Beckett, Samuel Barclay

 

  • geb. 13.4.1906 in Foxrock bei Dublin
  • gest. 22.12.1989 in Paris

Irischer Schriftsteller; einer der bedeutendsten Autoren des 20. Jahrhunderts, wichtigster und zugleich prominentester Vertreter des absurden Theaters; aus einem großbürgerlichen Elternhauses stammend, war er ein mittelmäßiger Schüler der streng protestantischen Portora Royal School in Enniskillen (Nordirland), von 1923 bis 1927 studierte er Romanistik am Trinity College in Dublin, wo er 1931, nach mehreren Aufenthalten in Paris und einer 2-jährigen Tätigkeit an der dortigen École Supérieure, promovierte. Während seines Aufenthalts in Paris, wo er durch einen Überfall eines Clochards im Jahre 1938 schwer verwundet wurde, beschäftigte sich Beckett mit der Descartischen Philosophie. Fand nach der Lektüre des Ulysses die Bekanntschaft von James Joyce, der ihn als „weißen Boy” Sekretärs- und Botendienste erledigen ließ. Dort lernte er auch Ezra Pound kennen. 1930 kam es zum einem zwei Jahre dauernden Bruch mit Joyce. Zwischen 1932 und 1937 widmete sich Beckett hauptsächlich dem Schreiben und unternahm zahlreiche Reisen, u.a. nach London und für sechs Monate auch nach Deutschland. Die Aufwendungen hierfür bestritt er durch eine Leibrente und, nachdem 1933 sein Vater gestorben war, durch dessen Erbe. 1937 zog er nach Paris, mußte als Mitglied der Résistance 1942 jedoch vor der Gestapo nach Südfrankreich (Dép. Roussillon) fliehen. Nach Ende des Krieges kehrte Beckett wieder nach Paris zurück. Erst in den 1960er Jahren wurden seine Stücke allgemein anerkannt, 1959 erhielt er die Ehrendoktorwürde des Trinity College und 1961 gemeinsam mit Jorge Luis Borges den Prix International des Editeurs und 1969 endlich den Nobelpreis für Literatur.

Werke u.a.:  Molloy (1951), Malone meurt (1951, Malone stirbt) und L’innomable (1953, Der Namenlose) sowie das Drama En attendant Godot (entstanden 1948, Warten auf Godot), Dream of Fair to Middling Women (1932) und die Erzählsammlung More Pricks than Kicks (1934, Mehr Prügel als Flügel), Murphy (1938).

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Paris, Cimetière du Montparnasse

Sartre, Jean Paul

 

  • geb. 21.6.1905 in Paris
  • gest. 15.4.1980 in Paris

Französischer Philosoph, Schriftsteller und politischer Journalist; führender Vertreter des französischen Existentialismus. Der Sohn eines Marineoffiziers und Großneffe Albert Schweitzers wuchs bei den Großeltern auf, studierte von 1924-29 an der École Normale Supérieure Psychologie, Soziologie und Philosophie und arbeitete danach bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges mit Unterbrechungen (Stipendium in Berlin 1933/34) als Gymnasiallehrer für Philosophie in Le Havre, Laon (1936/37) und Paris. 1940 geriet Sartre als Sanitäter in deutsche Kriegsgefangenschaft, wurde jedoch ein Jahr später entlassen und lehrte danach in Neuilly und Paris zurück, wobei er zwischen 1942 und 1944 in der französischen Widerstandsbewegung Résistance aktiv war; 1945  gründete er die politisch-literarische Zeitschrift Les temps modernes. Da er für den Marxismus eintrat, stieß er auf Unverständnis und Ablehnung bei vielen seiner Freunde u.a. bei André Gide, Albert Camus und André Malraux. Jedoch kritisierte er den Einmarsch und die Niederschlagung des ungarischen Aufstandes 1956 sowie die Unterdrückung des Prager Frühlings 1968 in der Tschechoslowakei durch sowjetische Truppen. Nichtsdestotrotz reiste er in die UdSSR, nach Kuba und China. Als Vorsitzender des Vietnam-Tribunals bezog er im Vietnamkrieg gegen die USA Stellung. 1964 lehnte Sartre den Nobelpreis für Literatur ab und provozierte damit den größten Skandal in der Geschichte des Preises. 1973 wurde er Leiter der französischen Tageszeitung Libération. Großen Einfluß auf seine intellektuelle Entwicklung hatte seine Lebensgefährtin Simone de Beauvoir, die er bereits während seines Studiums kennengelernt hatte. Durch ihre antibürgerliche Haltung hatten beide einen bedeutenden Einfluß auf die Pariser Intellektuellenschicht nach 1945. In seinem grundlegenden philosophischen Hauptwerk L’être et le néant (1943, dt. Das Sein und das Nichts) verkündete Sartre als Gegensatz zum christlichen Determinismus die totale Selbstveranwortlichkeit des Menschen in der Welt.

Werke u.a.:  L’être et le néant (1943; Das Sein und das Nichts), Les mouches (1943; Die Fliegen), La nausée (1938; Der Ekel), Autobiographie Les mots (1964; Die Wörter), Drehbücher: L’engrenage (1948; Im Räderwerk), Les jeux sont faix (1947; Das Spiel ist aus).

Beauvoir, Simone de

 

  • geb. 9.1.1908 in Paris
  • gest. 14.4.1986 in Paris

Französische Schriftstellerin; einer streng katholischen Familie entstammend, war sie die Theoretikerin des Feminismus und Vertreterin des Existentialismus. Sie studierte Philosophie an der Pariser Universität Sorbonne und arbeitete anschließend als Lehrerin in Marseille und in Rouen, bis sie 1936 wieder nach Paris zurückkehrte, um am Lycée Molière zu unterrichten. Ihren literarischen Durchbruch erzielte sie mit ihren beiden existenzialistischen Romanen L’invitée (1943, dt. Sie kam und blieb) und Le sang des autres (1945, dt. Das Blut der anderen). Für ihren Roman Les mandarins (1954, dt. Die Mandarins von Paris) erhielt sie den Prix Goncourt. Mit Jean-Paul Sartre, den sie während ihres Studiums 1929 an der Sorbonne kennengelernt hatte, lebte sie bis zu dessen Tode zusammen und prägte mit ihm zusammen das geistige Leben in Frankreich. Sie setzte sich engagiert für persönliche Freiheit, aber auch Verantwortung politisch wie sozial ein, trat für die Straflosigkeit der Abtreibung ein und unterstütze die feministische Bewegung. In ihrem 1949 erschienenen Werk Le deuxième sexe (dt. Das andere Geschlecht) gelang ihr eine umfassende feministischen Analyse. Mit Sartre zusammen engagierte sie sich gegen den US-amerikanischen Vietnam- und den französischen Algerienkrieg. In La cérémonie des adieux (1981, dt. Die Zeremonie des Abschieds) schilderte sie mit großer Offenheit die letzten Lebensjahre Sartres, die von seiner Krankheit gezeichnet waren. So entstand ein Dokument der bedingungslosen Freundschaft und Verehrung zu ihm sowie der Versuch, das Leben und den unweigerlichen Abschied von einem geliebten Menschen wahrhaftig zu beschreiben.

Werke u.a.: Tous les hommes sont mortels (1946, dt. Alle Menschen sind sterblich), Le belles images (1966, dt. Die Welt der schönen Bilder), La femme rompue (publiziert 1967, dt. Eine gebrochene Frau).

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Büchner, Louise

 

  • geb. 1821 in Darmstadt
  • gest. 1877 in Darmstadt

Schriftstellerin, Schwester des Schriftstellers Georg Büchner und des Philosophen und Arztes Ludwig Büchner, Vorkämpferin der Frauenbildung.

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Darmstadt, Alter Friedhof

Amado, Jorge

 

Porträt aus Copyrightgründen leider nicht verfügbar

 

 

 

 

  • geb. 10.8.1912 in Salvador de Bahia
  • gest. 6.8.2001 in Salvador de Bahia

Brasilianische Schriftsteller; einer der bekanntesten Schriftsteller Brasiliens, sein Werk wurde in rund 50 Sprachen übersetzt. Amado, der mehrmals für den Literatur-Nobelpreis gehandelt wurde, begann bereits im Alter von 15 Jahren zu schreiben. Wegen seiner sozialistischen Gesinnung befand er sich während der Diktatur Getulio Vargas (1930-45) kurze Zeit in Haft, emigrierte später nach Paris, reiste durch Europa und Asien und kehrte schließlich nach Brasilien zurück. In seinen Romanen beschreibt Amado die afro-brasilianische Kultur seines Heimat-Bundesstaates Bahia. “Ich bin ein Schriftsteller, der über das Leben und den Charakter meines Volkes geschrieben hat”, sagte Amado einst der Nachrichtenagentur Reuters .

Werke u.a.:  Gabriela wie Zimt und Nelken (1958), Dona Flor (1966), beide verfilmt.

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 Salvador de Bahia, Brasilien

Bild: KN (11.09.2001)

Bulgakow, Michail Afanasjewitsch

 

 

  • geb. 5.5./15.5.1891 in Kiew
  • gest. 10.3.1940 in Moskau

Russischer Schriftsteller; der Sohn eines Dozenten an der Kiewer Geistlichen Akademie studierte ab 1909 Medizin an der Kiewer Universität und übte den Arztberuf zunächst auf dem Land im Gebiet Smolensk aus, bevor er zur Zeit des Russischen Bürgerkrieges als Arzt in die Ukrainische Republikanische Armee einberufen wurde, von dort desertierte und zunächst in der Roten Armee, dann bei den südrussischen Weißen Garden tätig war. Ende Oktober 1921 zog er nach Moskau und arbeitete für eine Reihe von Zeitungen und Zeitschriften, bis er seinen Beruf schließlich ganz zugunsten einer Schriftstellerlaufbahn aufgab; seine Romane, Dramen und eine Romanbiographie über Molière durften erst nach 1962 erscheinen und machten ihn mit einem Schlag bekannt. Aufgrund der positiven Schilderung einer antibolschewistischen Gruppe weißer Offiziere während des Bürgerkriegs in seinem Roman Dni Turbinych (1926, dt. Die Tage der Geschwister Turbin) sowie dem Fehlen eines kommunistischen Helden wurden sowohl die Aufführung des Stückes als auch die Verbreitung des Romans von der sowjetischen Zensurbehörde verboten. Obgleich sich Bulgakows Werke großer Beliebtheit erfreuten, wurde der Autor ab 1930 wegen seiner satirischen Beschreibungen der sowjetischen Wirklichkeit mit einem Publikationsverbot belegt. Dieses Verbot wurde erst nach dem Tode Stalins wieder aufgehoben.

Werke u.a.:  Djawolinada (1925, dt. Teufelsspuk), Master i Margarita (posthum 1966, dt. Der Meister und Margarita), Pochoschdenija Tschitschikowa (1925, dt. Tschitschikows Abenteuer), Poslednie dni (Uraufführung 1943, posthum 1955, dt. Die letzten Tage), Sobatschje serdtzje (posthum 1968, dt. Hundeherz; verfilmt 1988).

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Moskau, Friedhof am Neujungfrauenkloster

Paris, Cimetière du Montparnasse

Bild: Bettina Jakob (2005)
Bild: Bettina Jakob (2005)

Darmstadt, Alter Friedhof.

Edschmid, Kasimir eigentl. Eduard Schmid

 

  • geb. 5.10.1890 in Darmstadt
  • gest. 31.8.1966 in Vulpera (CH)

Deutscher Schriftsteller; der Vorkämpfer des von der Lyrik dominierten Expressionimus studierte Romanistik in Deutschland und Frankreich, gab zwischen 1919 und 1923 die Tribüne der Kunst und Zeit heraus und schrieb u.a. Biographien und Reisebücher. Nach der Machtergreifungung durch die Nationalsozialisten wurden seine Schriften verboten, außerdem erhielt er Redeverbot. Zwischen 1950 und 1957 war Edschmid Generalsekretär, dann Vize- und schließlich Ehrenpräsident des deutschen PEN-Zentrums; darüber hinaus war er Vize- bzw. Ehrenpräsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt.

Werke u.a.:  Die sechs Mündungen (1915), Das rasende Leben (1916), Timur (1916), Die Fürstin (1918), Lord Byron (1929), Feine Leute und die Großen dieser Erde (1931). Darüber hinaus erschienen zahlreiche Reisebücher: Afrika – nackt und angezogen (1929), Zauber und Größe des Mittelmeeres (1932), Italien. Seefahrt. Palmen. Unsterblichkeit. (1948), Der Zauberfaden (1949), Der Marschall und die Gnade (1954).

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Bild: Alexander Krischnig (01/2008)

Paris, Cimetière du Montparnasse

Bild: Leah Bernstein (11/2007)

Hinweis: Der Fels, aus dem der Grabstein gefertigt wurde, lag urspr. auf dem Grab Gogols im Danilow Kloster. Als Gogol 1931 dort exhumiert und auf den Neujungfrauenfriedhof transferiert wurde, hat man den Fels nach dem Tode Bulgakows, der ein Verehrer Gogols war, als Stein für sein Grab verwendet.

Schriftsteller XVIII