Schenkendorf, Gottlob Ferdinand (Max) Maximilian
Gottfried von

Deutscher Lyriker; studierte von 1798 bis 1806 im damals preußischen Königsberg und trat anschließend in
den Staatsdienst ein. Die schmachvolle Niederlage Preußens in der
Doppelschlacht von Jena und Auerstedt im Jahre 1806 hinterließ bei Schenkendorf einen starken Eindruck. Seine 1807 zusammen mit Freiherrn Ferdinand von Schrötter (*1785, †1863) und mit Unterstützung
von Achim von Arnim und
Johann Gottlieb Fichte herausgegebene Zeitschrift Vesta enthielt scharfe Angriffe gegen
Napoléon, so daß dieser sie alsbald verbieten ließ. Am 15.12.1812 heiratete Schenkendorf in Karlsruhe, wohin er ihr gefolgt war, die neun Jahre ältere Witwe Henriette Elisabeth Barclay (*1774, †1840), die er schon in Königsberg kennengelernt hatte
(bei der Trauung war u.a. Johann Heinrich Jung-Stilling anwesend, durch dessen Verbindungen die Eheschließung erst möglich wurde - Fremde durften
damals in Baden nicht heiraten). Obwohl als Folge eines Pistolenduells mit einem General seine rechte Hand gelähmt war, nahm er 1813 als Freiwilliger an den Befreiungskriegen gegen Napoléon teil; ab 1815 war er für das Militärgouvernement in Aachen und in Köln tätig. Ende des Jahres 1815 ließ er sich schließlich in Koblenz
nieder: Schenkendorf verfaßte z.T. volkstümliche, patriotische aber auch religiöse Lieder. Werke u.a.: Brich an du schönes Morgenlicht, In dcie Ferne möcht’ ich ziehen, Das Eiserne Kreuz, Der
Königssohn, Frühlingsgruß an das deutsche Vaterland, Wenn alle untreu werden
Freiheit (1. & 2. Strophe) Magst du nie dich zeigen
Soldaten-Morgenlied
Ein Morgen soll noch kommen,
Freiheit, die ich meine,
Die mein Herz erfüllt,
Komm mit Deinem Scheine,
Süßes Engelbild.
der bedrängten Welt?
Führest deinen Reigen
nur am Sternenzelt?
Erhebt euch von der Erde
Ihr Schläfer, aus der Ruh!
Schon wiehern uns die Pferde
Den guten Morgen zu,
Die lieben Waffen glänzen,
So hell im Morgenrot;
Man träumt von Siegeskränzen,
Man denkt auch an den Tod. -
Komm mit Deinem Scheine,
Süßes Engelbild.
Ein Morgen mild und klar;
Sein harren alle Frommen,
Ihn schaut der Engel Schar.
Bald scheint er sonder Hülle
Auf jeden deutschen Mann:
O bricht, du Tag der Fülle
Du Freiheitstag, brich an!
Koblenz, Hauptfriedhof



Deutscher Schriftsteller; der Sohn eines Bauern studierte - finanziell von Graf Wilhelm von Hohental unterstützt - in Leipzig Theologie und klassische
Literatur. Aufgrund einer religiösen Identitätskrise brach er das Studium jedoch ab, um in Metz die Arillerieschule zu besuchen, wurde aber auf dem Weg dorthin 1781 von hessischen Soldatenwerbern ergriffen und zwangsweise
nach Nordamerika eingeschifft, um dort auf englischer Seite im amerikanisch-englischen Kolonialkrieg kämpfen zu müssen. Auf der Rückfahrt von Amerika desertierte er in Bremen, wurde von preußischen Soldaten
gefangengenommen und nach Emden verschleppt; erst nach mehreren gescheiterten Fluchtversuchen ließ man ihn gegen Kaution 1784 frei. Er nahm 1787 das Studium in Leipzig wieder auf, studierte jedoch diesmal Jura,
Philosophie, Philologie und Geschichte und promovierte 1791, gefolgt 1792 von der Habilitation - wieder gefördert durch Graf Hohenthal -, und arbeitete als Schriftsteller und ab 1790 als Erzieher des jungen Grafen
Igelström. 1792 folgte er freiwillig dem in russischen Diensten stehenden General Heinrich Freiherr von Igelström, dem Onkel seines Schülers, als Adjutant nach Warschau. Nach 10-monatiger polnischer
Gefangenschaft und Rückkehr nach Leipzig wurde seinem Wunsch nach Entlassung aus russischen Diensten entsprochen, jedoch ohne Anspruch auf Pension. Ab 1797 arbeitete Seume als Korrektor bei dem Verleger und Buchhändler Georg Joachim Göschen
(*1752, †1828) in Grimma, bei dem er einige Werke übersetzte und einige eigene Schriften veröffentlichte. Mit Hilfe eines Darlehens seines Freundes Johann Wilhelm Ludwig Gleim
brach er im Dezember 1801 zu seiner durch seine Schilderung Spaziergang nach Syrakus... (1803) berühmt gewordene Fußreise nach
Werke u.a.: Ueber das Leben und den Karakter der Kaiserin von Rußland
Sizilien auf, die er im August 1802 beendete. 1805 unternahm er eine weitere Fußreise nach Rußland, Finnland, Schweden, die er in Mein Sommer 1805 (1806) beschrieb. Diese
Berichte von seinen Reisen sind besonders durch die Darstellung der damaligen sozialen, ökonomischen und politischen Verhältnisse in den bereisten Ländern von kulturhistorischer Bedeutung. Ab 1808 leidend und bedürftig, versuchte er
immer wieder, zunächst vergeblich, eine Pension für seine Zeit in russischen Militärdiensten zu erlangen. Erst als er sich zu einer Kur in Teplitz aufhielt und dort starb, wurde ihm die Pension gewährt, um die sich zuletzt Christoph Martin Wieland für ihn eingesetzt hatte.


Teplice, Stadtpark
Éluard, Paul eigentl. Eugène-Émile-Paul Grindel
Französischer Lyriker; als bei ihm 1912 Tuberkulose festgestellt wurde, kam er zu einem Kuraufenthalt in Davos, wo er 1913 die Russin Helene
Dimitrownije Diakonowa (Gala) kennenlernte, die er 1917 heiratete und die sich 1932 von ihm wieder scheiden ließ, um
Salvador Dali zu heiraten. Hier
veröffentlichte er mit finanzieller Unterstützung seines Vaters, eines Immobilienmaklers, erstmals Gedichte. 1919 wandte er sich mit André Breton und Louis Aragón (*1897, +1982) dem Dadaismus zu, nachdem er zuvor
Max Ernst
kennengelernt hatte, mit dem er in der Folge zusammenarbeitete. 1922 brach er mit dem Dadaismus und wandte sich dem Surrealismus zu, zu dessen führenden Vertreter er wurde. Politisch engagierte er sich seit den 1930er Jahren gegen den Faschismus und war seit 1940, nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Frankreich, in der Résistance aktiv. 1942 wurde er erneut Mitglied der französischen KP, der er bereits von 1926 bis 1933 angehört hatte. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges unternahm er zahlreiche Reisen, um u.a. an Friedenskongressen teilzunehmen, u.a. 1948 zusammen mit
Picasso
in Warschau und Mexiko, wo er seine zweite Frau Dominique kennelernte. Werke u.a.: Hauptstadt der Schmerzen (1926), Die öffentliche Rose (1934), Sieben Liebesgedichte im Kriege (1943), Politische Gedichte (1948).
Paris, Cimetiére du Père Lachaise
Paris, Cimetiére du Père Lachaise



Schenkendorfs Geburtshaus in Tilsit in der Packhofstraße, heute Uliza Gerzena
US-amerikanische Schriftstellerin; jüngere Schwester des Librettisten Leo Stein; einer wohlhabenden deutsch-jüdischen Familie entstammend, verlebte sie ihre Kindheit in Europa und Kalifornien und studierte
an den Universitäten Harvard und John Hopkins Psychologie und Medizin. 1902 ging sie nach Paris und lebte dort - mit Ausnahme der Jahre von 1942 bis 1944, in denen sie während der deutschen Besatzung von Paris in Südfrankreich lebte - ab 1912
mit ihrer Lebensgefährtin Alice B.Toklas (*1877, †1967) zusammen. In ihrem Pariser Salon trafen sich die Maler der Moderne wie z.B. Pablo Picasso, Henri Matisse, George Braque und in Paris lebende amerikanische Schriftsteller (u.a. Ernest Hemingway
, John Dos Passos, F.Scott Fitzgerald), für die sie die Bezeichnung “Lost Generation” kreierte und die von ihr literarisch beeinflußt wurde. Ihr Hauptwerk
Three lives erschien 1909 (dt. Drei Leben). Ihr umfangreiches Werk, zu dem auch Lyrik, Opernlibretti und Theaterstücke zählen, übt bis heute eine deutliche Wirkung auf Literatur und Kritik aus. Werke u.a.:
The making of Americans (1925), The autobiography of Alice B.Toklas (1933).
Neugriechischer Lyriker; der jüngste Sohn einer Landbesitzerfamilie sympathisierte in den 1930er Jahre mit der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) und war während der Besatzung Griechenlands durch deutsche Truppen im Zweiten Weltkrieg im Widerstand. Wegen seines linksgerichteten Engagements wurde er wiederholt verfolgt; so war er zwischen 1948 und 1952 auf verschiedene Inseln verbannt. Nach einer erneuten Verhaftung im Jahre 1967 während des Athener Militärregimes wurde er allerdings 1968 wieder freigelassen, mußte sich jedoch bis 1972 auf Samos zwangsweise aufhalten. Seine Dichtung umfaßt politische Lyrik, langzeilige Monologe, die die Umbeweglichkeit und Bequemlichkeit der griechischen Gesellschaft schildern, sowie kurze, aber prägnante Dichtungen, die zum Teil von Mikis Theodorakis (*1925) vertont worden sind. In Deutschland bekannt sind u.a. Zeugenaussagen (1968), Mit dem Maßstab der Freiheit (1972) und Erotika (1981).


Monemvasia, auf der gleichnamigen griechischen Insel
Deutscher Schriftsteller; studierte Jura von 1813 bis 1817 an der Universität Halle (Saale) und trat anschließend in den preußischen Staatsdienst ein.
Ab 1824 arbeitete er als Kriminalrichter in Magdeburg und wechselte 1827 nach Düsseldorf, wo er zunächst Landgerichtsrat war. Dort begründete er 1832 das Stadttheater, das er bis 1837 leitete. Sein zwischen Romantik und
Realismus stehender Roman Die Epigonen (3 Bde., 1836) zeigt die Auflösung der alten Gesellschaftsformen. Der humoristische Roman Münchhausen (4 Bde., 1838/39) und das komische Heldenepos Tulifäntchen (1830) sind Zeitsatiren.
Werke u.a.: Das Thal von Ronceval (1819), Die Prinzen von Syracus (1821), Das Trauerspiel im Tyrol (1827), Alexis (1832).




Düsseldorf, Golzheimer Friedhof
