Wera Nikolajewna Figner [russ. Вера Николаевна Фигнер]

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Russische Revolutionärin; Tochter eines russischen Adligen, wohlhabenden Waldbesitzers und Friedensrichters; sie wuchs mit ihren sechs Geschwistern ohne Kontakt zu anderen Menschen in dem abseits gelegenen Elternhaus auf. ”Ich kann nicht sagen, daß ich eine lichte Kindheit gehabt hätte... Liebe fanden wir Kinder nur bei unserer alten Kinderfrau, die bereits von meinem Großvater aus der Leibeigenschaft entlassen worden war1. Sie wurde zunächst von Hauslehrern unterrichtet, kam aber mit 11 Jahren in das staatliche Mädchenpensionat “Institut” in Kasan, von dem sie erst - abgesehen von vier Heimfahrten während der Sommerferien - 1869 wieder auf das Gut der Familie zurückkehrte. Sie war fast immer die jahrgangsbeste Schülerin des Instituts gewesen, aber in keiner Weise in Kontakt mit dem Alltag in Rußland in Berührung gekommen. figner_jelomagazinSie überlegte nun, ob sie Volksschullehrerin oder Schauspielerin werden sollte, bevor sie in der literarisch-politischen Monatszeitschrift Дело (Djelo) eine Notiz von der Promotion in Medizin von Nadeschda Suslowa an der Universität in Zürich las (Frauen war in Rußland zum Studium nicht zugelassen), wollte sie Ärztin werden. “In mir entstand der Wunsch, etwas Gutes zu leisten...etwas so Gutes, daß mir selbst und anderen davon wohl werde”. Der Vater war dagegen, versuchte sie durch eine Heirat von ihrem Plan abzulenken. Tatsächlich - sie war zu der Überzeugung gekommen, “Große Entschlüsse muß jeder Mensch für sich selbst fassen” - heiratete sie am 16.10.1870 Alexej Viktorowitsch Filipow, den sie jedoch schließlich überreden konnte mit ihr und ihrer Schwester Lydia gemeinsam nach Zürich zu gehen, wo sie im Frühjahr 1872 ein Studium der Medizin aufnahm (Deutsch hatte sie schon im Pensionat gelernt, und ihre Mutter hatte ihr Ausgaben von Goethe und Schiller in der Originalsprache geschenkt). Dort schloß sie sich 1873 einer Vereinigung von 13 auch aus Rußland stammenden radikalen Studentinnen, dem sog. Fritsche-Zirkel an, der sich regelmäßig in der Pension eines Fräulein Fritsche stattfand, in der die meisten Mitglieder, die später allesamt wichtige Positionen in der All-Russischen sozialrevolutionären Organisation einnahmen, wohnten. Zunächst war sie dort zunächst nicht gern gesehen: “Sie luden mich nicht ein, weil sie meinen Mann nicht mochten”. Tatsächlich zerbrach die Ehe; Filipow verließ Zürich. Franziska Tiburtius, die dort auch studierte, erinnerte sich später an Wera Figner als an ein “rätselhaftes Wesen”, wie die russischen Studentinnen allesamt wegen ihres exotischen Aussehens und Benehmens den Zürichern unheimlich waren. Im Sommer 1872 kamen Bakunin und Pjotr Lawrow (*1823, †1900) nach Zürich, warben für ihre Ziele und beeindruckten die “Kosakenpferdchen”. Damals schon galt Wera Figner als radikale Feministin. Während die meisten dieser Studentinnen wegen politischer Aktivitäten relegiert wurden und nach Rußland zurückkehrten, blieb sie weiterhin in Zürich und begann im Herbst 1873 mit ihrer Dissertation. Erst als sie 1875 erfuhr, daß ihre ehemaligen Kommilitoninnen ihre Hilfe benötigten, kehrte sie (ohne die Dissertation beendet zu haben in ihre Heimat zurück - ohne densemlja_wolja_zeichen Hilferufenden helfen zu können. Sie erwarb eine Lizenz als Sanitäterin und ließ sich von ihrem Mann Alexej Filippow scheiden. Im Folgejahr wurde sie Mitglied der illegalen Vereinigung Земля и воля (Semlja i wolja, Land und Freiheit). Sie nahm an verschiedenen Demonstrationen teil, u.a. in Samara und Saratow. Nach der Spaltung von Земля и воля wurde sie Mitglied des Exekutivkomitees der daraus hervorgegangenen Organisation Народная воля (Narodnaja narodnaja_woljaWolja, Volkswille), deren Ziel die Abschaffung der Alleinherrschaft des Zaren war, sowie die Institution einer Verfassung, freier und allgemeine Wahlen und allgemeine Pressefreiheit. 1880 war sie an der Planung des mißlungenen Attentats auf Alexander II. in Odessa und dem erfolgreichen Anschlag auf ihn am 1./13.3.1881 in Sankt Petersburg am Gribojedow-Kanal, dem Ort, an der heute die Auferstehungskirche (“Blutkirche”) steht, beteiligt. Am 10./22.2.1883 wurde Figner, die im Jahr zuvor noch versucht hatte, die zerschlagenen Organisation neu zu beleben, als letztes Mitglied des Exekutivkomitees der Narodnaja Wolja in Charkow verhaftet und verbrachte zunächst zwanzig Monate in Untersuchungshaft in der Peter-und-Paul-Festung in Sankt Petersburg. Nachdem sie 1884 zum Tode verurteilt worden war, die aber in lebenslänglich umgewandelt wurde, saß sie zwanzig Jahre in Schlüsselburg, auf der Insel der Toten, ein; einer der prominentesten Gefangenen war einst Iwan IV., der hier von 1756 bis zu seiner Ermordung 1764 gefangengehalten wurde.

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Feste Oreschek

Nach ihrer Entlassung im Jahr 1904 wurde sie nach  Archangelsk verbannt, bevor sie 1905 zu ihrer Schwester nach Nischni Nowgorod ging. 1906 reiste sie nach Finnland, damals ein autonomer Teil des russischen Reiches. 1901 gründete sie in Paris ein Komitee zur Unterstützung politischer Gefangener in ihrer Heimat, zog sich dann aber aus der Arbeit zurück und lebte bis 1915 in Clarens am Genfer See, bevor sie nach Nischni Nowgorod zurückkehrte, wo sie zunächst wiederum unter Polizeiaufsicht stand, bis sie 1916 endlich nach Sankt Petersburg zurückkehren durfte. Nach der Februarrevolution 1917 amnestiert, leitete sie das Komitee zur Hilfeleistung für befreite Sträflinge und Verbannte und war Mitglied der Konstituante, des Vorparlaments, das für Rußland eine Verfassung ausarbeiten sollte, aber am 5.1.1918 von Lenin aufgelöst wurde. Die Zeit während des Russischen Bürgerkrieges verbrachte sie bei Verwandten im Oblast Orjol. 1921 wurde sie in Moskau Vorsitzende des Komitees zur Ehrung des Revolutionärs Kropotkins, das in Kropotkins Geburtshaus in der Kropotkingasse No 26 ein Museum einrichtete. Bis zu ihrem Tod 1942 reiste sie mehrmals nach Kasan, um dort soziale und kulturelle Einrichtungen zu unterstützen. Wera Figner wurde fast neunzig Jahre alt. Wieland Herzefelde, der ihre Memoiren in seinem Malik-Verlag 1926 in deutscher Übersetzung herausbrachte und sie in Moskau besucht hatte, schrieb über sie als “die schönste alte Dame, die ich jemals erlebt habe”figer_cover. Sie sei wie “eine aristokratische Äbtissin” mit einem Gesicht ”von Güte und Milde geprägt”.

 

Werke u.a.: Die Gefangenen von Schlüsselburg (1920), Alexander Michailow (mit Anna Korba, 1925).

Memoiren: Ночь над Россией (dt. Nacht über Rußland).

Vorsatzseite der Erstausgabe von 1926

 

 

 

 

   
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Nach ihrer Entlassung aus 20jähriger Haft im Jahre 1905

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1 Alle Zitate aus: Nacht über Rußland.

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Moskau, Friedhof am Neujungfrauenkloster

Stanisław Kostka Potocki

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Polnischer Politiker und General; Sohn eines Generals und Starost von Lwiw (Lemberg); war Absolvent des Collegium Nobilium in Warschau und studierte später Polonistik (Wissenschaft von der polnischen Sprache) und Kunst. 1792 wurde er zum General der Artillerie ernannt, nahm am Russisch-Polnischen Krieg teil und war einer der Führer der Patriotischen Partei im Sejm, dem polinischen Reichstag. Danach lebte er bis 1797 im Ausland. Potocki war Mitbegründer der Warschauer Gesellschaft der Freunde der Wissenschaften und der Universität Warschau. Von Ende der 1870er bis Mitte der 1880er Jahre organisierte er archäologische Ausgrabungen in Italien, u.a. in Laurentum (1779) und Nola (1785–86). Anläßlich eines von ihm am 7.1.1807 ausgerichteten Balls lernte Napoléon die Gräfin Maria Walewska kennen.

Potocki war ein begeisterte Kunstsammler, hauptsächlich von Gemälden und Grafiken, aber auch antiker KeramikenDie Ausstellung seiner gesammelten Objekte im Jahre 1805 in Wilanów war der Ausgangspunkt eines der ersten polnischen Museen. 

Potocki war seit 2.6.1776 mit Prinzessin Aleksandra Lubomirska, Tochter Kronmarschalls Prinz Stanisław Lubomisrki, verheiratet.

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Warschau, Wilanów-Park, Mausoleum

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Marta Schanzenbach

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Deutsche Politikerin (SPD); war zunächst Verkäuferin in einer Filiale der Konsumgenossenschaft, die 1844 gegründet worden war. Dann ließ sie sich zur Kinderpflegerin ausbilden und anschließend zur Fürsorgerin an der Wohlfahrtsschule der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Berlin (insgesamt war sie über 30 Jahre Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt Südbaden und außerdem 20 Jahre lang stellvertretende AWO-Bundesvorsitzende). In diesem Beruf war Schanzenbach, die seit 1925 Mitglied der Sozialdemokratischen Partei war, bis zur Entlassung durch die Nationalsozialisten im Jahre 1936 Prenzlauer Berg tätig. Dennoch arbeitete sie zunächst weiterhin in Berlin, kehrte dann aber ihren Geburtsort zurück, wo sie ebenfalls bis 1949 in ihrem Beruf tätig war. Bereits 1947 war sie die Mitbegründerin und dann von 1958 bis 1966 Vorsitzende des Bundesfrauenausschusses der SPD. Von 1949 bis 1972 gehörte sie dem Deutschen Bundestag an, war von 1949 bis 1969 stellvertretende Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Familien- und Jugendfragen und als erste Frau Mitglied im Bundesvorstand und Präsidium der SPD.

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Gengenbach, Friedhof

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Tbilisi-Tiflis (Georgien), St. Georg Kirche

Graf Michael Tarielowitsch Loris-Melikow [russ. Михаил Тариелович Лорис-Меликов]

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General und Innenminster in russischen Diensten; Sohn eines armenischen Kaufmanns adliger Abstammung, wurde in der Gardejunkerschule in Sankt Petersburg erzogen; trat 1843 als Kornett in das Gardehusarenregiment von Grodno, wurde 1847 Adjutant des Generals Woronzow im Kaukasus und beteiligte sich an den dortigen Kämpfen und nahm am Russisch-Türkischen Krieg (1877–78) teil. Am 29.4.1878 wurde er in den Grafenstand erhoben und Anfang 1879 zum Generalgouverneur der Gouvernements Astrachan, Samara und Saratow ernannt. Aufgrund der Attentate der Nihilisten und die von ihnen ausgehende zunehmende Gefahr wurde er im Februar 1880 zum Chef einer obersten Exekutivkommission ernannt. Nach dem Bombenattentat auf den Winterpalast in Sankt Petersburg am 5. Februar 1880 wurde Loris-Melikow an die Spitze der Höchsten Exekutivkommission gestellt. Ein gegen Loris-Melikow am 3.3. gerichtetes Attentat eines Nihilisten, bei dem er unverletzt blieb (3. März), steigerte seine Popularität auch bei den Studenten. Im August 1880 wurde er zum Minister des Innern ernannt und war - mit weitreichenden vollmachten seitens Alexanders II. ausgestattet - bestrebt, die nihilistischen Tendenzen nicht nur mit Gewalt, sondern loris_melikow_konstitutionauch durch Reformen zu bekämpfen; zu diesem Zwecke hatte er einen Entwurf zu einer Konstitution erstellen lassen (der Entwurf wurde zurückgehalten, er 1904 veröffentlicht). Dieses Bestreben wurde jedoch durch das Attentat auf den Zaren am 1.3.1881 beendet. Alexander III., der senem Vater Alexander II. auf den Thron folgte, entließ Loris-Melikow am 16.5.1881 und besetzte den Posten durch den Grafen Ignatjew.

 

 

 

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Willi Brundert

brundert_willi1949_bd Bild: Bundesarchiv cc_somerightsreserved

Deutscher Jurist, Politiker (SPD) und NS-Widerstandskämpfer; Sohn eines Buchhalters;  Brundert, der 1930 in die SPD eintrat, studierte in Halle, wo er bis 1933 Vorsitzender der Sozialistischen Studentenschaft war, und in Frankfurt am Main Rechtswissenschaften. Als Angehöriger einer sozialdemokratischen Widerstandsgruppe arbeitete er im Kreisauer Kreis u.a. mit Adolf Reichwein und Carlo Mierendorff zusammen. Bis zu seiner Einberufung zur Kriegsmarine im September 1941 arbeitete er als Steuersachbearbeiter. Nach der Entlassung aus britischer Kriegsgefangenschaft kehrte er nach Ostdeutschland zurück, wurde 1948 Professor an der Universität Halle und arbeitete als Ministerialdirektor im Wirtschaftsministerium des Landes Sachsen-Anhalt. Aufgrund seiner politischen Überzeugungen wurde er 1949 verhaftet und 1950 zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt und inhaftiert, darunter mehrere Jahre in Einzelhaft. Nach seiner vorzeitigen Entlassung im Jahre 1957 flüchtete er nach Hessen, wo er von 1958 bis 1963 die hessische Landesfinanzschule leitete und von 1963 bis 1964 Chef der hessischen Staatskanzlei war. Am 2.7.1964 wurde Brundert auf Vorschlag der Landesregierung als Nachfolger Werner Bockelmanns zum Oberbürgermeister von Frankfurt am Main gewählt und in der Kommunalwahl am 25. Oktober gleichen Jahres mit absoluter Mehrheit bestätigt. Unter ihm wurde in den 1960er Jahren in der Mainmetropole der U-Bahn begonnen. Brundert starb an den Spätfolgen von Mißhandlungen in Gefangenschaft.

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Frankfurt am Main, Hauptfriedhof

Anatoli Alexandrowitsch Sobtschak [russ. Анатолий Александрович Собчак]

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Russischer Politiker; Sohn eines Eisenbahningenieurs; studierte an der Staatsuniversität in Leningrad, arbeitete anschließend drei Jahre als Anwalt in der Anwaltskammer in Stawropol, bevor er 1962 zu weiteren Studien an die Universität in Leningrad (heute Sankt Petersburg) zurückkehrte. Von 1965 bis 1968 lehrte er an der Leningrader Polizeischule des Ministerium für Innere Angelegenheiten der UdSSR, anschließend bis . 1973 war er Dozent am Leningrader Technologischen Institut der Zellstoff- und Papierindustrie und von 1973 bis bis 1981 Außerordentlicher Professor der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Leningrader Staatlichen Universität. 1985 wurde er dann Leiter der Fakultät für Wirtschaftsrecht. In dieser Zeit war er der Doktorvater Dmitri Medwedjews (*1965), des nachmaligen Ministerpräsidenten. Im Juni 1988 trat er der Kommunistischen Partei der Sowjetunion bei. Im April 1990 wurde Sobtschak in den Leningrader Stadtrat gewählt und am 23.5.1990 zum Vorsitzenden des Leningrader Stadtrates. 1991 wurde der überzeugte Reformpolitiker Bürgermeister der Stadt Sankt Petersburgs; er galt als politischer Ziehvater des heutigen russischen Präsidenten Wladimir Putins (*1952). Als 1991 in Moskau gegen Michail Gorbatschow (*1931) geputscht wurde, organisierte Sobtschak in Sankt Petersburg Demonstrationen und Kundgebungen gegen die Putschisten. 1991 unterstützte er eine Volksabstimmung, in der sich mehr als die Hälfte der Bevölkerung der Stadt für die Rückbennung Leningrads in den historischen Stadtnamen. Außerdem setzte er sich für die Gewinnung westlicher Investionen in Sankt Petersburg ein.

Sobtschaks Tochter Kcenija Anatoljewna (*1981) ist eine Fernsehmodratorin.

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Sankt Petersburg, Tichwiner Friedhof am Aleksander Newskij Kloster

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Dietrich Stobbe

 

Deutscher Politiker (SPD), Politikwissenschaftler; studierte Politikwissenschaft an der Deutschen Hochschule für Politik und an der Freien Universität Berlin, mit Abschluß 1962 als Diplom-Politologe. Bereits während des Studiums wurde er 1960 Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD); sieben Jahre später wurde er in das Berliner Abgeordnetenhaus gewählt, wurde Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion und ab 1970 deren stellvertretender Vorsitzender. 1977 wurde er zum Regierenden Bürgermeister von Berlin gewählt. In der Folge der sog. Garski-Affäre trat Stobbe 1981 zurück. Er hatte noch wenige Monate nach der Insolvenz des Bauunternehmers Garski, der bereits eine Bürgschaft von 112 Millionen DM für ein Bauvorhaben in Saudi-Arabien erhalten hatte, für weitere 25,8 Millionen DM gebürgt. Nachdem zwei zuständige Senatoren zuvor zurückgetreten waren, hatte der Senat seine Vorschläge hinsichtlich einer Nachbesetzung abgelehnt. Die folgenden Wahlen zum Abgeordnetenhaus im Mai 1981 gewann die CDU; Richard von Weizsäcker (*1920) wurde Regierender Bürgermeister.

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Berlin, Friedhof Dorotheenstädt.u. Friedrichswerdersche Gemeinde

Bilder: Hans-Christian Seidel (02/2012)
Bild: Bernd Schwibbe (05/2011)
Politiker LXVII

Omnibus salutem!