Österreichischer Politiker; nach Jurastudiums an der Universität von Wien und Teilnahme am Zweiten Weltkrieg arbeitete er als Jurist und war ab 1953 Landgerichtsrat in Wien, bevor er 1954 als juristischer Berater ins Bundeskanzleramt berufen wurde und an der Gestaltung des österreichischen Staatsvertrags von 1955 sowie des Südtirolabkommens mitwirkte. Ab 1956 im Außenministerium Leiter der Völkerrechtsabteilung, war er ab von 1962 bis 1967 stellvertretender Generalsekretär für Auswärtige Angelegenheiten und von 1967 bis 1970 österreichischer Gesandter in der Tschechoslowakei. Im April 1970 ernannte Bruno Kreisky (SPÖ) den Parteilosen zum Außenminister in seinem Minderheitskabinett. Im Juni 1974 wurde er als Kandidat der SPÖ zum Bundespräsidenten gewählt und 1980 in diesem Amt bestätigt. Da eine weitere Wiederwahl gemäß der österreichischen Verfassung nicht möglich war, schied er im Juni 1986 aus dem Amt des Bundespräsidenten aus.
Österreichischer Politiker; nach Absolvierung der Wirtschaftsuniversität in Wien war er von 1957 bis 1959 im Bundeskanzleramt tätig. Anschließend gehörte er bis 1962 der österreichischen Mission bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris an, war von 1961 bis 1966 Botschaft in Washington und von 1966 bis zum Ende der Regierung Josef Klaus (ÖVP) dessen Sekretär. Er kehrte in den diplomatischen Dienst zurück: war von 1978 bis 1982 Botschafter bei den UN, von 1982 bis 1987 Botschafter in Washington (DC). 1987 kehrte er schließlich nach Wien zurück, wo er bis 1992 Generalsekretär im österreichischen Außenministerium war. Von der ÖVP als Kandidant für das Amt des Bundespräsidenten nominiert, siegte er 1992 in einer Stichwahl mit 56,89 Prozent der Stimmen über den SPÖ-Kandidaten Rudolf Streicher. Im April 1998 mit fast 64% wiedergewählt, starb er 2004 zwei Tage vor Ablauf seiner Amtszeit. Österreich führte er aus der internationalen politischen Isolierung heraus, durch das es durch seinen Amtsvorgänger Kurt Waldheim geraten war. 1995 konnte er mit dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union eines seiner außenpolitischen Ziele erreichen.


Wien, Zentralfriedhof, Präsidentengruft
Wien, Zentralfriedhof, Präsidentengruft

Irischer Unabhängigkeitskämpfer; bevor er sich der Irish Republican Brotherhood anschloß, die sich die Unabhängigkeit Irlands von der englischen Oberhoheit zum Ziel gesetzt hatte, arbeitete er von 1906 bis 1916 als Staatssekretär in London. Er wurde, da er 1916 am Osteraufstand in Dublin beteiligt war, verhaftet. Nach seiner Entlassung wurde er führendes Mitglied der Sinn-Féin-Bewegung, wurde 1918 erneut verhaftet, konnte jedoch entfliehen. Während er noch auf der Flucht war, wählte man ihn in das Revolutionsparlament der Sinn Féin, in dem er das Amt des Finanzministers übernahm. Aus radikalen, nationalistisch orientierten Freiwilligen bildete er eine bewaffnete Truppe (IRA), die zwischen 1919 und 1921 den irischen Aufstand gegen die Briten führte und diese schließlich zu Verhandlungen zwang, zu denen er 1921 als Verhandlungsführer Irlands nach London entsandt wurde, wo er den Teilungsvertrag mit Großbritannien unterzeichnete, der in die Gründung des Freistaats Irland mündete. Anschließend wurde er Vorsitzender der Provisorischen Regierung und Oberbefehlshaber der Streitkräfte des Freiustaates Irland. Collins fiel einem Attentat von radikalen Gegnern des Vertrages innerhalb der Sinn-Féin-Bewegung zum Opfer.
Irischer Politiker; der Sohn eines kubanischen Vaters und einer irischen Mutter kam 1886 nach Irland, wo ab 1906 Mathematik unterrichtete und sich in der Gälischen Liga engagierte, bevor er sich 1913 der irischen Unabhängigkeitsbewegung anschloß und den Irish Voluteers, dem militanten Flügel der Sinn Féin, beitrat. 1916 war er an führender Position am Osteraufstand in Dublin beteiligt, wurde verhaftet und mit der Todesstrafe belegt, die in lebenslange Zwangsarbeit gewandelt wurde. Nachdem er 1917 im Rahmen einer Generalamnestie freigelassen worden war, übernahm er die Führung der Sinn Féin und nahm einen Sitz im britischen Unterhaus ein. Obwohl er 1918 erneut verhaftet worden war, wählte ihn das 1919 illegal zusammengetretene irische Parlament in Abwesenheit zu seinem Präsidenten. Noch im gleichen Jahr gelang es ihm, in die Vereinigten Staaten zu fliehen, aus denen er 1921 nach Irland zurückkehrte. Nach Verhandlungen mit der britischen Regierung unter Lloyd Georges im Juli des gleichen Jahres konnte ein Waffenstillstand erzielt werden. Im Dezember kam schließlich ein Vertrag zwischen den Iren und der britischen Regierung zustande, dem im Januar 1922 das irische Parlament zustimmte und demzufolge Irland ohne die Provinz Ulster den Status eines Freistaates und eines britischen Dominions erhalten sollte. de Valera, der den Vertrag mißbilligte, trat daraufhin als Präsident zurück und führte im anschließenden Bürgerkrieg den radikalen Flügel der Sinn Féin im Kampf gegen die Regierung des irischen Freistaates unter William Cosgrave. Von Mitte 1923 bis Mitte 1924 erneut in Haft, legte er 1926 den Vorsitz der Sinn Féin nieder und gründete die gemäßigtere Oppositionspartei Fianna Fáil, die ihn nach ihrem Wahlsieg im Jahre 1932 zum Ministerpräsident wählte. Als solcher betrieb er die Loslösung des Freistaates von Großbritannien. Schließlich trat am 29.12.1937 eine neue Verfassung in Kraft, unter der der Freistaat zur souveränen Republik Irland (Eire) wurde. De Valera engagierte sich für eine Wiedervereinigung mit Nordirland, wandte sich jedoch gegen den Einsatz von Gewalt. Sein Ziel, Irland aus dem Verband der Commonwealth-Staaten herauszulösen, wurde 1949 erreicht. de Valera, der das Amt des Ministerpräsidenten bis 1948 innehatte, wurde in dieses Amt von 1951 bis 1954 und erneut von 1957 bis 1959 gewählt. Von 1959 bis 1973 war er Staatspräsident der Republik Irland.
Irischer Nationalist und Politiker; der Sohn eines anglo-irischen Grundbesitzers und einer amerikanischen Mutter studierte an der Universität Cambridge. 1875 wurde er, der ein Anhänger der irischen Home-Rule-Bewegung war, als Abgeordneter in das britische Unterhaus gewählt und verfolgte als solcher eine systematische Obstruktionspolitik. 1879 wurde er zum Präsidenten der neu gegründeten Irish Land League gewählt. Zunächst stand er auf Seiten des Liberalen Gladstones, wechselte jedoch 1880, als dieser sich für das Land Act aussprach, auf die Seite der Opposition, da es die Forderungen der irischen Nationalisten nicht ausreichend berücksichtigte, und sprach sich für Boykottmaßnahmen gegen den Land Act aus. Dieser Aufruf führte zu seiner und seiner Anhänger Verhaftung und zum Verbot der Irish Land League. Nachdem er sich mit Gladstone im sogenannten Kilmainham Treaty (Abstand von der Pachtverweigerung) geeinigt und zum Gewaltverzicht aufgerufen hatte, wurde er aus der Haft entlassen. Nachdem jedoch Mitglieder der Irish Invincibles dem Minister Lord Frederick Charles Cavendish und den Staatssekretär für Irland Thomas Burke in Dublin ermordeten und obwohl Parnell diese Taten scharf verurteilte, scheiterten seine Bemühungen um eine Friedenspolitik. Es kam zu Terroranschlägen, auf die die Briten mit scharfen Gesetzen reagierten. Gladstone, der die Gesetze 1885 verlängern wollte, scheiterte am Widerstand Parnells Partei und mußte schließlich von seinem Amt zurücktreten. Aufgrund eines Skandals, der durch eine private Angelegenheit (Vorwurf des Ehebruchs) ausgelöst worden war, büßte er an Einfluß sowohl bei seinen irischen als auch englischen Anhängern ein: es kam zur Spaltung der Irish Nationalist League , der Nachfolgeorganisation der verbotenen Irish Land League. Parnells Bemühungen, die Spaltung rückgängig zu machen, scheiterten; erst nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde Irland die Home Rule gewährt.



Dublin, Glasnevin Friedhof
Dublin, Glasnevin Friedhof
Dublin, Glasnevin Friedhof
Sozialistischer Aktivist und Führer der irischen Gewerkschaftsunion; der Sohn irischer Eltern wuchs in ärmlichen
Verhältnissen auf und mußte bereits als Kind die Familie unterstützen. Bereits im Alter von 19 Jahren war sein Interesse für die sozialistischen Ideen geweckt, 1905 nahm er als einer der
wenigen Arbeiter am Streik im Liverpooler Hafen teil, wurde in das Streikkomitee gewählt und verlor seine Arbeitsstelle. In den folgenden Jahre arbeitete er für die National Dock Labourers' Union
(NDLU) und organisierte verschiedene Streikaktionen in Schottland sowie 1908 in Dublin und den Provinzen Cork und Waterford. In Irland gründete er im Dezember 1908 die Irish Transport and General Worker’s Union (ITGWU), 1912 zusammen
mit James Connolly (*1868, +1916) die Irish Labour Party und wurde in die Dublin Corporation gewählt. Im sieben Monate währenden Dubliner Generalstreik, dem sogenannten
Dublin Lockout von 1913 spielte er
eine führende Rolle. Nach Beendigung der Auseinandersetzung ging Larkin in die Vereinigten Staaten, wo er Gründungsmitglied der Kommunistischen Partei der USA wurde und aufgrund dieser Mitgliedschaft, seiner radikalen sozialistischen
Veröffentlichungen und der in den USA herrschenden Angst vor den “Roten” 1920 wegen "krimineller Anarchie” verhaftet und zu 5-10 Jahren im berüchtigten Sing-Sing Gefängnis verurteilt, allerdings 1923
begnadigt und später abgeschoben. Nach seiner Rückkehr setzte er sich für die Beendigung des irischen Bürgerkriegs ein und gründete noch im gleichen Jahr die Irish Worker League. 1924
trat Larkin dem Kongress der Komintern bei und wurde in dessen Exekutivkomitee gewählt. Bei den Wahlen im September 1927 wurde Larkin in Nord-Dublin zwar gewählt, konnte den Sitz wegen
einer Verleumdungsklage jedoch nicht einnehmen. Bei den Wahlen im Jahre 1932 noch erfolglos für die Kommunisten angetreten, wandte er sich - vermutlich wegen des Mißerfolgs - Anfang der 1930 Jahre von der Sowjetunion ab und bezeichnete sich
nunmehr als “unabhängiger Arbeiter”. Obwohl er 1936 erneut einen Sitz im Irischen Parlament, der Dublin Corporation, und auch bei den Wahlen 1937 einen Sitz im irischen Unterhaus
erlangte, verlor er diesen bereits 1938 wieder. In diesem Zeitraum schloß sich die Workers' Union of Ireland (WUI) dem “mainstream” der Gewerkschaften und wurde daraufhin vom Dubliner Gewerkschaftsbund 1936 anerkannt. Nach dem Inkrafttreten
eines neuen, umstrittenen Gewerkschaftsgesetzes, das im Jahre 1941 in das Parlament eingebracht worden war, bat er mit Erfolg um Aufnahme in die Labour Party. Als Gegenreaktion auf die ihrer
Meinung nach “kommunistische Unterwanderung” der Partei spaltete sich die ursprünglich von Larkin gegründete ITGWU unter Führung von William O’Brien ab und bildete die rivalisierende National Labour Party
. Larkin selber arbeitete von 1943 bis 1944 als Deputierter der Labour Partei im Dáil Éireann, dem irischen Unterhaus.

Dublin, Glasnevin Friedhof
