Turgenjew, Iwan Sergejewitsch
Russischer Schriftsteller; der Sproß einer Adelsfamilie studierte in Moskau und Sankt Petersburg, sowie von 1838 bis 1841 in Berlin, wo er die Philosophie
G.F. Hegels kennenlernte; seit 1855 lebte er vorwiegend im Ausland (u.a. in Frankreich, wo er sich u.a. wegen seiner Liebe zu der bekannten Opernsängerin Pauline Viardot aufhielt, und in Deutschland) und
war mit führenden französischen und deutschen Dichtern befreundet, u.a. mit
Gustave Flaubert,
Émile Zolá,
Prosper Mérimée, Theodor Storm und
Gustav Freytag. In Rußland beteiligte er sich an der ideologischen
Kontroverse zwischen den Gruppen innerhalb der russischen Intelligenzija, die sich in Befürworter einer Verwestlichung des Landes nach europäischem Vorbild (Westler) und in eine Gruppe von Orthodoxen (Slawophile) spaltete,
wobei er Partei für die “Westler” ergriff, was eine scharfe Kontroverse mit Fjodor Michailowitsch Dostojewskij zur Folge hatte.
Bevor Turgenjew sich der Literatur zuwandte, war er kurzzeitig Beamter in Sankt Petersburg. Weite Aufmerksamkeit fand Turgenjew durch die Aufzeichnungen eines Jägers
(1852), einer Sammlung von Erzählungen in Ich-Form aus dem russischen Provinzleben. Werke u.a.: Ein Monat auf dem Lande (1855), Am Vorabend, Erste Liebe (beide 1860), Väter und Söhne (1862).
Sankt Petersburg, Wolkow-Friedhof
Deutscher Schriftsteller, Philosoph und Theologe; der Sohn eines Kantors und Volksschullehrers war zunächst (1761) Kopist in der Bibliothek beim
Diakonus J.S. Trescho, bevor er 1762 ein Studium der Medizin begann, dann jedoch Theologie und Philosophie in Königsberg studierte, wo er wesentliche u.a. durch Kant und Hamann angeregt wurde; 1764 wurde er Lehrer an der Domschule in Riga, und ab 1767 Prediger. 1769 fuhr er mit dem Schiff nach
Frankreich (Nantes, Paris), traf dort mit
Diderot zusammen, von dort reiste er weiter nach Holland und nach Hamburg, wo er mit Lessing und Matthias Claudius zusammentraf. Bei Johann Heinrich Merck in Darmstadt lernte er seine
spätere Frau Caroline Flachsland (1750, †1809) kennen, die er 1773
Werke u.a.: Über die neuere Deutsche Litteratur (1767, 3 Bde.), Kritische
Wälder (1769, 3 Bde.), Über den Ursprung der Sprache (1772), Von deutscher Art und Kunst (1773), Philosophie der Geschichte der Menschheit (4 Tle., 1784-91), Gott. Einige Gespräche (1787).
heiratete. In Straßburg, wo er versuchte, ein Augenleiden zu lindern, kam es im September 1770 zu einem Treffen mit Goethe, das für
beide von nachhaltiger Wirkung war, und der ihn 1776 als Generalsuperintentent nach Weimar vermittelte. In dieser Tätigkeit war er u.a. zuständig für das Schulwesen im Herzogtum, ab 1815 Großherzogtum, Sachsen-Weimar-Eisenach,
das er maßgeblich renovierte. 1788 unternahm er mit
Anna Amalia, zu deren Freundeskreis er gehörte, eine Italienreise. Die
von Herder ausgehenden Denkanstöße sind sowohl für die deutsche als auch die europäische Geistesgeschichte bis heute von weitreichender Bedeutung und Wirkung, besonders in Bezug auf die
Sprachphilosophie, die Geschichtsphilosophie, die Literatur- und Kulturgeschichte und die Anthropologie. 1773 gab er die Schrift Von deutscher Art und Kunst heraus, die für die Bewegung des Sturm und Drang (so der 1776
erschienene Titel eines Dramas vom Friedrich Maximilian Klinger) programmatische Bedeutung hatte.
Edward
(1.& 2. Strophe)
Dein’s Geier Blut ist nicht so rot,
Dein Schwert, wie ist’s von Blut so rot?
Edward, Edward!
Dein Schwert, wie ist’s von Blut so rot,
Und gehst so schaurig her? - O!
O ich hab geschlagen meinen Geier tot,
Mutter, Mutter!
O ich hab geschlagen meinen Geier tot,
Und keinen hab ich wie er - O!
Edwar, Edward!
Dein’s Geier Blut ist nicht so rot,
Mein Sohn, bekenn mich frei - O!
O ich hab geschlagen mein Rotroß tot,
Mutter, Mutter!
O ich hab geschlagen mein Rotroß tot,
Und’s war so stolz und treu - O!
Weimar, Stadtkirche (Herderkirche)

Roda Roda Alexander eigentl. Sándor Friedrich Rosenfeld
|
Porträt aus Copyrightgründen leider nicht verfügbar |
Österreichischer Satiriker, Humorist und Dramatiker; studierte in Wien Jura und war bis 1907 Offizier im k.u.k. Heer, verlor die Offizierscharge
wegen Geschichten, in denen er besonders das Militär aufs Korn nahm; ging 1904 nach Berlin, wo er als Kabarettist große Erfolge feierte, von 1914 bis 1918 Kriegsberichterstatter, lebte nach Ende des Ersten Weltkrieges in
Paris, München und Berlin, emigrierte im März 1938 über die Schweiz 1940 in die USA; verfaßte Anekdoten, Humoresken, Schwänken, satirische Romane und Komödien. Satiriker der Endphase der Donaumonarchie. Roda Roda hatte 1900/01 eine Affaire mit Adele Sandrock. Werke u.a.: Der Feldherrnhügel (1910).
Wien, Feuerhalle Simmering, Urnenhain

Österreichischer Schriftsteller; wurde als Mitglied der Wiener Gruppe mit Wiener Dialektgedichten med ana schwoazzn dintn
(1958) bekannt; verfaßte zahlreiche Werke in der Tradition barocker österreichischer Sprachartistik (Lyriksammlung, Dramensammlung); übersetzte u.a. Werke von F. Villon. Werke u.a.:
Ein lilienweißer Brief aus Lincolnshire (1969), Die Fahrt zur Insel Nantucket (1969), gedichte von der wollust des dichtens in worte gefaßt, (1989). Auszeichnungen u.a.: 1997
Kerr, Alfred eigentl. Alfred Kempner (bis 1911)
Deutscher Schriftsteller und Theaterkritiker; Sohn des Weinhändlers und Fabrikbesitzers Emanuel Kempner;
studierte Philosophie und Germanistik zunächst in seiner Heimatstand und setzte es 1887 in Berlin fort. Ab 1891, noch während des Studiums, das er 1894 mit der Promotion zum Dr. phil. in Halle abschloß, verfaßte er
Theaterkritiken, die in verschiedenen Zeitungen erschienen, u.a. in der “Vossische Zeitung“, der “Neue Rundschau“ und der “Breslauer Zeitung“. Ab 1900 arbeitete Kerr als Theaterkritiker für die Berliner Zeitung
“Der Tag“. Zwischen 1912 und 1915 war er Mitarbeiter und dann Herausgeber der avantgardistischen Kunstzeitschrift Pan, arbeitete ab 1919 als Theaterkritiker für das Berliner Tageblatt und ab 1928 auch für den
Rundfunk. 1933 emigrierte Kerr über Prag, Lugano und Paris nach London, wo er an mehreren Exilzeitungen mitarbeitete und ab 1945 wieder in der Bundesrepublik Deutschland an mehreren Zeitschriften. Er protegierte u.a. Henrik Ibsen und den damals noch jungen Gerhart Hauptmann; skeptisch gegenüber stand er Bert Brecht. Aus seiner Ehe mit der in Wiesbaden geborenen Julia Weismann gingen zwei Kinder hervor, u.a. die Tochter
Judith (*1923), die u.a. den Roman When Hitler Stole Pink Rabbit (1971, dt. Als Hitler das rosa Kaninchen stahl )verfaßte Werke u.a.: Die Harfe (1917), Ich kam nach England (posthum 1978).

Hamburg, Ohlsdorfer Friedhof
Novalis eigentl. Georg Philipp Friedrich Freiherr von Hardenberg

![]()
Deutscher Dichter; bedeutendster der Jenaer Frühromantiker, entstammte einem pietistischen Elternhaus: sein Vater, Heinrich Ulrich
Erasmus von Hardenberg, war Gutsbesitzer und Salinendirektor; studierte von 1790 bis 1794 Jura, Mathematik und Philosophie in Jena, Leipzig und Wittenberg, besuchte 1997 Bergakademie in Freiberg, wurde
1799 Salinenassessor und wenig später Amtshauptmann. Mit Friedrich von Schiller,
Karl Wilhelm Friedrich von Schlegel und dessen Bruder und August Wilhelm von Schlegel, Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling und LudwigTieck verband ihn eine enge freundschaftliche Beziehung. Entscheidend beeinflußt wurde Novalis durch den deutschen Idealismus
Johann Kaspar Lavaters und Johann Gottfried Herders. Der frühe Tod von Sophie von Kühn mit der er sich, als sie kaum 13 Jahre alt war, ohne Wissen seiner Eltern verlobt hatte, verstärkte seine mystischen
Werke u.a.: Journal (1797), Die Christenheit oder Europa (1799 entstanden, 1826 vollständig herausgegeben),
Hymnen an die Nacht (1800), Heinrich von Ofterdingen (erschienen 1802), Die Christenheit oder Europa (entstanden 1799, herausgegeben 1826).
Neigungen und spielte seitdem eine zentrale Rolle in seinem Schaffen. 1798 verlobte er sich mit Julie von Charpentier (*1776, †1811). Ab August 1800 war er
lungenkrank, was seine Schaffenskraft stark beeinträchtigte. Er bevorzugte typisch romantische Gattungen. Der für die Romantik prägende Begriff der Blauen Blume entstammt dem unvollendeten, bedeutendsten seiner Romane Heinrich von
Ofterdingen (1802). Novalis’ Poetik wirkte u.a. bei den französischen Symbolisten nach.
Weißenfels, Alter Friedof (Stadtpark)




Was wär ich ohne Dich gewesen?
Was würd’ ich ohne dich nicht seyn?
Zu Furcht und Aengsten auserlesen,
Ständ’ ich in weiter Welt allein.
Nichts wüßt’ ich sicher, was ich liebte,
Die Zukunft wär’ ein dunkler Schlund;
Und wenn mein Herz sich tief betrübte,
Wem tät’ ich meine Sorge kund?
[Novalis: Geistliche Liebe, Auszug]
Wien, Feuerhalle Simmering, Urnenhain

