Acheson, Dean Gooderham

 

  • geb. 11.4.1893 in Middletown (Connecticut)
  • gest. 12.10.1971 in Sandy Springs (Maryland)

US-amerikanischer Politiker; besuchte von 1912 bis 1915 die Yale University und von 1915 bis 1918 die Harvard Law School. Anschließend war er in einer Anwaltskanzlei in Washington D.C. tätig. 1933 ernannte ihn Franklin D. Roosevelt zum Staatssekretär im Finanzministerium. Während des Zweiten Weltkrieges war er von 1945 bis 1949 zunächst Vize-Außenminister und anschließend bis 1953 Außenminister. Während dieser Zeit spielte Acheson eine entscheidende Rolle bei der Planung des European Recovery Programs und der Truman-Doktrin und hatte wesentlichen Anteil an der Gründung der NATO. Obwohl selber Anti-Kommunist, wurde Acheson insbesondere von Joseph McCarthy mit dem Vorwurf konfrontiert, er beschäftige in seinem Ministerium 250 Mitarbeitern, die Mitglieder der Kommunistischen Partei (American Communist Party) seien. Später forderte McCarthy sogar ein Amtsenthebungsverfahren gegen Acheson ("in name only because the Acheson group has almost hypnotic powers over him. We must impeach Acheson, the heart of the octopus."). Als Harry S. Truman 1952 nicht mehr zur Präsidentschaftswahl antrat, wurde Adlai Stevenson II., ein enger Freund Achesons, als Präsidentschaftskandidat der Demokraten aufgestellt, konnte sich jedoch nicht gegen die teilweise schmutzige Kampagne der Republikaner behaupten. Daher beschloß Acheson nach der Wahl Dwight D. Eisenhowers zum Präsidenten, sich aus dem politischen Geschäft zurückzuziehen. Nach seinem Ausscheiden aus der Administration arbeitete er wieder als Rechtsanwalt.

Werke u.a.: Power and Diplomacy (1958), Morning and Noon (1965), The Korean War (1971).

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Bild: Michael M. (03/2008)

Washington DC, Oak Hill Cemetery

McKinley, William jr.

 

  • geb. 29.1.1843 in Niles (Ohio)
  • gest. 14.9.1901 in Buffalo (New York)

25. US-amerikanischer Präsident (1897-1901); in sein erstes öffentliche Amt wurde er als Bezirksstaatsanwalt 1869 gewählt. Nach seiner Teilnahme am amerikanischen Sezessionskrieg wurde er erstmals 1877 Abgeordneter der Republikaner für Ohio im Repräsentantenhaus (erneut 1885-91), wo er   im Interesse seines Wahlklientels aus der Industire eine Politik der hohen Schutzzölle durchsetzte (McKinley tariff, 1890). Von 1892 bis 1896 war er Gouverneur von Ohio. 1896 setzt er sich gegen William Jennings Bryan durch und wurde zum Präsidenten der USA gewählt. Als sich Kuba von der Kolonialmacht Spanien trennen wollte, unterstütze McKinley den Unabhängigkeitskampf des Inselstaates vor allem aus wirtschaftlichen Gründen. Diese Unterstützung führte 1898 zum Spanisch-Amerikanischen Krieg, in dem die USA innerhalb von nur drei Monaten den Gegner besiegten. Sie gewannen Puerto Rico und die Philippinen hinzu, und Kuba sicherten sie die Unabhängigkeit zu. Die sich entwickelnde neue Rolle der Vereinigten Staaten hin zu einem weltpolitische Faktor einerseits und das Entstehen und rasante Wachstum von Trusts innerhalb des Landes, führten sehr bald zu gesellschaftlichen Auseinandersetzung und Unruhen. In seiner Kampagne zu seiner Wiederwahl im Jahre 1900 war dies auch sein Thema, dem er sich zuwenden wollte, aber nicht mer angehen konnte, da er an den Folgen eines Attentats des Anarchisten Leon Czolgosz vom 6.9.1901 starb.  McKinsey war der dritte Präsident, der innerhalb von 36 Jahren einem Attentat zum Opfer fiel.

Attentat

 

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Bilder: Michael M. (11/2006)

Canton (Ohio), McKinley Memorial

Staegemann, Friedrich August von

 

  • geb. 7.11.1763 in Vierreden (Uckermark)
  • gest. 17.12.1840 in Berlin

Deutscher Politiker; nach dem frühen Verlust seiner Eltern wurde er von Verwandten in das Schindlersche Waisenhaus nach Berlin gebracht. Nach Absolvierung des Gymnasiums studierte er in Halle-Wittenberg Rechtswissenschaften und war ab 1785 Referendar bei der Regierung in Königsberg, dann später Kriminalrat und schließlich Syndikus der Ostpreußischen Generallandschaft. In Königsberg traf er seine spätere Frau, Elisabeth Graun, "eine der edelsten Frauengestalten der Zeit", die einen Kreis angesehener und bedeutender Persönlichkeiten um sich sammelte, zu denen auch der Philosoph Immanuel Kant zählte. 1806 wurde Staegemann zum Chef der Preußischen Bank in Berlin ernannt. Im Folgejahr wurde er Mitglied der auf Vorschlag von Karl August von Hardenberg eingesetzten Immediatkommission, die unter Mitarbeit Karl Freiherr vom Steins den preußischen Staat neugestalten sollte. 1812/1813 war er an der Vorbereitung der Befreiungskriege gegen Napoléon beteiligt und wurde in diesem Zusanmmenhang für seine Verdienste in den Adelsstand erhoben.

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Bild: Klaus Meinert (02/2007)

Berlin, Friedhof III der Jerusalems- und Neuen Kirchengemeinde

Hoxha, Enver

 

  • geb. 16.10.1908 in Gjirokastra (Teil der Türkei, heute Albanien)
  • gest. 11.4.1985 in Tirana

Albanischer Politiker; studierte ab 1930 Naturwissenschaften in Montpellier und Jura in Brüssel, wo er sich der kommunistischen Partei anschloß und von 1934 bis 1936 Botschaftssekretär war. Als er aus politischen Gründen entlassen wurde, nahm er in Albanien eine Stellung als Französischlehrer an. Als zu Beginn des Zweiten Weltkrieges Albanien von italienischen und später von deutschen Truppen besetzt wurde, ging er in den Untergrund und leitete die Widerstandsbewegung. 1941 gründete er mit jugoslawischer Unterstützung die Albanische Kommunistische Partei, deren Generalsekretär er 1943 wurde. Als die Besatzungstruppen 1944 abzogen, wurde Hoxha Ministerpräsident, ein Amt, das er bis 1954 innehatte (zugleich war er von 1946 bis 1954 Außenminister seines Landes). Ab 1954 dann Erster Sekretär der Partei, war er faktisch Staatschef. Bereits in seiner Eigenschaft als Ministerpräsident leitete er die Umwandlung Albaniens in einen Staat nach marxistisch-leninistischem Muster ein und errichtete ein diktatorisches Regierungssystem, indem er rücksichtlos jegliche Opposition  ausschaltete. Sein wichtigster politischer und wirtschaftlicher Verbündete war die Sowjetunion war, bis diese sich nach dem Tode Stalins unter Nikita Chruschtschow vom Stalinismus abwandte. 1961 kam es schließlich zum Bruch mit der Sowjetunion und Albanien orientierte sich bis in die 1970er Jahre hinein am kommunistischen China Mao Zedongs. Sein Kurs strikter Unabhängingkeit führte das Land schließlich in eine politische und wirtschaftliche Isolation. Als aufgrund des Besuchs von Richard Nixon China mit den Vereinigten Staaten diplomatische Beziehungen aufnahm, kühlte sich auch die Beziehung zu China ab. Trotz der internationalen Isolierung des Volkes, dessen katastrophaler wirtschaftlichen Situation und des Versuchs eines Staatsstreichs im Jahre 1974 gelang es Hoxha, bis zu seinem Tode seine Macht zu erhalten. Allerdings wurden schon bald nach seinem Ableben die Erinnerung an ihn nach und nach ausgelöscht: das ihm gewidmete pompöse Museum wurde in ein Kulturzentrum umgewandelt, Straßen erhielten ihren alten Namen zurück, nach ihm benannte Institutionen umbenannt.

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Tirana (Albanien)

Bild: Albinfo (06/2006)

Hinweis: Zuvor war Hoxha bis zur Umbettung 1992 auf dem  Friedhof der Kriegshelden beigesetzt.

Bild: Courtesy Justin Buetter (10/2007)

Miloševic, Slobodan

 

  • geb. 20.8.1941 in Pozarevac (Protektorat Serbien, heute Serbien)
  • gest. 11.3.2006 in Den Haag, OT Scheveningen

Serbischer Politiker; der Sohn eines aus Montenegro stammenden Vaters, eines serbisch-orthodoxen Popen, der sich 1962 umbrachte (Miloševic’ Mutter nahm sich 1973 das Leben), trat 1959 dem Bund der Kommunisten Jugoslawiens (BDKJ) bei, der KP des Landes. 1964 beendete er sein Jurastudium mit dem Staatsexamen an der Universität Belgrad. Ab 1969 war er Vizedirektor, ab 1974 Generaldirektor von Technogas und von 1978 bis 1983 Direktor der Beogradska Banka. 1984 wurde er zum Leiter der Belgrader Regionalgruppe des BDKJ gewählt und 1987 zu deren Parteisekretär. Ab 1990 war er Vorsitzender der Sozialistischen Partei Serbiens. Miloševic konnte durch einen extrem serbisch-nationalistischen Kurs (ab 1987 u.a. die Aufhebung der Autonomie im Kosovo 1989/90) immer mehr Einfluß gewinnen und trug in der Folge seiner Politik hohe Mitverantwortung an den von 1991 bis 1995 augetragenen blutigen Kriegen in Kroatien sowie Bosnien und Herzegowina; 1995 sah er sich unter internationalem Druck schließlich gezwungen, zusammen mit dem bosnischen Präsident Alija Izetbegovic und dem kroatische Präsident Franjo Tudjman das Abkommen von Dayton (21.11.) zu unterzeichnen, beziehungsweise zum Frieden von Paris (14.12.) genötigt. Als Präsident Jugoslawiens ab Juli 1997 war Miloševic hauptverantwortlich für die Eskalation der internationalen Kosovokrise (1998/99). Nach Protesten und Massendemonstrationen wurde er am 5.10.2000 durch einen Volksaufstand gestürzt, nachdem er sich zuvor zum Sieger der Präsidentschaftswahlen vom 24.9.2000 erklärt hatte. Nachfolger im Amt wurde Vojislav Kostunica. Wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Verstößen gegen das Kriegsvölkerrecht im Kosovo wurde Miloševic vom Internationalen Kriegsverbrechertribunal für Jugoslawien in Den Haag bereits im Mai 1999 angeklagt, aber erst 2001 wurde er verhaftet und an den Internationalen Gerichtshof ausgeliefert. Das Verfahren konnte allerdings nicht mehr zu Ende geführt werden, da Miloševic, der ein multipler Kranker war, am Morgen des 13.3.2006 leblos in seiner Zelle im Gefängnis des UN-Kriegsverbrechertribunals aufgefunden wurde. Verheiratet war Miloševic seit 1965 mit ein Jahr jüngeren Marjana Markovic, einer Klassenkameradin aus der höheren Schule, die aus einer der führenden serbischen Kommunistenfamilie stammte und eine kommunistische Aktivistin war.

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Pozarevac, Auf dem Familienanwesen

Schuman, Jean-Baptiste Nicolas Robert

 

  • geb. 29.6.1886 in Luxembourg, OT Clausen/Faubourg (Deutsches Reich, jetzt Frankreich)
  • gest. 4.9.1963 in Chazelles bei Metz

Französischer Politiker luxemburgisch-lothringischer Abstammung; studierte an der Universität Bonn, dann in München, Berlin und Straßburg Rechtswissenschaften, promovierte 1910 in Berlin und arbeitete zunächst als Rechtsanwalt in Metz. Während des Ersten Weltkrieges arbeitete Schuman am Bezirkspräsidium in Bolchen und war Offizier in der kaiserlichen deutschen Armee. 1918 wurde er Mitglied des Stadtrates von Metz. Als Elsaß-Lothringen 1919 zu Frankreich kam, nahm Schuman die französische Staatsangehörigkeit und wurde Abgeordneter Lothringens in der französischen Nationalversammlung, bis er 1941 von der Gestapo verhaftet wurde. Aus der Haft in Neustadt an der Weinstraße gelang ihm 1942 die Flucht. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde er erneut Abgeordneter der französischen Nationalversammlung und Präsident des Finanzausschusses. 1946 wurde Schuman Finanzminister und 1947 Ministerpräsident von Frankreich. Zwischen 1948 und 1952 war er Außenminister in acht der kurzlebigen Kabinetten der politischen Mitte. Bekannt wurde er als Politiker unter anderem durch die Schaffung des nach ihm benannten Schuman-Plans. Am 9. Mai 1950 veröffentlichte Schuman die historische Erklärung für die Neukonstruktion Europas, beginnend mit der Montanunion, die politisch zur Föderation Europas führen sollte. Da seine Idee, eine Europäische Gemeinschaft zu schaffen, im damaligen Frankreich kein Verständnis fand, legte er 1952 sein Amt nieder. 1953 war er maßgeblich an der Straßburger Konvention für Menschenrechte und bürgerliche Grundfreiheiten von 26 europäischen Staaten beteiligt. Immer wieder warb er auch für die Idee eines geeinten Europas. 1955 wurde er zum Justizminister berufen. 1958 wurde Schuman der erste Präsident des Europäischen Parlaments.

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Scy-Chazelles b. Metz, Église Saint Quentin  (Kapelle)

Bilder: © Pim de Bie-Holland
Politiker LVI