
Makarios III. eigentl. Michail Christodolou Mouskos

Zypriotisch-griechischer Politiker, erster Präsident (1960-77); orthodoxer Erzbischof Zyperns; der Sohn eines Schäfers studierte in Athen und in Boston, wurde 1948 Bischof von Kition auf Zypern und 1950 Erzbischof der autokephalen (eigenständigen) Kirche von Zypern: Er sprach sich für die Union mit Griechenland aus und stellte sich an die Spitze der Enosis-Bewegung der griechischen Mehrheit auf Zypern. Um dieses Ziel zu erreichen, gründete er eine patriotische Jugendgruppe, die sogar nicht vor terroristischen Aktionen zurückschreckte, verbündete sich hierbei mit den Kommunisten. Makarios wurde 1955 inhaftiert, als in Zypern, Griechenland und der Türkei Aufstände ausbrachen und die Engländer Truppen nach Zypern entsandten. 1956 ging er ins Exil auf die Seychellen, kehrte 1957 nach Zypern zurück und akzeptierte 1959 die Unabhängigkeit Zyperns schließlich als Kompromißlösung. 1963 legte Makarios Pläne für eine Verfassungsänderung vor, durch die das an den griechischen und türkischen Bevölkerungsanteilen ausgerichtete und verfassungsmäßig garantierte Proporzsystem zugunsten der griechischen Zyprioten verschoben werden sollte, was blutige Unruhen zwischen den beiden Volksteilen auslöste. Diese konnten erst aufgrund der Stationierung von UN-Friedenstruppen (im März 1964) eingedämmt werden. Nach dem 1967 in Griechenland erfolgten Militärputsch rückte Makarios zunehmend vom Enosis-Gedanken (Vereinigung mit Griechenland) ab und präferierte ein unabhängiges Zypern, wobei er allerdings in Gegensatz zu denjenigen griechischen Zyprioten geriet, die unter der Führung von General Georgios Grivas, weiterhin an der Idee der Enosis festhielten. Als im Juli 1974 die griechisch-zypriotische Nationalgarde mit Rückendeckung der Militärjunta in Athen gegen Makarios putschte, wurde er gestürzt und zur Flucht ins Ausland gezwungen. Als wenige Tage später türkische Truppen in Zypern landeten und den Norden des Landes besetzten, wurde die Insel de facto geteilt. In diesem Zusammenhang kam es zu dauerhaften Umsiedlungen der türkischen und griechischen Bevölkerung. Im Dezember 1974 kehrte Makarios nach Zypern und in sein Amt zurück.
Zypern, Throni bei Ano Panaya

Ruhollah Mussawi Hendi Khomeini

Iranischer Ayatollah (“Geschenk Gottes”, schiitischer Ehrentitel); Anführer der Revolution, die den iranischen Schah 1979 stürzte und zur Gründung der “Islamischen Republik Iran” führte, wurde nach und nach als Ayatollah und Führer der Schiiten anerkannt; seit den 30er Jahren aktiver Kritiker der Pahlewi-Dynastie, 1963 verhaftet, da er sich gegen die Landreform und die Gleichberechtigung der Frau aussprach, ging zunächst ins Exil in die Türkei und dann in den Irak, wo er sich 1964 in an-Najaf, der heiligen Stadt der Schiiten niederließ, wurde 1978 aus dem Irak ausgewiesen und fand er Zuflucht in einem Vorort von Paris, von wo aus er seinen Kampf gegen das Schah-Regime und die USA als dessen wichtigsten Geldgeber fortsetzte. Nach der Flucht von Schah Resa Pahlewi im Februar 1979 kehrte er in den Iran zurück und wurde Anführer der islamischen Revolution, die den Iran von allen westlichen Einflüssen und von jeglicher Opposition gegen das Regime der Geistlichen befreien sollte. Im November 1979 führten Khomeinis Agitation gegen die USA zur Erstürmung der US-amerikanischen Botschaft in Teheran. 53 US-Bürger wurden bei dieser, später von Khomeini gebilligten Aktion als Geiseln genommen. Die neue Verfassung vom Dezember 1979 machte ihn zum höchsten politischen und religiösen Führer auf Lebenszeit.
Teheran, Iran

Slowakischer Politiker; Präsident der Tschechoslowakei (1975-89); trat 1933 in die CKP ein, wurde im Zweiten Weltkrieg mehrmals von der mit den Deutschen kollaborierenden slowakischen Regierung inhaftiert; 1944/45 führende Beteiligung am slowakischen Aufstand gegen die deutsche Besatzungsmacht und die slowakische Regierung. Nach dem Krieg wurde er Mitglied des ZK der slowakischen KP und der slowakischen Landesregierung (1946-50), sowie Mitglied des Präsidiums der tschechoslowakischen KP (1945-50), wurde jedoch wegen seiner Opposition zu Stalin 1951 aus der Partei ausgeschlossen, inhaftiert und zu lebenslänglicher Haft verurteilt. 1960 begnadigt und rehabilitiert, wurde er wieder in die Partei aufgenommen und während des Prager Frühlings (1968) stellvertretender Ministerpräsident; setzte sich von Alexander Dubceks Reformplänen ab und wurde in der Folge, nach dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes in der Tschechoslowakei, Mitglied des Präsidiums des ZK, 1969 Erster Sekretär, 1971 Generalsekretär der tschechoslowakischen KP und 1975 Staatspräsident. Im Dezember 1987 trat er als Generalsekretär und im Dezember 1989 als Staatspräsident zurück, was das Ende der sozialistischen Ära in der Tschechoslowakei bedeutete.

Bundeskanzler von Österreich (1932-34); in den 1920er Jahren einer der Führer der Christlichsozialen Partei Österreichs (CP) und Funktionär im Niederösterreichischen Bauernverband, ab 1931 Minister für Land- und Forstwirtschaft, wurde 1932 Bundeskanzler und Außenminister, verweigerte nach der Machtübernahme der Nazis in Deutschland in Einvernehmen mit Benito Mussolini den Anschluß an das Deutsche Reich, löste im März 1933 das Parlament auf und verbot die kommunistische und die nationalsozialistische Partei in Österreich, die den Anschluß an das Reich favorisierte. Mit Unterstützung seiner Vaterländischen Front, einem ebenfalls paramilitärischen Verband, errichtete Dollfuß ein autoritäres Regierungssystem (Austrofaschismus). Im Februar 1934 ließ er den Aufstand der sozialdemokratischen Arbeiter gewaltsam niederschlagen, schaltete damit die Sozialdemokratie in Österreich aus (der ehemalige sozialdemokratische Staatskanzler und Präsident des Nationalrates, Karl Renner, wurde kurzzeitig inhaftiert) und erließ im Mai eine neue, autoritäre Verfassung mit katholisch-ständestaatlichen Grundzügen. Dollfuß wurde bei einem Putschversuch der Nationalsozialisten in Wien ermordet.
Wien, Hietzinger Friedhof
Bratislava, Dubravka Friedhof

Nikolaj Aleksandrowitsch Bulganin

Sowjetischer Politiker; schloß sich 1917 den Bolschewiki an, war von 1918 bis 1922 Offizier der Geheimpolizei, wurde danach in den Obersten Volkswirtschaftsrat aufgenommen. Von 1931 bis 1937 war er Vorsitzender des Stadtsowjets von Moskau, 1939 Vollmitglied des Zentralkomitees der KPdSU und 1948 des Politbüros. Von 1947 bis 1949 und erneut von 1952 bis 1955 war er Verteidigungsminister; 1947 wurde er zum Marschall der Sowjetunion ernannt. Als Josef Stalins 1953 starb wurde er zunächst unter Georgij M. Malenkow zum stellvertretenden Ministerpräsidenten ernannt und löste 1955 diesen als Ministerpräsident ab, strebte zusammen mit Nikita S. Chruschtschow, mit der Politik der “friedlichen
Koexistenz” eine Entspannung des Verhältnisses zu den westlichen Staaten an. Nach innerparteilichen Auseinandersetzungen wurde er 1958 aus dem Politbüro entfernt und seines Amtes als Ministerpräsident enthoben; Chruschtschow trat an seine Stelle und schob Bulganin auf den Posten des Vorsitzenden des Volkswirtschaftsrates von Stavropol ab. 1961 wurde Bulganin auch aus dem Zentralkomitee ausgeschlossen.
Moskau, Friedhof am Neujungfrauenkloster




Sowjetischer Politiker; der Sohn eines Bauern studierte in Minsk sowie am Wirtschaftsinstitut in Moskau, trat 1931 in die Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU) ein und arbeitete von 1936 bis 1939 als Professor am Moskauer Wirtschaftsinstitut. 1939 trat Gromyko in den diplomatischen Dienst ein und wurde Leiter der Abteilung “USA” im Außenministerium; von 1939 bis 1943 war er juristischer Berater an der sowjetischen Botschaft in den USA, von 1943 bis 1946 Botschafter in den USA und von 1946 bis 1948 ständiger Vertreter der Sowjetunion beim Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Von 1949 bis 1952 sowie von 1953 bis 1957 war er 1. stellvertretender Außenminister und 1952/53 sowjetischer Botschafter in Großbritannien; 1956 wurde er Mitglied des Zentralkomitee der KPdSU und 1973 des Politbüros. Als Außenminister der Sowjetunion (1957-85) vertrat er hartnäckig die Außenpolitik der sowjetischen Staats- und Parteiführung; in dieser Tätigkeit befürwortete er u.a. 1968 den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in Prag und 1979 die Intervention in Afghanistan. 1983 wurde Gromyko 1. Stellvertretenden Ministerpräsident und 1985 Staatsoberhaupt. Von diesem Amt trat Gromyko 1988 zugunsten Michail Sergejewitsch Gorbatschows als Staatsoberhaupt zurück.

Moskau, Friedhof am Neujungfrauenkloster

Paul-François-Jean-Nicolas, Vicomte de Barras

Französischer Offizier und Politiker; wurde 1792 Mitglied der Bergpartei und stimmte im selben Jahr ür die Hinrichtung König Ludwigs XVI.. Als Befehlshaber der Pariser Truppen war er 1794 maßgeblich am Sturz Robespierres beteiligt, 1795 Mitglied des Direktoriums. In der Folge war er Mitglied des Wohlfahrtsausschusses und Präsident des Nationalkonvents. 1795 beauftragte er Napoléon Bonaparte mit der Niederschlagung des Royalistenaufstandes in Paris. Im selben Jahr kam er in das neu geschaffene Direktorium und verhalf in dieser Funktion Napoléon zum Oberbefehl über die französischen Truppen in Italien, leitete zudem dessen Verbindung mit Joséphine de Beauharnais in die Wege und förderte so Napoléons Aufstieg. Obwohl er diesen gefördert hatte, wurde Barras nach Napolèons Staatsstreich 1799 entmachtet und aus Paris verwiesen.


Paris, Cimetière du Père Lachaise
Gyula (Julius) Graf Andrássy von Csík-Szent-Király und Kraszna-Horka


Ungarischer Staatsmann; Vater von Gyula (Julius) Andrássy; studierte Rechtswissenschaften an der Universität von Budapest. 1848/49 beteiligte er sich an der ungarischen Revolution, floh, nach deren Unterdrückung in Abwesenheit zum Tode verurteilt, nach Paris, 1858 wurde er amnestiert, kehrte in seine Heimat zurück, wurde 1861 in den ungarischen Reichstag gewählt und war ab 1865 dessen Vizepräsident.1867 brachte Andrassy, der das besondere Vertrauen des österreichischen Kaiserpaares Franz Joseph und Elisabeth besaß, mit Ferenz Deák den österreichisch-ungarischen Ausgleich zustande. Von 1867 bis 1871 war er ungarischer Ministerpräsident und führte die Neuorganisation des Staates und die Einverleibung Siebenbürgens durch. Von 1871 bis 1879 war er österreichisch-ungarischer Außenminister und nahm als solcher 1872 an der Drei-Kaiserzusammenkunft in Berlin teil. 1878 erwirkte er als Generalbevollmächtigte Österreich-Ungarns auf dem Berliner Kongreß das Mandat zur Okkupation Bosniens und der Herzegowina, Nachdem den Abschluß eines deutsch-österreichischen Defensivbündnisses, dem Zweibund von 1879, zustande gebracht hatte, trat er am 22.9.1879 zurück
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Berliner Kongress 1878. Andrassy links neben Bismarck.(pinxit Anton v. Werner, 1881)


Trebišov, Mausoleum im Park

Omnibus salutem!