zitternde Kind
     Und rennt als ob man es jage;
     Hohl über die Fläche sauset der Wind -
     Was raschelt drüben am Hage?
     Das ist der gespenstige Gräberknecht,
     Der dem Meister die besten Torfe verzecht;
     Hu, hu, es bricht wie ein irres Rind!
     Hinducket das Knäblein zage.
Droste-Hülshoff: Gedichte, Ausgabe 1844

Bild: Engbert May (12/2014)
Bild: Engbert May (12/2014)

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Bild: Claus Harmsen (stone & art, 06/2007)
Bild: Claus Harmsen (stone & art, 06/2007)
Aufnahme ca. 1973

Meersburg, Friedhof

Locarno (CH), Friedhof Santa Maria in Selva

Erich Maria Remarque eigentl. Erich Paul Remark

(r.)mit M. Dietrich und Josef von Sternberg

Deutscher Schriftsteller; der Sohn eines Buchbinder nahm am Ersten Weltkrieg teil, wurde aber wegen einer schweren Verletzung abgezogen, nach 1918 arbeitete er u.a. als Volksschullehrer, Journalist und Verkäufer von Grabsteinen. In den 1920er Jahren arbeitete er als Reklametexter, später als Redakteur der Berliner Illustrierten Sport im Bild. Literarischen Durchbruch erlangte er mit seinem Weltkriegsroman Im Westen nichts Neues (1929). Von den Nationalsozialisten angefeindet (seine Bücher wurden verbrannt), verließ er kurz nach der Machtergreifung Hitlers 1933 Deutschland; 1938 wurde er ausgebürgert. Von der Schweiz aus, wo er sich zunächst aufhielt, erkundete er gemeinsam mit Else Lasker-Schüler Fluchtwege für Emigranten. Seit 1939 lebte er in den Vereinigten Staaten, wo er erst 1947 die Staatsbürgerschaft annahm. Ab 1948 lebte er abwechselnd in den USA und im schweizerischen Porto Ronco; einige Jahre bewohnte er die ehemalige Böcklin-Villa in Ascona. Remarque, der ein großbürgerliches Leben führte, hatte Beziehungen zu zahlreichen Frauen, u.a. zu Marlene Dietrich und Greta Garbo, Beziehungen, unter denen er oftmals sehr litt. Verheiratet war er in dritter Ehe seit 1958 mit der US-amerikanischen Schauspielerin Paulette Goddard, der früheren Ehefrau Charlie Chaplins, mit der er in Ronco bis zu seinem Tode zusammenlebte.

Werke u.a.: Der Weg zurück (1930/31), Liebe Deinen Nächsten (1939/41), Arc de Triomphe (1945), Zeit zu leben und Zeit zu sterben (1954), Der schwarze Obelisk (1956), Die Nacht von Lissabon (1961/62), Das gelobte Land (1970), Schatten im Paradies (1971).

Blick von der Grabstätte Remarques vom Friedhof auf den Lago Maggiore:

 

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Ronco sopra Ascona

Molière eigentl. Jean Baptiste Poquelin

      Rekonstruktion (c) BKA,2002

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Französischer Komödiendichter; der älteste Sohn eines wohlhabenden Tapezierers und königlichen Kammerdieners kam schon früh mit dem Theater in Kontakt, studierte Rechtswissenschaften in Orléans, gründete 1643 mit Joseph Béjart dasIllustre Théâtre, zog nach dessen Schließung 1645 mit einer Wandertheatertruppe 13 Jahre lang durchdie Provinzen Frankreichs, verwandte ab dieser Zeit das Pseudonym Molière. Nach seiner Rückkehr nach Paris im Jahre 1658 sah Ludwig XIV. Molière das erste Mal in der Salle des Gardes im Louvre. Ludwig ist von dessen Interpretation Pierre Corneilles Nicomède und besonders von der anschließenden Vorführung des Stückes Der verliebte Arzt - im Gegensatz zu seinem Hof - so beeindruckt, daß er die Theatertruppe unterstützte. Als Molière am 18.11.1659 die Komödie Les Précieuses ridicules (dt. Die lächerlichen Preziösen), eine Verspottung der gekünstelte Sprechweise und die wirklichkeitsfremden Denkweisen der Preziösen, im Théâtre du Petit-Boubon, das die Truppe jetzt gelegentlch benutzen durfte, aufführte, fühlten sich die in dem Stück Angegriffenen, die “Wichtigen in der Gesellschaft”, lächerlich gemacht und wollten es verbieten. Der König allerdings erlaubte die weitere Aufführung, und es wurde zu einem großen Erfolg. Ab 1661 durfte Molière auch das Schauspielhauses im königlichen Palast als Spielort benutzen. Und Kardinal Mazarin setzte ihm eine Leibrente aus. Aufgrund seiner gesicherten Stellung konnte Molière sich als Dramatiker, Schauspieler, Regisseur und Theaterdirektor bis zu seinem Lebensende ganz der Komödie widmen. Allerdings gab es auch immer wieder Widerstand gegen seine Stücke: Als im Mai 1664 die Verskomödie Tartuffe ou L'Imposteu (dt. Der Tartuffe oder Der Betrüger) aufgeführt wurde, brach nach der Aufführung Empörung beim ”alten Hof“ aus, und Molière mußte sich in den folgenden Jahren immer wieder gegen die Intrigen des “Klüngels der Frommen“, wie er sie nannte, zur Wehr setzen. Dieser ständige Kampf gegen seine Widersacher zerrütteten allmählich seine Gesundheit. Am 17.2. 1673, bei der vierten Aufführung seiner ProskomödiArmande Béjarte Madeleine BéjartLe Malade imaginaire (1673, dt. Der eingebildete Kranke) erlitt er einen Schwächeanfall und starb wenig später in seiner nahe gelegenen Wohnung in der rue de Richelieu.

Verheiratet war Molière seit dem 20.2.1662 mit Armande Béjart (*1642, † 1700). Ungeklärt ist, ob sie die Tochter der Schauspielerin Madeleine Béjarts (*1618, †1672), seiner langjährigen Partnerin und Weggefährtin, war. Sie übernahm nach seinem Tod für mehrere Jahre die Leitung der Truppe.

Werke u.a.: L'École des maris (1661, dt. Schule der Ehemänner), L'École des femmes (1662, dt. Die Schule der Frauen), Le Misanthrope ou l'Atrabilaire amoureux (1666, dt. Der Menschenfeind), L'Avare (1668, dt. Der Geizige).

Inschrift: Ossa L.B. Poquelin Moliere Parisini comoedle principis hic translata et condita a.s. MDCCCXVIII curante urbis praefecto comite Gvil. Chabrol de Volvic obiit an.s. MDCIXXIII aetatis LI.

Ludwig XIV. lädt Molière zu einem gemeinsamen Essen ein (historisch nicht belegt. pinxit Jean-Léon Gérôme, 1863).

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Fanny Liane Wilhelmine Sophie Auguste Adrienne Gräfin zu Reventlow

                       ~1900

Deutsche Schriftstellerin; viertes Kind einer geborenen Reichsgräfin zu Rantzau und Ludwigs Graf zu Reventlow, Landrat von Husum. Schon früh leistete sie Widerstand gegen die Erziehung zur ”höheren Tochter” und die enge, seinerzeit gängige Sexualmoral. Nach der Pensionierung des Vater zog sie 1889 mit der Familie nach Lübeck, wo sie ab 1890 gegen den Willen der Eltern das private Roquettesche Lehrerinnenseminar besuchte und es zwei Jahre später mit der “Befähigung für den Unterricht an höheren und mittleren Mädchenschulen“ erfolgreich verließ. Mit 21 Jahren trennte sie sich von der Familie, heiratete 1894 einen Gerichtsassessor, den sie in Hamburg kennengelernt hatte und der ihr ab 1893 ein Malstudium, in dem sie nicht reüssierte, in München finanzierte, trennte sich jedoch bereits nach einem Jahr wieder von ihm (Scheidung 1897). Vor dem Ersten Weltkrieg war sie schillernder Mittelpunkt der Münchner Bohème, wo sie sich ihr freies und unstetes Leben (sie zog z.B. innerhalb Münchens ein Dutzendmal um) durch Übersetzungen und Artikel für den Simplicissimus und anderen Zeitschriften finanzierte; wegen eines ihrer Artikel wurde sie angezeigt, mußte aber - anders als Ludwig Thoma - nicht ins Gefängnis. Sie versuchte sich als Schauspielerin, betrieb zeitweise ein Milchgeschäft und arbeitete als Glasmalerin, wurde als "heilige Hetäre"  gefeiert. Sie hatte zahlreiche Beziehungen zu Männern, u.a. war sie mit Rainer Maria Rilke und Ludwig Klages befreundet. Ab 1909 lebte sie vor allem in der Schweiz, zunächst in Ascona, später dann in Muralto am Lago Maggiore. 1911 heiratete sie einen baltischen Baron, verlor aber das durch die Ehe erworbene Vermögen 1914 wieder durch einen Bankbankrott. Fanny zu Reventlow starb an den Folgen eines Fahrradsturzes.

Franziska (2.v.r.) im Kreise ihrer Geschwister

 

 

Werke: Skizzen, Romane und Schilderungen des Lebens in Schwabing. Ihr von ihr über 15 Jahre nahezu täglich geführtes Tagebuch, gehört zu den bewegendsten Zeugnissen der Jahrhundertwende.

1905

Im Jahre 1905

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Bild: Kay (11/2011)
Bild: Kay (01/2012)

Hinweis: 2011 wurde das Grab renoviert und zugleich mit einer Glaswand umzäunt, um es vor den zahlreichen Küssen der Verehrer zu schützen. Dennoch ist das Grabmal auch jetzt immer wieder das Ziel von “Fans” die die Glaswand erfolgreich überwinden. Das rechts auf dem Photo sichtbare Kreuz wurde von einem Verehrer bei dem Versuch abgebrochen, von dort aus an das Grab heranzukommen.

Schon früher hat das Grabmal immer wieder Beschädigungen erlebt. Ursprünglich war der Engel mit einem ausgeprägten männlichen Geschlechtsteil versehen, das aufgrund von Protesten jedoch mit einem Feigenblatt abgedeckt wurde. Studenten entferten das Feigenblatt und schlugen dabei auch das Objekt des Anstoßes ab, das nicht wieder ersetzt wurde.

Bilder: Annie Grillet (2011)

Grabstätte vor der Fertigstellung des Grabmals, das der Bildhauer Jacob Epstein (*1880, †1959) 1911 schuf und das erst 1914 enthüllt wurde.

Jean de La Fontaine

Französischer Dichter; studierte in Reims Theologie und Jurisprudenz, war viele Jahre als Forstmeister der Grafschaft Château-Thierry der Nachfolger seines Vaters, zog 1658 nach Paris, wo er u.a. von der Bankierswitwe Marguerite de la Sablière und Anne Marie Louise d’Orleans, der “Grande Mademoiselle”, einer Nichte Ludwigs XIII., gefördert wurde. Gegen den Widerstand Ludwigs XIV. wurde er 1684 in die Académie française aufgenommen. Durch seine Fables (1668 u. 1694) bzw. Fables choisies mises en vers (1668-78/79 und 1694, dt. Fabeln), die schließlich zwölf Bücher umfaßten, die seinen literarischen Ruhm begründeten und für die er die Motive aus der antiken Literatur bei Anakreon, Petronius und Apuleius, aber auch aus der italienischen und französischen Literatur bezog, wurde er berühmt und zugleich zum Erneuerer dieser Gattung. Zu La Fontaines Gesamtwerk gehören aber auch Gedichte, Opernlibretti und Dramen. La Fontaine war u.a. mit Jean Racine, Molière und Nicolas Boileau-Despréaux befreundet

Werke u.a.: Les Amours de Psiché et Cupidon (1669, dt. Amor und Psyche).

Inschrift: Heic iacet Ioh. La Fontaine Castrotheodoricus in Aesopiis fabellis condendis recentiorum unicus babriae et Phoedri victor potiusquam aemulus vixit an. LXXIV obiit a.s. MDCIXXXXV Guil. Chabrol de Volvic comes praefectus urbis poetae corpus aliunde translatum monumento inferri curavit a.s.MDCCCXVII (...Guil. Chabrol, Präfect der Bürgerschaft dieser Stadt, hat den Körper des Dichters von woanders her in dieses Monument transferieren lassen im Jahre 1817).

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Hinweis: Eine kirchliche Beisetzung Molières wurde zunächst abgelehnt, da ihm kein Priester das Sakrament gereicht hatte. Erst nachdem sich die Theatertruppe an den König gewandt hatte, wurden seine sterblichen Überreste am 21.2.1673 auf dem cimetière Saint-Joseph beigesetzt, allerdings auf dem für ungetaufte Kinder vorgesehenen Teil. Am 6. Juli 1792 wurden seine Gebeine während der Französischen Revolution von den Revolutionären exhumiert und, um ihn zu ehren, in das musée des monuments français, das im Zuge der Verstaatlichung zur aufnahme kirchlicher und weltlich-feudaler Monmente eingerichtet worden war, transferiert. Als das Museum mit der Restitution der Monarchie 1818 geschlossen werden sollte, überführte man den Sarg Molières am 2. Mai 1817 an den heutigen Platz

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(*)  Geburtsdatum lt. Grabstein war der 12.Januar 1797

Bild: Claus Harmsen (stone & art, 06/2007)
Bild: Egbert May (12/2014)
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Aufnahme aus dem Jahre 1973

Bilder: Klaus Meinert (08/2017)

Hinweis: Die Angabe in Bezug auf das Geburtsdatum v. Kleists differieren; im Allgemeinen wird der 18. Oktober angegeben; v. Kleist selber nannte den 10. Oktober 1777.

Bild: cimetière parisien de Bagneux
Bild: cimetière parisien de Bagneux

Bagneux (Dép. Hauts-de-Seine), Cimetière de Bagneux

Inschrift: verbis meis addere nihil audebant et super illos stillabat eloquium meum  JOB XX. IX. 22 [dt. Meinen Worten wagten sie nichts hinzuzufügen, und meine Rede troff auf sie herab.]

Schriftsteller

Omnibus salutem!